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Jeder Zweite im Kreis ist zu dick

Die Zahl der Übergewichtigen nimmt stark zu. Die Folgen spüren auch Rettungskräfte und Krankenhäuser.

© dpa

Von Ingolf Reinsch, Manuela Reuss und Susan Ehrlich

Feuerwehr oder gar Gabelstapler hat Markus Wendler bisher noch nicht anfordern müssen. Der Rettungsassistent beim Deutschen Roten Kreuz in Löbau hat bisher noch immer jeden Patienten ins Rettungsfahrzeug bekommen. „Und wenn der Rettungsdienst mit einem schwergewichtigen Patienten tatsächlich einmal überfordert wäre, können wir auf ein Spezialfahrzeug zurückgreifen, dass extra für solche Fälle ausgelegt ist“, sagt er. Damit die Retter nicht schnell selbst zum Patienten werden, sind sie außerdem mit Trage- und Rollgurten ausgestattet. „Das schont den Rücken beim Transport der Leute“, sagt Wendler. Auch bestehe darüber hinaus die Möglichkeit, bei einem Notfall oder einem geplanten Krankentransport einen zweiten Rettungswagen hinzuzurufen, dessen Besatzung mit anpackt.

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Solche Situationen könnten in Zukunft immer häufiger auftreten. Denn nach Angaben des Statistischen Landesamtes in Kamenz hat mehr als jeder zweite erwachsene Bewohner des Landkreises Görlitz ein paar oder auch mehr Pfunde zu viel auf den Rippen. Und auch bei Kindern nimmt diese Zahl zu. Wurden 2004 noch fünf Prozent der Kinder im Schuleintrittsalter als übergewichtig befunden, waren es im Jahr 2010 bereits 6,4 Prozent im Landkreis. Definiert wird das Übergewicht nach der Weltgesundheitsorganisation (WHO) durch den Body-Mass-Index (BMI). Dieser ergibt sich aus dem Verhältnis von Körpergewicht und Körpergröße.

Die Mikrozensusabfrage im Jahr 2009 – aktuellere Daten liegen noch nicht vor – ergab bei einem Fünftel der Landkreis-Bewohner ab 18 Jahren einen BMI von 30 und mehr. Das ist starkes Übergewicht. Im Landesdurchschnitt gehörten 16,1 Prozent der Sachsen im Jahr 2009 dieser Gruppe an. Alle vier Jahre werden diese Angaben abgefragt. Im Jahr 2005 war der Anteil der Schwergewichtigen im Sachsendurchschnitt mit 15,3 Prozent angegeben worden. Ärzte sprechen bei starkem Übergewicht von Adipositas. Dabei handelt es sich um eine Ernährungs- und Stoffwechselerkrankung.

Inzwischen haben die Verantwortlichen des Klinikums Oberlausitzer Bergland mit seinen Standorten in Zittau und Ebersbach auf die wachsende Patienten-Klientel mit Übergewicht reagiert. „Die Patientenbetten bei uns sind bis zu einem Gewicht von 175 Kilogramm belastbar, wobei es sich um Standard-Betten handelt“, sagt Klinikum-Sprecherin Corinna Hauck. An beiden Standorten gebe es zudem Betten, die bis zu einem Körpergewicht von 225 Kilogramm zugelassen sind. In Ebersbach befinden sich diese insgesamt vier Betten in der Klinik für Innere Medizin und der für Anästhesie- und Intensivmedizin. „Als eine weitere Möglichkeit steht dem Klinikum die Miete von Pflegebetten für speziell pflegeaufwendige adipöse Patienten zur Verfügung“, so Frau Hauck. Diese seien innerhalb von 24 Stunden verfügbar, ebenso wie entsprechende Nachtstühle und Rollstühle für schwergewichtige Patienten.

Die Operationstische sind für ein Gewicht von bis zu 360 kg ausgelegt. „Darüber hinaus wird das Klinikum in naher Zukunft in neue OP-Tische investieren“, sagt Frau Hauck. Diese ermöglichen dann jegliche Form der Patientenlagerung bei anstehenden Operationen.

Auch in Sachen der Speisenversorgung hält sich das Klinikum an spezielle Anforderungen. „Ein krankhaft übergewichtiger Patient erhält im Klinikum Oberlausitzer Bergland, nach Festlegung des zu behandelnden Arztes, eine besondere Kost-Form, die einen täglichen Kalorienbedarf von 1000 Kilokalorien nicht überschreitet“, erklärt Corinna Hauck.