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„Jeder Strich ist gesetzt“

Die Künstlerin La Suza hat eine besondere Beziehung zu Meißen – und der Stadt nun ein Bild gewidmet, das Sie sich sogar nach Hause holen können.

Susann Flasche in ihrem Atelier in Dresden. Wie kommt sie auf den Künstlernamen „La Suza“? Da stecke ihr Vorname drin, erklärt die Künstlerin, aber es sollte auch irgendwie französisch klingen oder auch spanisch.
Susann Flasche in ihrem Atelier in Dresden. Wie kommt sie auf den Künstlernamen „La Suza“? Da stecke ihr Vorname drin, erklärt die Künstlerin, aber es sollte auch irgendwie französisch klingen oder auch spanisch. © Jürgen Lösel

Elbland. Zwei Arten von Menschen habe es früher in der Berufsschulklasse gegeben, erinnerte sich neulich ein Freund von Susann Flasche. Diejenigen, die zuhörten und dabei alles so gut wie möglich mitschrieben. Und die eine Person, die stattdessen alles vollmalte. „Und das war ich“, sagt Flasche und lacht herzlich.

Damals fiel ihr der Unterschied zwischen sich und den anderen Berufsschülern offenbar noch gar nicht auf, denn wie die anderen wurde die heute 39-Jährige erst einmal Bankkauffrau; jahrelang arbeitete sie danach bei der Sparkasse. Bis ihr zweites Kind, ihr heute achtjähriger Sohn, zur Welt kam. Mit zwei Kindern, die nur anderthalb Lebensjahre trennt, wurde es auf einmal ganz schön stressig. 

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„Da habe ich mir gesagt, ich möchte in meinem Arbeitsleben noch einmal etwas machen, bei dem ich auch runterkommen kann“, sagt Flasche. Etwas tun, das sie wirklich liebt, und das sie sich auch bis ans Lebensende vorstellen kann. Zum Beispiel: Malen. Die Geburtsstunde von La Suza.

So nennt Susann Flasche sich, wenn sie zum Pinsel greift. In ihrem Atelier, einem großen, lichtdurchfluteten Raum mit hellem Parkettboden, Stuckdecke und einer lebensgroßen, nackten Schaufensterpuppe mitten im Zimmer, findet sich der Name dutzende Male: auf großen wie kleinen Gemälden, die an den Wänden hängen oder auf dem Fußboden stehen, auf weißen Porzellanvasen auf dem Fensterbrett und sogar auf Flasches T-Shirt, das eines ihrer Bilder zeigt.

Die freischaffende Künstlerin hat es tatsächlich geschafft, auch von ihrer Kunst zu leben, ihre Bilder hängen längst nicht mehr nur in ihrer eigenen Wohnung, sondern unter anderem in einem Bekleidungsgeschäft in Dresden und in der Karl-May-Bar im Hotel Taschenbergpalais Kempinski. Im Dresdner Restaurant Kastenmeiers durfte sie ihre Werke bereits ausstellen, auch auf Usedom und in München zeigte sie ihre Bilder schon.

Und im Weingut Rothes Gut in Meißen dürfen sie sowieso nicht fehlen; dort hatte La Suza nämlich ihren künstlerischen Durchbruch: Beim Hoffest vor vier oder fünf Jahren fiel kurzfristig der Künstler aus – und Susann Flasche sprang spontan ein, traute sich, öffentlich das zu zeigen, wofür sie privat schon so viel Zuspruch erhielt.

 Der Mut wurde belohnt: „Meine Originale, die ich bis dahin gemalt hatte, waren danach fast komplett ausverkauft“, erinnert sich die gebürtige Meißnerin. Heute gestaltet sie auch die Weinetiketten für das Rothe Gut – und hat das Logo der Winzer sogar einmal bis nach Italien getragen.

Dort, in dem Künstlerdorf Valloria im ligurischen Hinterland, durfte sie nämlich einmal in ihrem Sommerurlaub eine Holztür bemalen. Eine besondere Ehre, die sonst nur italienischen Künstlern vorbehalten bleibt. Ihrem Bild einer Frau in Unterwäsche, die nach einer Weinflasche in einem Regal greift, fügte sie die Logos vom Rothen Gut sowie des Meißner Winzers Ricco Hänsch hinzu.

Überhaupt, der Wein: Der taucht in ihren Bildern immer wieder auf, meist in Verbindung mit einer schönen, sehr schlanken Frau, oft nackt und in sinnlicher Pose. Sinnlich – aber nicht erotisch, da unterscheidet Susann Flasche ganz klar. Ihre gemalten Heldinnen strahlen eine große Lebensfreude aus, eine gewisse Leichtigkeit, „und manchmal auch etwas Rebellisches“, sagt Flasche. 

Dann gibt sie ihnen auch gerne mal eine Zigarette oder eine Zigarre in die Hand. Und eben ein Glas Wein. Ihre Familie hatte früher selbst einen ganz kleinen Weinberg und auch eigenen Wein gemacht. „Den konnte man aber auf keinen Fall trinken“, sagt sie und lacht. „Das heißt, sie haben ihn natürlich doch getrunken, aber der war schon sehr sauer.“

Die Künstlerin bei der Arbeit. Die alleinerziehende Mutter malt vor allem, wenn ihre Kinder in der Schule sind und beschränkt sich dabei nicht nur auf Leinwände: Auch Freiberger Porzellan (links) hat sie schon bemalt. 
Die Künstlerin bei der Arbeit. Die alleinerziehende Mutter malt vor allem, wenn ihre Kinder in der Schule sind und beschränkt sich dabei nicht nur auf Leinwände: Auch Freiberger Porzellan (links) hat sie schon bemalt.  © Jürgen Lösel

Was fast alle ihrer Motive eint, ist aber nicht der Wein, sondern die besondere Farbgebung: Die Gemälde von La Suza kommen meist mit verschiedenen Schattierungen einer Grundfarbe aus, mal geht es eher ins Gräuliche, mal ins Bräunliche.

