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Jeans-Geschäft verlässt Görlitz

Innerhalb von sechs Monaten haben drei Geschäfte auf der unteren Berliner Straße geschlossen. Nun geht die Jeans Welt.

Bei der Jeans Welt ist noch bis Ende des Monats Räumungsverkauf. Der Inhaber möchte kürzer treten, die Zittauer Filialen bleiben aber.
Bei der Jeans Welt ist noch bis Ende des Monats Räumungsverkauf. Der Inhaber möchte kürzer treten, die Zittauer Filialen bleiben aber. ©  Nikolai Schmidt

In der Trabi-Garage hat alles angefangen. 1991 hat Lutz Kellotat die erste Filiale der Jeans Welt in Zittau eröffnet, eine zweite kam dazu, und eine dritte 1994 in Görlitz. „25 Jahre waren wir jetzt auf der Berliner Straße“, erzählt er. Nun hängen Schilder in den Schaufenstern: Räumungsverkauf bei der Jeans Welt. In vielen der sonst vollen Regale, die sich an den Wänden erstrecken, sieht es bereits recht ausgedünnt aus. Ende August wird die Jeans Welt in Görlitz schließen. 

„Ich werde nächstes Jahr 60“, sagt Lutz Kellotat. Neben den drei Filialen der Jeans Welt betreibt er in Zittau das Hotel Schwarzer Bär, zu dem auch eine Gaststätte gehört, die Pension Bloo Tomato, „und seit drei Jahren haben wir einen Internetverkauf. Wir wollen jetzt langsam ein bisschen kürzer treten“. Deshalb geben Lutz Kellotat und seine Frau die Görlitzer Jeans-Welt-Filiale auf, die beiden in Zittau bleiben aber bestehen.

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„Wir haben voriges Jahr viel hin und her überlegt, was wir machen“, erzählt Kellotat. Die langjährige Verkäuferin, die für die Görlitzer Filiale zuständig war, geht in Rente. Eine Weile stand die Frage, ob eines der drei Kinder der Familie Kellotat den Standort auf der Berliner Straße übernehmen würde, aber das zerschlug sich. „Sie leben in München und Dresden und werden in nächster Zeit wahrscheinlich nicht zurückkommen.“

Vor der politischen Wende war Lutz Kellotat Schrift- und Grafikmaler, „das ist ein wunderbarer Beruf“. In der Zeit, als er die Schule beendet hatte, konnten ihn nicht viele erlernen. Pro Jahr wurden nur rund 60 Lehrlinge in die Ausbildung zum Schrift- und Grafikmaler aufgenommen, erzählt er. Direkt in der Wendezeit machte er sich selbstständig mit einer Werbeagentur. Ein Ein-Mann-Unternehmen mit Trabi, beschreibt es Kellotat. Auf die Idee mit der Werbeagentur seien kurze Zeit später aber auch viele andere gekommen. Seine Frau und er suchten sich ein zweites Standbein – Jeans. „Das erste Geschäft war im Grunde meine Trabi-Garage“, erzählt er. Eine Zeitlang hatten Kellotats auch in Löbau eine Filiale und in der Dresdner Neustadt, „in Görlitz hatten wir 14 Jahre lang parallel zu dem Geschäft auf der Berliner Straße eines in der Straßburgpassage.“ Dort zog die Jeans Welt Ende der 2000-er aus. Nun ziehen sich Kellotats aus Görlitz ganz zurück.

Mit der Jeans-Welt sind es jetzt drei Geschäfte, die innerhalb dieses Jahres auf der unteren Berliner Straße leer geworden sind: Ende März zog die Parfümerie Thiemann um. Sie hatte zwei Filialen in unmittelbarer Nähe: die in der Straßburg-Passage und die in einem kleinen, historischen Geschäft auf der Berliner Straße. Letztere Filiale zog mit Produkten wie Mitarbeitern mit ein in die größeren Verkaufsräume in der Straßburg-Passage, ein Stück weiter unten an der Berliner. Seither ist der kleine Laden mit seiner historischen Ausstattung oben leer. Verwaltet werden die Räume von der Hausverwaltung Jakovlev, die nach einem neuen Mieter sucht. Es gab ein paar Besichtigungen, erzählt Mitarbeiter Rocco Klug, „aber so richtig traut sich noch keiner ran“. Es wird weiter nach einem Nachmieter gesucht, die historischen Geschäftsräume werden weiter beworben.

Tatsächlich sei der Einzelhandel in der Görlitzer Innenstadt nicht einfacher geworden. Die Kaufkraft, so Rocco Klugs Eindruck, liege nicht mehr nur im Zentrum, sondern habe sich über die Jahre auch nach außen verteilt. Zum Beispiel habe Rauschwalde mit Lidl, Rewe und Drogeriemarkt an der Reichenbacher Straße gute Einkaufsmöglichkeiten, in Königshufen zieht der Neißepark viele Kunden an. Als einen weiteren Punkt sieht Rocco Klug nach wie vor die ungünstigen Parkmöglichkeiten in der Innenstadt.

Auch Angelika Dedeleit hat die Hoffnung auf einen Nachfolger noch nicht aufgegeben. Sie leitete das Traditionsgeschäft Goldmann auf der unteren Berliner Straße. Vor Kurzem ist sie in den Ruhestand gegangen. Gerne würde sie es sehen, wenn sich doch noch jemand findet, der das Traditionshaus weiterführt. Auch, weil sie die Berliner Straße für einen guten Standort hält. Wer zum Bummeln kommt, der gehe bis heute erst mal Richtung Berliner, sagte sie im Juni gegenüber der SZ. Das Ursprungsgeschäft Goldmann, 1948 gegründet, war in einem anderen Gebäude, auf der oberen Berliner Straße. Auch, als 2014 ein Umzug anstand, wollte Angelika Dedeleit auf der Berliner bleiben und zog auf den unteren Teil der Straße. Die dortigen Geschäftsräume hat sie noch bis September reserviert. Dann wird auf jeden Fall noch mal Leben einkehren, „im September gibt es noch einen Aktionsverkauf für Herbstmode“, erzähl Angelika Dedeleit. Sie selbst hat nicht den Hut dafür auf, sie hat ihr Gewerbe schon abgemeldet. Vor Ort sein wird sie aber, eine Möglichkeit für die einstigen Stammkunden, sie mal wiederzusehen.

Gefahr, dass es der unteren Berliner Straße ergehen könnte wie der oberen, wo viel Leerstand herrscht, sieht Lutz Kellotat nicht. Für ihn ist die Berliner nach wie vor die Görlitzer Einkaufsstraße. „Wir gehen mit schwarzen Zahlen, nicht mit roten.“ Wenn es Interessenten gibt, die die Jeans Welt weiterführen wollen, würde er das Geschäft auch gerne weitergeben.

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