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Janßens grauenhafte Vorstellung

19 Punkte hat Dynamo geholt – so viele wie noch nie nach 16 Spielen in der zweiten Liga. Trotzdem mahnt der Trainer.

© Robert Michael

Von Sven Geisler

Wer hätte das für möglich gehalten? Nur drei Punkte hatten die Dresdner Dynamos aus den ersten sechs Spielen dieser Saison geholt, waren siegloser Letzter. Es war die schlechteste Zwischenbilanz im fünften Zweitliga-Jahr. Und der Trainerwechsel die logische Konsequenz. Jetzt, nach zehn Partien unter Olaf Janßen, haben die Schwarz-Gelben so viele Punkte auf dem Konto wie noch nie zu diesem Zeitpunkt. Das Paradoxe: Sie stehen in der Tabelle auf dem gleichen Rang wie im Vorjahr, als sie nur 14 Zähler hatten.

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Nach dem überraschenden Sieg gegen den entthronten Spitzenreiter 1. FC Kaiserslautern konnten sie zwar den Relegationsplatz wieder verlassen, sich aber zu den direkten Konkurrenten kaum Luft verschaffen. Deshalb runzelt Janßen die Stirn. „Wir müssen davon ausgehen“, sagt der 47-Jährige, „dass bis zur Winterpause auch der Vorletzte und Letzte 20 Punkte oder mehr haben. Eine grauenhafte Vorstellung.“ Denn das heißt: Im Abstiegskampf geht es so eng zu wie lange nicht. Mindestens elf Mannschaften, also mehr als die halbe Liga, müssen zittern.

Janßen hat sofort das Beispiel parat. „Dynamo ist schon mal mit 40 Punkten oder mehr abgestiegen. Ich will das nicht beschreien, aber wir sollten davon ausgehen, dass wieder diese Punktzahl vonnöten sein wird.“ Es war in der Saison 2005/06, als nicht einmal 41 Punkte reichten. Damals hatten die Dresdner nach 16 Spielen jedoch nur 13 Zähler geholt und in der Rückrunde eine Aufholjagd gestartet.

Aber dass auch 19 Zähler nach knapp der Hälfte der Spiele kein beruhigendes Polster sind, zeigt ebenfalls ein Blick zurück. In den vergangenen zehn Jahren reichte es für vier Klubs nicht, um den Sturz in die Drittklassigkeit zu vermeiden: Hansa Rostock (2009/10), Sportfreunde Siegen (2005/06), Eintracht Trier (2004/05) und VfB Lübeck (2003/04).

Deshalb wird Janßen nicht müde, daran zu erinnern, dass es noch ein „sehr, sehr langer und harter Weg“ sei; was sich schon aus den nächsten Aufgaben ergibt. Von fünf Spielen bestreitet Dynamo vier auswärts: in Bielefeld und Köln vor der Winterpause, bei Union Berlin und dem FSV Frankfurt im Februar. Nur der VfL Bochum kommt vier Tage vor Weihnachten noch ins Dresdner Stadion.

Zum Vergleich: Das scheinbar schon abgeschlagene Schlusslicht Energie Cottbus empfängt mit dem FC Ingolstadt und Fortuna Düsseldorf direkte Konkurrenten und könnte rechnerisch mit zwei Heimsiegen schon wieder zu den Dresdnern aufschließen. „Das zeigt, dass es nicht einfach wird“, mahnt Janßen, sagt aber auch, dass die Mannschaft aus dem Erfolg gegen den 1. FCK weiter Mut schöpfen könne.

Angesichts der Ausgangslage nach zwei verschenkten Zählern gegen Aue und der Klatsche in Karlsruhe war das jedoch eher ein Pflicht- als ein Überraschungssieg, wie auch Kapitän Romain Bregerie betont: „Wenn wir auswärts verlieren, müssen wir zu Hause drei Punkte holen, auch wenn das gegen ein super Team wie Kaiserslautern schwieriger ist.“ Janßen registrierte zufrieden, dass seine Jungs trotz der schwierigen Situation den Plan „so unaufgeregt umgesetzt und das wirklich sehr, sehr gut und cool runtergespielt“ haben.

Aber noch gelingt das eben nicht konstant, muss mit Leistungsschwankungen und Rückschlägen wie bei Greuther Fürth (0:4) und in Karlsruhe (0:3) gerechnet werden. „Deshalb gilt nur: Weiterarbeiten, daran glauben, zusammenwachsen und an den Dingen feilen, die wir besser machen können, wollen und müssen“, meint der Chefcoach, der gleich an seinem ersten Arbeitstag alle Karten auf den Tisch gelegt hat. „Ich habe den Spielern gesagt, was ich von ihnen erwarte, dass sie keine Mannschaft sind, dass aber ohne Teamgeist nichts funktionieren kann im Fußball“, berichtet er von der Kabinenpredigt.

Seitdem hat sich viel verändert, was sich auch in Janßens persönlicher Dynamo-Bilanz niederschlägt: vier Siege, vier Unentschieden, zwei Niederlagen. Hätte die Saison erst mit seinem Amtsantritt begonnen, stünden die Schwarz-Gelben auf Platz fünf. Nur Köln (20), Kaiserslautern (18), St. Pauli und Sandhausen (beide 17) konnten in den letzten zehn Spielen mehr punkten. Das verdeutlicht, wie schwer Dynamo an dem schwachen Start zu tragen hat. „Wir schauen nicht nach hinten, sondern nur nach vorn“, will Janßen nicht lamentieren.

Dabei setzt der Rheinländer auch auf den zwölften Mann. Die Unterstützung der Fans spüre er seit seiner Landung aus Baku. „Was gibt es für einen Trainer Schöneres als das Gefühl, in Ruhe arbeiten zu können?“, fragt Janßen rhetorisch. „Das Dresdner Publikum hat ein Gespür dafür, ob die Mannschaft in der Spur ist, ob sie will. Das freut mich und macht Mut, die schweren Wochen und Monate gemeinsam durchzustehen.“ Denn abgerechnet wird wie immer erst am Schluss.