Federleicht wirken diese Bilder, weil sie nicht mit Öl- oder Acrylfarbe gemalt wurden, sondern mit chinesischer Zeichentusche. Schicht für Schicht trägt La Suza von dieser auf, um so von hell nach dunkel zu malen; zwischendurch muss jede Schicht erst trocknen, sonst würde alles ineinander verschwimmen.

Wie ein kleines Lebewesen verhalte sich diese Tusche, erzählt Susann Flasche begeistert, „sie macht, was sie will, sie kriecht überallhin, wenn man mal zu viel nimmt“. Und sie verzeiht nicht: „Jeder Strich ist gesetzt.“ Zur Tusche kam Susann Flasche über ihre Begeisterung für Comics und vor allem die japanischen Mangas, die ursprünglich mit Feder und Tusche gemalt wurden. Das sieht man den Bildern von La Suza mit ihren sehr schlanken Frauen mit teilweise überlangen Gliedmaßen noch heute an.

Eine andere Inspirationsquelle ist nicht ganz so leicht zu erkennen. „Meine große Liebe ist Walt Disney“, gesteht Flasche. Jeden seiner Zeichentrickfilme habe sie viele Male gesehen, könne die Texte auswendig mitsprechen. „Meine Kinder macht das immer wahnsinnig“, sagt sie und lacht. An der Wand über ihrem Sofa windet sich eine elegante, schlanke Frau mit langem Fischschwanz unter Wasser Richtung Oberfläche.

Die Meerjungfrau, die zum Menschen werden will – sofort denkt man an Arielle. Aber es geht auch andersherum: Eines ihrer ersten Bilder zeigte eine Frau, die unter Wasser atmet, also im Begriff ist, eine Meerjungfrau zu werden. „Ich erzähle allen Kindern, dass es Meerjungfrauen wirklich gibt“, sagt Flasche und lächelt verschmitzt. Leider glauben ihr das aber nicht mehr alle.

Das Malen sei wie eine Art Meditation für sie, erzählt Susann Flasche, sie sei dann vollkommen „bei sich“. Doch was leicht und schwerelos klingt, beginnt oft mit großen Selbstzweifeln. „In der Anfangsphase eines Bildes denke ich manchmal: Ich kann gar nicht malen, wer hat denn alle diese Bilder gemalt? Das wird ja nie was!“

Doch dann entsteht langsam Leben auf der Leinwand und die Künstlerin denkt: „Wahrscheinlich könnte es doch etwas werden.“ So sind immerhin bereits um die 150 großformatige Gemälde entstanden. Vielleicht auch deshalb, weil die Kunst der gebürtigen Meißnerin im Blut liegt.

Ihre Großmutter wäre beinahe Porzellanmalerin in der Manufaktur Meissen geworden, schlug dann aber doch einen anderen Weg ein, erzählt Susann Flasche. Auch ihr Vater habe immer viel gemalt und getöpfert. Sie selbst brachte sich das Malen ganz allein bei, ohne je einen Kurs zu besuchen, neben der Arbeit und der Erziehung ihrer beiden Kinder.

Die nörgeln auch schon mal, wenn die Mama noch spät am Abend an einem Gemälde sitzt und sie lieber mit ihr spielen würden. Und sie werden ungeduldig, wenn ihre eigene Kunst nicht gleich aussieht wie die von La Suza. „Sie messen sich natürlich an mir“, sagt Susann Flasche. „Und wissen noch nicht, dass Jahrzehnte Übung darin stecken, so malen zu können. Oder ihr ein Bild nur so gut gelingt, weil sie schon einmal mehrere Wochen daran arbeitet.

Wie im Fall des Meißen-Gemäldes. Susann Flasche hat es sicher in Luftpolsterfolie verpackt, das Motiv ist dahinter nur schemenhaft zu erkennen: Eine junge Frau, natürlich sehr schlank, blickt verträumt auf die Kulisse des Meißner Burgbergs, neben sich ein Glas Rotwein. Zwei bis drei Wochen saß sie an dem Bild, schätzt die Künstlerin. Auch hier musste sie wieder geduldig von hell nach dunkel malen.

Das 80 mal 60 Zentimeter große Originalgemälde ist an einen Meißner Mäzen verkauft worden. Von dem Bild entstehen zusätzlich noch Kunstdrucke in gleicher Größe in einer stark limitierten Auflage. „Die werden alle handsigniert und durchnummeriert“, sagt die Malerin La Suza. Auf Wunsch fügt sie sogar eine Widmung hinzu. 299 Euro soll jedes davon kosten, mit SZ-Card nur 279 Euro.

Gekauft werden können die Bilder ab dem 2. September im neuen DDV Lokal auf der Elbstraße 7 in Meißen (Zollhof). Eine Auswahl weiterer Bilder sind vom 3. September bis 2. Oktober bei DDV Lokal in einer kleinen Ausstellung zu sehen. Sie können ebenfalls erworben werden.

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