merken
PLUS

Großenhain

Jeden Tag verblüht in Lampertswalde die Hoffnung

Bittere Frühlingstage: Die traditionsreiche Gärtnerei Vetter kämpft wie alle anderen Betriebe dieser Art und Blumengeschäfte auch mit den Folgen des Coronavirus.

Frühlingsstimmung geht anders: Jana Rennert-Vetter mit Mundschutz und Handschuhen in ihrem Laden.
Frühlingsstimmung geht anders: Jana Rennert-Vetter mit Mundschutz und Handschuhen in ihrem Laden. © Kristin Richter

Lampertswalde. Ostern liegt hinter dem Absperrband. Prächtige Schalen, opulent gefüllte Blumenkörbe und Hasen in allen Lebenslagen. Hoppelnd, sitzend, laufend - in ihrer Welt ist die Welt tatsächlich noch in Ordnung. Grünes Gras, duftende Pflanzen, bunte Eier aus Ton und dekorative Vögelchen erinnern den Betrachter sehnsuchtsvoll daran, wie schön es doch eigentlich sein könnte. Doch Ostern liegt hinter dem Absperrband. Rot-weiß trennt es Sehnsüchte, Gefühle und Traditionen unübersehbar von der Realität.

Eine, die in diesen Tagen zuweilen recht bitter anmutet. Denn in einer der wunderbarsten Jahreszeiten, die Mutter Natur zu bieten hat, steht Jana-Rennert-Vetter mit dem Mundschutz im Gesicht hinter ihrer Ladentafel. Seit Januar hat die umtriebige Geschäftsfrau gemeinsam mit ihrem Team die aufwendige Frühlingsschau vorbereitet. Ebenso wie vor Weihnachten wurde das 170 Quadratmeter große Lampertswaldaer Geschäft in einen Ort der Lebensfreude verwandelt. 

Wer den Pfennig nicht ehrt

und sich nicht im Paragrafendschungel zurechtfindet, ist schnell arm dran. Tipps und Tricks rund um Geld, Sparen und juristische Fallstricke gibt es hier zu finden.

Ein Absperrband signalisiert den Kunden gleich am Eingang, dass sie nicht die Frühlingsausstellung betreten dürfen. Wer möchte, darf etwas verschicken lassen. Und auch Grabschmuck fertigt Jana Rennert-Vetter noch an. 
Ein Absperrband signalisiert den Kunden gleich am Eingang, dass sie nicht die Frühlingsausstellung betreten dürfen. Wer möchte, darf etwas verschicken lassen. Und auch Grabschmuck fertigt Jana Rennert-Vetter noch an.  © Kristin Richter

Hier, wo sich Kunden aus Dresden, Riesa, Meißen, Radebeul oder Elsterwerda gern mal an der Bar niederlassen oder auf einen Cappuchino nebst Blumenstrauß einkehren. Wo die farbigen Wände an unbeschwerte Sommertage an der Amalfiküste erinnern und unzählige Accessoires aus aller Welt Fernweh wecken. Innerhalb von 24 Stunden waren die äußerst beliebten Osterbastel-Workshop ausverkauft gewesen. Die Kunden liebten es, unter Anleitung von Profis in entspannter Atmosphäre selbst kreativ sein zu dürfen und etwas für die eigenen vier Wände zu erschaffen. "Aber auch sie mussten wir selbstverständlich absagen, anders ging es ja nicht", bedauert Jana-Rennert-Vetter und schüttelt traurig den Kopf.

Wie für viele selbständige Unternehmer und Kollegen aus der Branche sei diese Zeit gerade sehr hart für sie. Hätten die Kunden sonst Schlange gestanden, um Pflanzen zu kaufen, und wäre das Auftragsbuch gut gefüllt mit Hochzeiten, Jugendweihen oder Konfirmationen gewesen, schaue es jetzt düster aus. In den Laden verirren darf sich - begrüßt von Desinfektionsmittel und der Bitte, Abstand zu halten - nur, wer Ware bestellen möchte. 

Immerhin, ausliefern dürfe man noch und auch Aufträge für Beerdigungen oder Tischschmuck entgegennehmen. Dass die Beratungsatmosphäre nicht im mindesten mit jener zu vergleichen sei, die ihre Besucher gewöhnt wären, verstehe sich angesichts von 1,50 Meter Distanz  zwischen Tisch und Kunden von selbst. "Aber wenigstens ist es mir möglich, noch für den älteren Herrn, dessen geliebte Frau verstorben ist, da zu sein und ihn zu beraten. Wenn er es schon ertragen muss, dass nicht mal die ganze große Familie an der Beerdigung teilnehmen darf", weiß Jana Rennert-Vetter. 

Keine Frage. Die Auswirkungen, welche die Maßnahmen zur Eindämmung der Coronainfektion unweigerlich hätten, seien auf Schritt und Tritt spürbar. Und da muss die Gärtnerin, die seit 2011 den elterlichen Betrieb der Familie fortführt, gar nicht weit gehen. Das Gewächshaus ist bereit, in die neue Saison zu starten, und sie habe am vergangenen Wochenende ausgesät, was ihr in die Hände gekommen sei. Nein, daran halte sie fest. Säen bedeute schließlich Hoffnung und die Hoffnung, dass vielleicht doch in ein paar Wochen alles wie ein böser Spuck an der Region vorübergezogen ist, wolle sie sich nicht nehmen lassen.  

Etwas, das in manchen Stunden allerdings schwerer ist, als optimistisch gestimmt vorgenommen. Was, wenn die Krise und seine Randbedingungen doch noch länger anhalten?  Vergissmeinnicht ebenso darüber verblühen wie Tulpen, die ersten Rosen, Kornblumen oder Rittersporn? Was, wenn das Jahr ins Lampertswaldaer Land geht, ohne dass ihr Geschäft wieder ganz normal öffnen darf? 

Gedanken, die Jana Rennert-Vetter rund um die Uhr umtreiben. Erst recht, nachdem sie aus der Ferne miterleben musste, wie die holländischen Produzenten jeden Tag Millionen Blumen vernichten. Für Jana Rennert-Vetter, die ihre Waren zum überwiegenden Teil aus den Niederlanden bezieht und mindestens einmal im Monat dort einkauft, ein absoluter Albtraum. "Es ist unvorstellbar für mich, dass tausende Tulpen einfach untergebaggert werden", bekennt die 42-Jährige mit trauriger Stimme.

Dass Länder wie China, Italien oder Spanien, in denen jeden Tag hunderte Menschen zu Grabe getragen werden, andere Sorgen haben als unverkaufte Pflanzen, sei ihr völlig klar. Andererseits könnten Blumen aber auch Trost spenden, einen kleinen Moment des Glücks heraufbeschwören. Einer, der jenseits des rot-weißen Absperrbandes wartet.