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Jeder Zweite ist zu dick

Gesundheit. Fresssucht und Mangel an Bewegung sind die Ursachen für Übergewicht. Vor allem Kinder und Jugendliche sind davon betroffen.

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Von Jürgen Birkhahn

siglinde Lässig hat es ihren Kursteilnehmern vorgemacht. „Sechs Kilo Fett haben mein Partner und ich abgebaut“, sagt sie stolz. Nordic Walking, Radfahren und Tanzen sowie eine bewusste Ernährung führten zum Erfolg. In zahlreichen Kursen versuchen Meißner es ihnen nachzumachen. „Das Interesse ist groß“, sagt Lässig.

Durchhaltevermögen gefragt

Bewegung und eine gesunde Ernährung seien das beste Rezept zum Abnehmen. Allerdings, so weiß die Geschäftsfrau, kommen zu solchen Kursen längst nicht die, dies es am nötigsten haben. „Die sind schwer vom Sofa runter zu bekommen“, sagt Lässig. Wer aber einmal dabei ist, der hält meist auch durch. Die Erfahrung hat auch die AOK mit ihrer Aktion Pfundskur gemacht. Im Landkreis Meißen gab es dazu fünf Kurse, die 48 Teilnehmer erfolgreich abgeschlossen haben, sagt Volker Wünsche, Regionalleiter der AOK.

Nun liege es an jedem selbst, das Abspecken fortzuführen oder sein Gewicht zu halten, um sich vor gesundheitlichen Schäden zu schützen. Ü bergewicht spielt in den Sprechstunden der Ärzte immer wieder eine Rolle. Die Adipositas - so der medizinische Fachbegriff - ist Ursache für eine Vielzahl von Erkrankungen. Vor allem das Gelenk- und Skelett-System, die Verdauungsorgane und das Herz-Kreislaufsystem sind davon betroffen. Hier gibt es auch die meisten Erkrankungen, die zur Arbeitsunfähigkeit führen, sagt Simone Redlich, Geschäftsstellenleiterin der Deutschen Angestellten Krankenkasse (DAK) in Meißen.

Die Übergewichtigkeit fängt oftmals schon im Kindesalter an. Deshalb habe sich die DAK in diesem Jahr das Gesundheitsthema „Dicke Kinder“ gesetzt. „Immerhin ist jedes fünfte Kind übergewichtig“, sagt Simone Redlich. Bei den Erwachsenen sei jeder zweite zu dick, 40 Prozent haben Übergewicht. Vor allem die Übergewichtigkeit der Kinder stelle ein großes Problem dar. „Da kommt eine Unmenge an Kosten auf uns zu“, sagt Redlich. Eine Folge, die offenbar noch nicht erkannt wird. Zur sächsischen Gesundheitswoche hatte die DAK alle Schulen und Kindergärten der Stadt eingeladen. Doch nur zwei waren gekommen und haben sich über Möglichkeiten der gesunden Ernährung informiert. Und dabei sind falsche Ernährung und mangelnde Bewegung Hauptgrund für Übergewicht. Auf Süßigkeiten und Fastfood muss man nicht verzichten. Aber auf die Menge und die Häufigkeit kommt es an.

Aufklärungsarbeit zur gesunden Ernährung werde vom Gesundheitsamt seit Jahren an den Schulen und Kindergärten geleistet, sagt Jürgen Pawlik, Leiter des jugendärztlichen Dienstes im Landratsamt. „Bei dieser Problematik sind aber auch die Eltern gefordert, schließlich sorgen sie für das Schulfrühstück“, erklärt er.

Bäcker statt Schulessen

Nicht zufrieden stellend sei die Beteiligung an der Schulspeisung. „Viele Schüler holen sich ihre Mahlzeit lieber beim Bäcker um die Ecke“, so der Mediziner, der auch die Konsequenzen aufzeichnet: „In der neunten Klasse sind manche Schüler so übergewichtig, dass sie beim Sport nicht mitkommen oder gar eine Befreiung brauchen“. Und wer einmal als Kind dick sei, der bleibe es oft auch als Erwachsener. Da ist es dann umso schwieriger, ein paar Pfunde los zu werden.