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Jeder zweite Landkreis-Bewohner ist zu dick

Immer mehr Menschen haben Übergewicht. Zum Leidwesen von Ärzten, aber auch der Bischofswerdaer Feuerwehr.

© dpa

Von Ingolf Reinsch und Manuela Reuss

Einsatzort Bischofswerda Nordstraße: Weil der Rettungsdienst mit einem schwergewichtigen Patienten überfordert war, musste die Feuerwehr mit ran. Sie kam mit acht Mann und half, den Patienten aus der Wohnung ins Rettungsfahrzeug zu tragen.

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Längst kein Einzelfall mehr. Drei- bis viermal im Jahr, schätzt Ortswehrleiter Sixten Mütterlein, gebe es solche Einsätze. Und das nicht nur in Bischofswerda. Die Zahl der Patienten mit starkem Übergewicht habe in den vergangenen Jahren zugenommen, bestätigt Tino Eichelberger, Rettungsdienstleiter beim DRK-Kreisverband Bautzen. Um aber auch ihnen bei einem Notfall oder einem geplanten Krankentransport schnell helfen zu können, gibt es verschiedene Möglichkeiten: „Entweder, wir rufen einen zweiten Rettungswagen, dessen Besatzung mit anpackt. Oder wir fordern über die Rettungsleitstelle die Feuerwehr an“, sagt Tino Eichelberger. Hat man die Zeit, kann man in Hoyerswerda auch einen speziellen Krankenwagen für Schwergewichtige anfordern, den der Landkreis – er ist für den Rettungsdienst verantwortlich – dort für Einsätze kreisweit vorhält.

Die Oberlausitz-Kliniken reagieren

Nach Angaben des Statistischen Landesamtes in Kamenz hat mehr als jeder zweite erwachsene Bewohner des Landkreises Bautzen ein paar Pfunde zuviel auf den Rippen. Definiert wird das Übergewicht nach der Weltgesundheitsorganisation (WHO) durch den Body-Mass-Index (BMI). Dieser ergibt sich aus dem Verhältnis von Körpergewicht und Körpergröße. Die Mikrozensusabfrage im Jahr 2009 – aktuellere Daten liegen noch nicht vor – ergab bei 19,2 Prozent der Landkreis-Bewohner ab 18 Jahren einen BMI von 30 und mehr. Das ist starkes Übergewicht. Damit liegt der Kreis deutlich über dem Landesdurchschnitt. 16,1 Prozent der Sachsen gehörten im Jahr 2009 dieser Gruppe an. Alle vier Jahre werden diese Angaben abgefragt. Im Jahr 2005 lag der Anteil der Schwergewichtigen an der Gesamtbevölkerung des Kreises noch bei 17,1 Prozent. Damals war der Sachsendurchschnitt mit 15,3 Prozent angegeben worden. Rechnet man die Leute mit leichtem Übergewicht dazu, gibt es 58 Prozent Übergewichtige im Kreis Bautzen. Ärzte sprechen bei starkem Übergewicht von Adipositas. Dabei handelt es sich um eine Ernährungs- und Stoffwechselerkrankung.

Im Krankenhaus Bischofswerda wurden im vergangenen Jahr 166 Patienten mit dieser Diagnose stationär behandelt, sagte Steffen Lahode, Sprecher der Oberlausitz-Kliniken, auf Anfrage der SZ. 2012 waren es 98 Patienten, im Jahr zuvor 153. Die Fallzahlen im Bautzener Krankenhaus sind ähnlich hoch: 142 Patienten sind dort im vergangenen Jahr mit der Diagnose Adipositas eingeliefert worden.

In der Oberlausitz-Kliniken gGmbH wurde auf dieses zunehmende Patientenklientel reagiert. Die Krankenhäuser in Bautzen und Bischofswerda halten 80 Betten mit einer Traglast bis zu 240 Kilogramm vor. Standardbetten liegen bei 160 Kilogramm. In besonderen Fällen können hier auch für schwergewichtigere Patienten Pflegebetten zusätzlich bereitgestellt werden. In der Intensivpflege können derartige Betten auch bis 386 Kilogramm genutzt werden, sagt der Kliniksprecher.

Auch die Behandlungs- und OP-Technik musste in den vergangenen Jahren auf die schwergewichtigen Patienten angepasst werden. So sind zum Beispiel die Operationstische in den beiden Krankenhäusern Bautzen und Bischofswerda bis 135 Kilogramm ausgelegt. Darüber hinaus gibt es eine Möglichkeit, schwergewichtige Patienten bis 235 Kilogramm zu operieren. In der Funktionsdiagnostik erneuerten die Oberlausitz-Kliniken die Untersuchungsliegen, um auch Patienten bis zu einem Körpergewicht von 200 Kilogramm untersuchen zu können, sagt Steffen Lahode.