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Jetzt bleibt mehr Zeit fürs Angeln

In wenigen Tagenräumt der Hauptamtsleiter Helmut Wanke im Rathaus seinen Bürostuhl und geht in den Ruhestand.

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Von Bärbel Schumann

Den 1. September 1990 wird Helmut Wanke nicht vergessen. Noch immer erinnert ihn in seinem Büro im Rathaus eine Tillandsie auf einem Stein daran. Ihn bekam er mit allen guten Wünschen für die Zukunft von seiner Tochter geschenkt. An diesem Tag begann für den Diplommaschinenbauingenieur bei der Stadt Hartha eine neue berufliche Herausforderung in der Verwaltung. Nun räumt er am 18. Dezember seinen Schreibtisch und geht in den Ruhestand.

„Noch immer kann ich mir das noch gar nicht so richtig vorstellen“, gesteht der 61-Jährige. Ein bisschen hat der gebürtige Mecklenburger gegen Langeweile schon vorgesorgt. Seit Schuljahresbeginn leitet er eine Arbeitsgemeinschaft Aquaristik und Terrarien an der Pestalozzi-Mittelschule. Die Mitarbeit im Anglerverein oder die Gärten der Familie werden ein übriges tun.

Trotz dieser Ablenkung, wird Helmut Wanke mit seinenGedanken noch oft im Rathaus sein. Kein Wunder, der Hauptamtsleiter hat in Hartha nach dem Untergang der DDR Stadtgeschichte mitgeschrieben.

Ungewöhnliche Arbeitsweise

Als Abteilungsleiter Technologie der Spindelfabrik hatte sich Helmut Wanke bei der Ausschreibung der Dezernatsstelle für Kultur, Sport, Tourismus und Bildung beworben. Sein sportliches Engagement, die Erfahrungen aus der Arbeit mit jungen Leuten als Übungsleiter und seine vielen Interessen hoffte das CDU-Mitglied dabei einsetzen zu können.

Wäre es nach dem damaligen Bürgermeister Peter Daniel gegangen, hätte Wanke von heute auf morgen in ein Rathausbüro einziehen können. Doch so schnell ließ ihn die Spindelfabrik nicht gehen. „Wir fanden einen Kompromiss. An drei Tagen in der Woche wurde ich für die Arbeit im Rathaus stundenweise freigestellt“, erinnert sich Wanke. Ein Vierteljahr sei das so gegangen.

Neue Herausforderungen

Wenn er aus den Anfangsjahren erzählt, dann schwingt in den Worten noch immer viel Dynamik von der Aufbruchstimmung, die damals überall zu verspüren war. Begeistert erzählt er von Beratungen in Ratssaal bis spät in die Nacht, von neuen Freiheiten der Bürger und wie sie die für sich entdeckten.

Spannend sei die Zeit der Neustrukturierung des Bildungswesens in der Stadt gewesen. Gern erinnert er sich an die Zeit, als das historische Gebäude der Pestalozzi-Schule Anfang der 90er Jahre die dringend notwendige Fassadensanierung erhielt. Höhepunkte waren aber auch die Grundsteinlegung für den Erweiterungsbau des Gymnasiums oder die Sanierung des Altbaus. Dass Hartha heute alle drei Schultypen aufweisen kann, ist auch ein bisschen Wankes Verdienst.

In sein Ressort fiel die Verantwortung für die Kindereinrichtungen einschließlich der einstigen Betriebskindergärten. Auch sie mussten neu strukturiert werden und hatten zu viel Personal. „Es gab in dieser Zeit auch weniger schöne Dinge, wie Kündigungen von Erziehern, zu erledigen“, erzählt der 61-Jährige. „Wer tut das gern? Das tat richtig weh.“

Stolz ist Helmut Wanke, dass der Weihnachtsmarkt nach der Wende zu einem Markt der Vereine wurde. „Das ist Schritt für Schritt gewachsen. Ich freue mich, dass er bis heute in dieser Form erhalten blieb“, sagt der scheidende Amtsleiter.

18 Jahre war Helmut Wanke im Amt. Viel hat er erlebt, bewegt, gestritten und abgewägt. Wenn er geht, denkt er nur an eine Sache ungern zurück. „Es schmerzt mich noch immer, dass wir die Chance, Tartanbelag für unser Stadion an der Weisenstraße zu erhalten, verpasst haben“, sagt der ehemalige Leichtathlet.