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„Japaner-Eck“ wird abgerissen

Die Immobilie am Sachsendamm in Weißwasser hatte viele Nutzer, sorgte in den letzten Jahren oft für Ärger: auch als ehemaliger Neonazi-Treff.

Vom ehemaligen „Japaner-Eck“am Sachsendamm in Weißwasser ist nur wenig übrig. Schon in den kommenden Tagen wird der Abriss abgeschlossen sein.
Vom ehemaligen „Japaner-Eck“am Sachsendamm in Weißwasser ist nur wenig übrig. Schon in den kommenden Tagen wird der Abriss abgeschlossen sein. © Joachim Rehle

Als in Weißwasser-Süd die Neublocks wie Pilze aus dem Boden sprossen und hier Zehntausende wohnten, mussten auch entsprechend viele Geschäfte und Gaststätten gebaut werden. Nun wird am Sachsendamm eines der Überbleibsel aus DDR-Zeit abgerissen: das sogenannte Japaner-Eck. 

Der flache Bau in Plattenbauweise wurde in den letzten drei Jahrzehnten unterschiedlich genutzt. Mal als „exotische“ Gaststätte, wie der noch heute in der Bevölkerung gebräuchliche Spitzname beweist, mal als Laden, mal als Treffpunkt. Als solcher hatte das „Japaner-Eck“ zuletzt für unrühmliche Bekanntheit Weißwassers in ganz Deutschland gesorgt. Denn nachdem das in Privatbesitz befindliche Gebäude weiterverkauft worden war, schuf sich die vom sächsischen Verfassungsschutz als „rockerähnliche Neonazi-Gruppe“ eingestufte „Brigade 8“ darin ein Clubhaus.

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Seit 2016 ist die Gruppierung nicht mehr im Objekt; in Weißwasser stand die Immobilie wieder leer und zum Verkauf. Der Haushalts- und Sozialausschuss des Stadtrates in Weißwasser ermächtigte daraufhin die Stadtverwaltung, das Gebäude zu erwerben, was ein Jahr später erfolgte. Begründung: Behebung eines städtebaulichen Missstandes. Immerhin war Weißwasser-Süd inzwischen großflächig rückgebaut, gab es kaum Interessenten zur Nachnutzung dort leerstehender Immobilien, die weiter verfielen. Und: Der Kauf des „Japaner-Ecks“ durch die Stadt sowie der damit verbundene Abriss sollte(n) eine mögliche Neuansiedlung von Neonazis, radikalen Gruppen und Bewegungen oder andere ungewollte Nutzungen verhindern.

Kaufinteressenten abgewiesen

Das klappte zwar. Doch bis zum Abriss dauerte es länger als geplant. Nachdem die Stadt die Immobilie 2017 erworben hatte, folgten fast ein Jahr später die Pläne für den Abriss, wurden die dafür nötigen Fördergelder beantragt. Nun, fast drei Jahre später, kann endlich der Abriss erfolgen. Die Zeitverschiebung, so Stadtsprecher Wulf Stibenz, sei mit Formalien wie der notariellen Beurkundung nach dem Erwerb des Grundstücks durch die Stadt, dem Prozedere des Fördermittelantrags, aber auch durch Corona begründet, wodurch der Bauausschuss erst am 16. Juni 2020 die entsprechende Beschlussvorlage einstimmig verabschieden konnte.

Zwischenzeitlich gab es auch eine Kaufanfrage eines in Weißwasser ansässigen Unternehmers, der darin seinen Reifenhandel erweitern wollte. Da der Abriss bereits beschlossen war und die Fördermittelbeantragung lief, wurde dem Interessenten vom Bauamt der Stadt eine Absage erteilt. Die Form der Absage sorgte dafür, dass sich der Interessent in der öffentlichen Stadtratssitzung kritisch darüber äußerte. An der Kaufabsage änderte dies jedoch nichts.Nachdem das Abrissvorhaben öffentlich ausgeschrieben und von neun Firmen die Unterlagen angefordert wurde(n), beteiligten sich sieben Firmen an der Ausschreibung. Das Unternehmen REA GmbH aus Drebkau erhielt für ihr Angebot von rund 52.000 Euro als wirtschaftlichster Anbieter den Zuschlag und begann im Juli mit der Entkernung des Gebäudes. Inzwischen erfolgt der Abriss, der in den kommenden Tagen abgeschlossen sein soll. Damit gibt es in Weißwasser eine Brache – und einen möglichen Brennpunkt, weniger.

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