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Je besser das Obst, desto schmackhafter der Saft

Pirna. In der Mosterei in Rottwerndorf hat wieder die Saison begonnen. Bis zu 700 000 Flaschen werden pro Jahr produziert.

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Von Hannelore Angermann

Obstgeruch liegt in der Luft, Flaschengeklapper erfüllt die Räume. Trotz drückender Außentemperaturen ist es angenehm kühl hier. „Die Saison läuft bei uns erst richtig an. Bis zu 700 000 Flaschen Obstsäfte produzieren wir im Jahr“, erklärt Karin Paul, Geschäftsführerin der Rottwerndorfer Fruchtsäfte GmbH in Pirna. „Hinzu kommen noch 400 000 Liter, die in Tankwagen die Mosterei verlassen.“

Der Betrieb verarbeitet ausschließlich Obst aus der Region zu Direktsaft. „Wir achten bereits bei der Fruchtauslese auf Qualität und Sauberkeit“, so die Chefin. Die 45-Jährige beschäftigt drei bis fünf Leute, je nach Saison und Obstaufkommen. Auch die 22-jährige Tochter Marika, gelernte Kauffrau, ist im Familienunternehmen. „Der Job ist nichts für Zartbesaitete“, sagt sie. Die Frauen und Männer müssen zupacken, trotz arbeitserleichternder neuer Technik. Jüngste Investitionen sind die Etikettiermaschine, der Flaschenverschließer sowie Gabel-Stapler und Iveco-Laster. Der Abfüller hat allerdings schon 30 Jahre auf dem Buckel.

Hauptstandbein der GmbH ist die Lohnmostverarbeitung. Das heißt, Kleingärtner oder -erzeuger und Obstbaubetriebe aus der Region bringen ihr Obst zum Pressen und erhalten dafür Saft. Entweder sofort oder nach Wunsch innerhalb von drei Jahren. Von Juli bis November läuft die Frischverarbeitung auf Hochtouren. Die wuchtende Presse, an der mit Gehörschutz gearbeitet werden muss, ist dann täglich acht bis zwölf Stunden ausgelastet. Die Saison startet mit Beerenobst und Sauerkirschen. Dann folgen die Äpfel als Hauptprodukt. Zwischendurch werden noch Quitten gepresst. „Im Kommen sind auch wieder Fruchtweine“, freut sich Karin Paul.

Abgefüllt wird in die herkömmliche 0,7-Liter Glasflasche mit Schraubverschluss. Aber auch die 1-Liter- oder die DDR-Flasche mit Kronenverschluss sind noch üblich. Bei Hochbetrieb wird zudem auf Vorrat in Tanks abgefüllt, aus dem auch Großabnehmer bedient werden. Bis zu 600 000 Liter fasst das blitzsaubere Tanklager. „Es wurde 1989 gebaut. Aus diesem Jahr stammt auch die Band-Presse, die pro Stunde bis zu vier Tonnen verarbeitet“, sagt die Chefin. Das alte Keltereigebäude am Firmeneingang steht hingegen schon viel länger, nämlich seit das gegenüberliegende Schloss existiert. Im Altbau kann man von Montag bis Freitag die hauseigenen Säfte und weitere Getränke kaufen. Zudem wird frisches Obst und Gemüse angeboten.

Neben dem Verkauf läuft der Getränkehandel sowie die Kundenbelieferung. Der Firmen-Iveco kann mit fünf Paletten zu je 300 Flaschen beladen werden. „Damit beliefern wir im Landkreis und Dresden Großhändler, Gaststätten Getränkemärkte und Kliniken, auf Wunsch auch Privatkunden“, sagt die Geschäftsführerin. Vom Preis her könne man zwar nicht mit Supermarkt-Angeboten konkurrieren. „Dafür stimmt die Qualität“, ist Karin Paul überzeugt. Man könne das frische Obst schmecken.