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Radebeul

Jeder Fünfte begeht Unfallflucht

Der Polizei-Unfallbericht 2018 zeigt weniger Unfälle mit Kindern. Probleme gibt es mit Alkoholfahrern.

Schwerer Unfall im Radebeuler Lößnitzgrund. Eine Fahrerin verliert im Januar nach dem Berühren der Begrenzungsmauer die Kontrolle und überschlägt sich. Hier war die Geschwindigkeit nicht angepasst.
Schwerer Unfall im Radebeuler Lößnitzgrund. Eine Fahrerin verliert im Januar nach dem Berühren der Begrenzungsmauer die Kontrolle und überschlägt sich. Hier war die Geschwindigkeit nicht angepasst. © Roland Halkasch

Landkreis. An den schlimmen Unfall in Radebeul erinnert sich noch mancher: Urplötzlich rast von hinten ein Autofahrer mit überhöhter Geschwindigkeit auf der Meißner Straße auf den Fußweg und rammt einen von drei Jugendlichen um. Mehrfachbrüche im Bein. Und das Schlimmste – der Wahnsinnsfahrer flüchtet.

So dramatisch oder auch nur nach einem Parkplatzrempler passiert es bei jedem fünften Unfall im Kreis Meißen. Im vorigen Jahr waren es, ohne Bundesautobahn, 5538 Verkehrsunfälle auf den Straßen zwischen Riesa, Großenhain, Meißen und Radebeul. Die Zahl der Unfallfluchten hat sich zu 2017 (1 186) nur unwesentlich verändert und ist hoch (2018: 1 167). Immerhin: Der Polizei gelingt es, fast jeden Zweiten nach Unfallflucht zu ermitteln.

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Ein Kind kam ums Leben, doch die Zahl der Unfälle mit Kinder nimmt ab

Polizeirat Gerald Baier, Leiter der Dresdner Verkehrspolizei, die in der Direktion auch für den Kreis Meißen zuständig ist, stellt die aktuelle Verkehrsstatistik für den Kreis Meißen am Donnerstag vor. Erfreulich im Vergleich zu 2017: Die Zahl der Unfälle mit Kindern ging zurück – bei schwer verletzten Kindern von 25 auf 15, bei leicht verletzten von 54 auf 47. Ein Kind kam bei einem Unfall ums Leben.

© SZ-Grafik

Die verunglückten Kinder waren als Radfahrer (32), als Fußgänger (15) und als Mitfahrer (16) beteiligt. Bei Letzteren hat sich die Zahl halbiert. Polizeirat Baier: „Unsere Kontrollen, insbesondere mit Blick auf geeignete Kindersicherungen in Fahrzeugen, sind ein Baustein dieser Entwicklung.“

Betrunkene Autofahrer werden weiter in hoher Zahl festgestellt

Der bessere Teil der Nachricht: Im vorigen Jahr ist die Zahl der unter Drogeneinfluss und betrunken gefahrenen Autofahrer leicht gesunken. 2017 waren es 110, 2018 noch 105. Die große Mehrzahl der beeinträchtigt Fahrenden (99) wurde unter Alkoholeinfluss durch Pusten und Blutentnahme erwischt. Besonders dramatisch der Fall des wiederholten Trinkers, welcher auf der S 81 zwischen Dresden und Auer mit seinem Kleintransporter einen Radfahrer umraste und diesen tödlich verletzte.

Zahl der erfassten Raser geht zurück, aber mehr Unfälle mit Fußgängern

Unter dem Begriff falsches Verhalten von und gegen Fußgänger führt die Statistik gegenüber 2017 (57) für das vergangene Jahr 70 auf. Die Schwächsten im Straßenverkehr wurden dabei auch häufiger bei Unfällen verletzt. (49 noch 2017; 56 im Jahr 2018).

Ob wirklich weniger gerast wird als im vorigen Jahr, sagt die Statistik nur bedingt. Erfasst hat die Polizei auf jeden Fall weniger als im Jahr zuvor. Immerhin: von 364 ging die Zahl auf 305 zurück.

Auch bei Motorradfahrern gibt es positivere Zahlen. Im zurückliegenden Jahr sind 51 Motorradfahrer an Verkehrsunfällen beteiligt (2017: 77). Insgesamt 31 (2017: 40) Motorradfahrer wurden im Kreis Meißen verletzt, einer (2017: 2) von ihnen tödlich. Weitere 16 Motorradfahrer erlitten schwere und 14 leichte Verletzungen.

Bei Verkehrsunfällen mit Personenschäden waren die Hauptunfallursachen im Landkreis Meißen Vorfahrtsfehler (20,4 Prozent) gefolgt von Abbiegen, Wenden, Rückwärtsfahren (14,9 Prozent) – etwa auf Parkplätzen – und nicht angepasster Geschwindigkeit (14,1 Prozent). Allein beim Überholen passierten 147 Unfälle, eine Zunahme, 2017 waren es noch 112 Unfälle.

Autofahrer sind fahrlässiger beim Beladen und der Fahrzeugsicherheit

Auffällig in der 2018er Statistik ist auch, dass es mehr Unfälle gibt, bei denen Fehler der Fahrer beim Beladen des Fahrzeugs und nicht gesicherte Fahrgäste gab. Die Zahl ist von 1 312 (2017) auf 1 409 (2018) gestiegen. Auch technische Wartungsmängel an Fahrzeugen wurden etwa ein Viertel mehr als zum Vergleichsjahr festgestellt.

Zunehmende Verkehrsdichte erhöht das Unfallrisiko im Autobahndreieck

Der Kreis Meißen liegt genau im Dreieck der Autobahnen A4 und A13. Die Verkehrsdichte sowie Stauerscheinungen erhöhen das Risiko. In Verbindung mit nicht angepasster Geschwindigkeit, zu geringem Sicherheitsabstand und Ablenkung liegt eine tödliche Kombination vor, die im Jahr 2018 mehrere Menschenleben gefordert hat, so Polizeirat Baier. Die Polizei wird mehr Geschwindigkeitskontrollen und Abstandsmessungen durchführen und verstärkt auf das Handyverbot achten, heißt es.

Auf den Bundesautobahnen im Zuständigkeitsbereich der Polizeidirektion Dresden ereigneten sich im Vorjahr 1 874 Verkehrsunfälle. Dies entspricht einem Anstieg um 1,9 Prozent. Im vergangenen Jahr verunglückten bei Verkehrsunfällen auf den Bundesautobahnen 323 Personen. Sieben Menschen kamen dabei ums Leben. Die Zahl der Leichtverletzten stieg leicht auf 218. Weitere 98 Personen erlitten schwere Verletzungen.

Im vergangenen Jahr führte die Polizeidirektion Dresden – einschließlich des Kreises Meißen – insgesamt 124 527 Verkehrskontrollen (2017: 116 280), darunter 2 014 Geschwindigkeitskontrollen (2017: 2 186) durch. Bei den Geschwindigkeitskontrollen überschritten 49 190 Fahrzeugführer (2017: 43 178) die zulässige Höchstgeschwindigkeit. Davon lagen 43 258 Überschreitungen im Verwarngeldbereich.