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Jens Spahn kommt nach Reichenbach

Der Gesundheitsminister ist am Freitag da. Der CDU-Mann besucht einen Pflegedienst.

Symbolbild
Symbolbild © Britta Pedersen/dpa

Damit hat die Chefin vom Reichenbacher Pflegeteam, Susann Kothe, nicht gerechnet: Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) kommt zu ihr nach Reichenbach. Und zwar direkt ins Büro auf der Löbauer Straße. Im Schwesternzimmer wird sie ein kleines Buffet mit selbst gebackenem Kuchen und Kaffee vorzubereiten.

„Etwa eine Stunde werden wir wohl Zeit zum Reden haben“, sagt die 47-Jährige. Elf ihrer Mitarbeiter werden dabei sein. Und auch vier Mitarbeiterinnen vom Oderwitzer Pflegedienst „Pflege Zuhause Goldberg“. Die Kollegen hätten die gleichen Anliegen wie die Reichenbacher. Insofern sei es wichtig, gemeinsam auf Missstände aufmerksam zu machen.

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Dass es zu einem Gespräch mit Spahn kommen wird, hatte Michael Kretschmer versprochen. Der Ministerpräsident war in Reichenbach bei einem Unternehmerforum im Via-Regia-Haus zu Gast. Dabei ging es um Probleme, die den Reichenbacher Firmen auf den Nägeln brennen. Auch Susann Kothe nahm daran teil und sprach Probleme der ambulanten privaten Pflegedienste auf dem Dorf an. Vor allem teils lange Wege zu den Patienten und der damit verbundene erhöhte Zeit- und finanzielle Aufwand spielten eine Rolle. Kothe nennt ein Beispiel: Einer ihrer Patienten, der täglich versorgt wird, wohnt 20 Kilometer entfernt. Ihr Einzugsgebiet ist kleiner. Die letzten Kilometer bis zum Patienten zahlt Frau Kothe selbst. Die kann sie nirgendwo abrechnen und auch den Zeitaufwand nicht. 300 Kilometer kommen so nur für den einen Patienten zusammen.

 Susann Kothe, 47, hat sich mit einem Pflegedienst selbstständig gemacht.
 Susann Kothe, 47, hat sich mit einem Pflegedienst selbstständig gemacht. © SZ

„Wir können unsere Patienten ja aber nicht in der Luft hängen lassen“, begründet Kothe. Und deshalb haben die Reichenbacher Touren übernommen, die sie anteilsweise bei den Kassen nicht abrechnen können. „Wir haben bei uns auf dem Land Versorgungslücken“, so Susann Kothe.

Kurzerhand bot Kretschmer an, einen Termin mit Spahn zu organisieren. „Da ging ich noch davon aus, wir werden bei einem seiner Termine in der Region dabei sein und vielleicht fünf Minuten miteinander sprechen können“, sagt die Unternehmerin. Erst ein Anruf aus der Staatskanzlei brachte Klarheit: „Tatsächlich soll uns der Gesundheitsminister am 30. August direkt vor Ort besuchen“, ist Frau Kothe immer noch ein bisschen verblüfft.

Selbstverständlich freuen sie und ihr Team sich, dass die Probleme ernst genommen und sozusagen an oberster Stelle Gehör finden werden. Das sei schon etwas Besonderes. Denn aktuell stockten auch die Gespräche zwischen dem Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste (bpa) und den Kostenträgern.

„Dabei geht es darum, dass wir privaten Anbieter durchaus nach Tarif bezahlen wollen. Bisher machen da Pflege- und Krankenkassen bei der Finanzierung nicht mit“, sagt Frau Kothe. Den Reichenbachern sei durchaus bewusst, dass auch der Besuch eines Ministers keine Wunder vollbringen könne. „Aber wir hoffen, wenigstens ein Steinchen ins Rollen zu bringen“, so die Unternehmerin.

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