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Jeder fünfte Unfall mit Wild

Die typische Situation auf dem Land spiegelt die Unfallstatistik der Polizei wieder. Unverständlich sind die häufigen Unfallfluchten.

Rico Sommerschuh, Leiter des Polizeireviers Freital-Dippoldiswalde, steht hier an der Einmündung des Firstenwegs auf die B 170, einer schwierigen Stelle. Die Unfallschwerpunkte lieben aber woanders. .
Rico Sommerschuh, Leiter des Polizeireviers Freital-Dippoldiswalde, steht hier an der Einmündung des Firstenwegs auf die B 170, einer schwierigen Stelle. Die Unfallschwerpunkte lieben aber woanders. . © Karl-Ludwig Oberthuer

Rico Sommerschuh, der Leiter des Polizeireviers Freital-Dippoldiswalde muss sich keine Sorgen machen, kann aber auch nicht zufrieden sein, wenn er die Unfallstatistik für 2019 ansieht. In der Weißeritzregion sind im vergangenen Jahr 2.780 Verkehrsunfälle passiert, etwas mehr als im Jahr zuvor. 2018 waren es noch 2.734 Unfälle. Was besonders tragisch ist: Bei diesen Unglücken auf den Straßen der Region sind auch fünf Menschen ums Leben gekommen, zwei mehr als im Jahr zuvor.

Weiterhin viele Wildunfälle

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Die Landespolizei erfasst alle Unfälle auf den Straßen zwischen Wilsdruff und Altenberg ohne die Autobahn. Hier ist die Autobahnpolizei zuständig. Jeder gemeldete Fall wird als ein Punkt in eine große Landkarte eingetragen, welche das Unfallgeschehen widerspiegelt. Solche Punkte drängen sich in den Städten, wo viel Verkehr ist. Aber auch die Straßen durch den Tharandter Wald beispielsweise sind deutlich zu erkennen, in erster Linie, weil hier viele Wildunfälle passieren. Rund jeder fünfte Unfall im Gebiet des Polizeireviers ist ein Zusammenstoß mit Reh, Wildschwein oder anderen Tieren. Insgesamt 447 im vergangenen Jahr. „Das ist in unserer ländlichen Region nicht überraschend. In Hartmannsdorf-Reichenau beispielsweise haben wir fast nur Wildunfälle“, sagt Sommerschuh. Für die Polizei ist es schwierig, hier Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Das muss in enger Zusammenarbeit mit Förstern und Jägern erfolgen.

Drei Unfallschwerpunkte

In Dippoldiswalde, Glashütte und Tharandt haben die Statistiker der Polizei neue Unfallschwerpunkte ausgemacht. Im Dippser Ortsteil Oberhäslich hat sich die Kurve bei der Bäckerei als Unfallschwerpunkt herauskristallisiert. Dort sind in den letzten drei Jahren fünf Unfälle passiert, davon zwei mit Personenschaden. Knifflig ist, dass hier die Einmündung der Kreisstraße aus Reinholdshain, einer Dorfstraße und die Ausfahrt aus der Bäckerei zusammenkommen.

In Glashütte ist es ein 400 Meter langer Abschnitt auf der Müglitztalstraße zwischen Schlottwitz und Glashütte, wo es in den letzten drei Jahren dreimal gekracht hat, und jedesmal so schwer, dass Personen verletzt wurden. Die Müglitztalstraße ist insgesamt eine unfallträchtige Strecke. Sie ist kurvenreich und unübersichtlich. Im Herbst und Winter ist es durch den Fluss oft feucht, manchmal glatt. Andererseits fahren viele hier schnell, weil sie ja nicht in der Ortschaft unterwegs sind.

Und in Tharandt hat es im vergangenen Jahr zwölfmal gekracht an der Einmündung der Freiberger in die Roßmäßlerstraße. Einmal war der Zusammenstoß so heftig, dass ein Mensch verletzt wurde, in den anderen Fällen ging es mit Sachschäden ab. Es ist eine unübersichtliche Stelle, sodass immer wieder Kraftfahrer andere Autos nicht richtig wahrnehmen.

Andere Stellen, die in früheren Jahren unfallträchtig waren, sind im vergangenen Jahr nicht in den Fokus der Polizeistatistiker geraten.

Die Hauptunfallursachen

Es sind meist keine besonders schweren Unfälle, aber zahlenmäßig fallen sie am meisten ins Gewicht. 489-mal sind Autofahrer wegen Fehlern beim Rückwärtsfahren oder beim Wenden mit anderen zusammengekracht. „Klassiker ist hier der Unfall beim Ausfahren auf dem Parkplatz“, sagt Sommerschuh.

Zu hohe Geschwindigkeit ist ebenfalls immer wieder Ursachen für Zusammenstöße. „Das muss nicht immer der Raser sein. Auf glatter Straße kann auch Tempo 50 zu schnell sein“, sagt Sommerschuh. Hier ist die Zahl allerdings im vergangenen Jahr deutlich zurückgegangen. 229 Geschwindigkeitsunfälle verzeichnete die Polizei im letzten Jahr. 2018 sind es noch 294 gewesen. Ein anderer Fahrfehler hängt eng damit zusammen, der fehlende Abstand. Der war 282-mal die Unfallursache.

Nicht so oft, wie man oft annimmt, führen Vorfahrtsfehler zu einem Crash. 135 derartige Fälle hat die Polizei registriert. Andere Unfallursachen, wie Handy am Steuer, ein abgelenkter Fahrer, Alkohol oder Drogen sind seltener aufgefallen.

Häufige Unfallflucht

Was Sommerschuh nicht versteht, ist die hohe Zahl an Unfallfluchten. 610-mal hatte die Polizei mit unerlaubtem Entfernen vom Unfallort zu tun, also bei jedem vierten Unfall. „Jeder ist doch versichert und ein Unfall ist ein Unfall, keine vorsätzliche Tat. Da passiert doch niemandem etwas“, sagt der Polizeirat. Erst mit der Unfallflucht wird dann wirklich eine Straftat daraus. Die Polizei hat in diesen Fällen eine Aufklärungsquote von 40 Prozent. Das ist nicht allzu hoch. Aber es heißt doch, dass es rund 250 Kraftfahrer wegen Unfallflucht mit dem Staatsanwalt zu tun bekamen. Hätten sie sich einfach zu ihrem Missgeschick bekannt und die Polizei angerufen, wäre das nicht passiert.

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