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Jeden Tag landet eine Katze im Bautzener Tierheim

Mehr als 200 Samtpfoten werden in Bloaschütz pro Jahr abgegeben. Die Geschichte eines alten Katers geht den Mitarbeitern besonders nahe.

Kater „Stromer“ sucht ein neues Zuhause. Das Tierheim in Bloaschütz möchte das 20 Jahre alte Tier gemeinsam mit seiner Katzenfreundin vermitteln. Beide gehörten einer alten Dame, die ins Pflegeheim umzog, erklärt Tierpflegerin Kerstin Heinzke.
Kater „Stromer“ sucht ein neues Zuhause. Das Tierheim in Bloaschütz möchte das 20 Jahre alte Tier gemeinsam mit seiner Katzenfreundin vermitteln. Beide gehörten einer alten Dame, die ins Pflegeheim umzog, erklärt Tierpflegerin Kerstin Heinzke. © Steffen Unger

Bautzen. Wer sich den Kater mit dem Namen Stromer ansieht, der erkennt eines sofort. Das Tier wurde gut gepflegt. Der Kater ist gut genährt, sein Fell ist dicht und glänzt in der Sonne. „Die 20 Jahre sieht man ihm überhaupt nicht an“, erklärt Kerstin Heinzke, die sich beim Bautzener Tierheim in Bloaschütz vor allem um die Katzen kümmert. Sie hat schon komplett verlauste und kranke Tiere wieder aufgepäppelt. Bei Stromer war der Tierarzt aber zufrieden. Er niest manchmal, ein paar Zähne fehlen, doch ansonsten ist er fit.

Trauriger Hintergrund

Dass der verschmuste Kater in diesem betagten Alter noch ins Tierheim umziehen musste, hat einen traurigen Hintergrund. Pflegerin Kerstin Heinzke kennt die ganze Geschichte. Stromer, so erzählt sie, lebte gemeinsam mit seiner zwölf Jahre alten Katzenfreundin Billy bei einer alten Frau. „Für die Dame waren die Katzen ihre Kinder, ihr ein und alles“, erklärt Heinzke. Doch das schöne Zusammenleben endete plötzlich, als die 97-Jährige einen schweren Unfall hatte. Im Krankenhaus erklärten ihr die Ärzte, sie könne nicht mehr in ihre Wohnung zurückkehren. Die Frau zog in ein Pflegeheim – ohne ihre Katzen. Die durfte sie nicht mitnehmen. Weil die Dame nicht wusste, wohin mit den Tieren, gab sie die beiden im Tierheim ab. „Wir haben der Frau versprochen, dass wir besonders, liebe Menschen für die Katzen finden“, erklärt die Pflegerin. Sie weiß aber auch, wie schwierig das wird. Mit seinen 20 Jahren ist Stromer der älteste Bewohner im Tierheim Bloaschütz. Damit gilt er trotz seiner freundlichen Art als schwer vermittelbar. Zumal ihn das Tierheim nur gemeinsam mit seiner Katzenfreundin abgeben möchte. Die beiden sind Freigang gewöhnt. Da der Kater aber Mühe hätte, sich in einer neuen Umgebung zurechtzufinden, wäre die Haltung in einer Wohnung besser. „Ich hoffe, wir finden jemanden. Es wäre sehr traurig, wenn Stromer die letzten Tage hier verbringen müsste“, so die Pflegerin.

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Nur wenige Tiere finden eine neues Zuhause

Kurz streicht sie dem Kater über das Fell, dann muss sie weiter. Jetzt, in den Sommermonaten, gibt es besonders viel zu tun. Auch im Büro von Tierheimleiter Uwe Bär stapelt sich Arbeit. „Gerade wird pro Tag mindestens eine Katze abgegeben“, erklärt er. Der Chef hat in den vergangenen Jahren schon viel erlebt. Er kennt die unterschiedlichen Szenarien. „Wenn die Katze einer Familie sechs Junge hat, dann werden drei oder vier an Bekannte weitergegeben. Um den Rest kümmert sich keiner mehr“, sagt er. Einmal kam eine Katze bei ihm an, die ihre Jungen in einem Lüftungsschacht zur Welt gebracht hatte. Es werden aber auch ältere Tiere in Bloaschütz abgegeben. Manchmal handelt es sich sogar um teure Rassekatzen. Doch nur die wenigsten werden von ihren Besitzern abgeholt. Von den 200 Katzen im Jahr fahren gerade einmal zehn zurück in ihr altes Zuhause. Erklären kann sich der Tierheimchef das nicht. Bei Hunden sei das auch völlig anders, sagt er. Meist werden sie schon nach kurzer Zeit von überglücklichen Herrchen und Frauchen wieder mitgenommen.

Zahl der Neuankömmlinge gesunken

Es gibt aber auch gute Nachrichten aus dem Tierheim. Seit Jahren setzen sich Uwe Bär und seine Mitstreiter dafür ein, dass die Zahl der wildlebenden Katzen nicht weiter steigt. Die Tiere werden eingefangen, kastriert und wieder freigelassen. „Wir vermieten auch Fallen, damit uns die Leute bei dieser Arbeit unterstützen können“, sagt der Tierheimchef. Sein Einsatz zahlt sich aus. Als Uwe Bär im Jahr 2010 die Leitung des Tierheims übernahm, kamen pro Jahr noch über 350 Katzen in Bloaschütz an. Heute sind es 150 weniger.

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Kerstin Heinzke hat jetzt den Raum mit den kleinsten Neuankömmlingen erreicht. Manche sind bereits an Menschenhand gewöhnt. Das ist gut, weil sie später besser vermittelt werden können. Bei den Jungen von wildlebenden Katzen sieht das ganz anders aus. „Die werden bei uns zwangsgekuschelt“, erklärt die Pflegerin und lächelt dabei. Dann berührt sie vorsichtig eines der scheuen Kätzchen, das in der Ecke sitzt. Noch faucht es ein bisschen, wehrt sich aber nicht. Nach und nach wird es die Angst verlieren – und dann hoffentlich ein schönes neues Zuhause finden.

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