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Jetzt darf hoch hinaus geklettert werden

Hoyerswerda stellt einen Teil seines Stadtzentrums Kindern und Jugendlichen zur Verfügung.

© HY-photo Gernot Menzel

Von Mirko Kolodziej

Am Dienstag war Kindertag. „Yvonne, das Eis kostet kein Geld“, rief ein Mädchen im Hoyerswerdaer Stadtzentrum einer Freundin zu. Und für die jüngsten Stadtbewohner gab es auch kostenlose Limo. Dass die Stadt einen nicht unwesentlichen Teil ihrer Mitte ihren Kindern zur Verfügung stellt, sollte gefeiert werden. Wobei: Am anziehendsten für die Mädchen und Jungen im neuen Sport- und Spielpark „Bürgerwiese“ war die riesige Kletterspinne. Als begehrter Platz erwies sich die Spitze des Klettergerüstes mit Seilverstrebung.

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Von dort oben hat man einen guten Blick auf das, was sich so im Neustadt-Zentrum tut: Nachdem die Wohnungsgesellschaft zum Beispiel die Balkonseite des Hochhauses Bonhoefferstraße 1 bis 5 saniert hat, sind nun nicht nur die darunter liegenden Geschäftsräume vom ehemaligen „Wassermann“ bis zum Linkspartei-Büro mit der Erneuerung an der Reihe. Sondern auch die Fassade des der „Bürgerwiese“ zugewandten Gebäudeteils 6 und 7 wird derzeit in Angriff genommen. An der anderen Ecke wächst das neue Konrad-Zuse-Computermuseum und unweit davon wird die evangelische Kirchgemeinde der Neustadt im nächsten Jahr mit dem Bau des Glockenturms am King-Haus beginnen.

Aber natürlich kann man sich nach dem Aufstieg auf die Kletterspinne auch ganz genau das über die letzten Monate zwischen Foucault-Gymnasium und Straße des Friedens entstandene Sport- und Spiel-Areal ansehen. Zusammen mit dem Spielplatz im Familienpark der LebensRäume-Genossenschaft und dem kleinen Spielplatz im Innenhof des Hochhauses Straße des Friedens 6 und 7 sollte hier nun wirklich kein Kinderwunsch mehr unerfüllt bleiben. Es gibt zusätzliche Schaukeln, neben dem Ärztehaus eine gestern ebenfalls gut genutzte Spiel-Seilbahn, Sitzbänke, einen im Winter als Spritzeisfläche nutzbaren Bolzplatz mit Fußballtoren sowie Basketballkörben, eine Rutsche und sogar Wiese ist da – auch wenn der frisch gesäte Rasen natürlich noch nicht angewachsen ist. Ein Teil der Spielgeräte ist vom inzwischen fast völlig entvölkerten WK X ins Stadtzentrum geholt worden.

Es gab auch im Stadtrat Skepsis, ob die Stadt tatsächlich die Schaffung einer Art innerstädtischen Indianerdorfs zu Zeiten knapper Kassen mit einer sechsstelligen Summe stützen soll. Von den Baukosten in Höhe von 459 000 Euro stammen immerhin rund 150 000 aus dem klammen Stadtsäckel. Doch als gestern zur Eröffnung so viele Kinder auf der „Bürgerwiese“ herumtollten wie in den 70ern und 80ern auf nahezu jeder Neustadt-Straße, da befand dann nicht nur Oberbürgermeister Stefan Skora (CDU) in seiner Rede: „Ich glaube, das Geld ist gut angelegt.“ Auch skeptische Fragen waren vergessen. Tenor mit Blick auf die Kinder: „Na, wenn man das hier sieht...“

Schon kurz vor der Einweihung hatten ein paar Siebtklässler aus dem Foucault-Gymnasium den Spielplatz in Beschlag genommen, alle Gerätschaften getestet. Das Ergebnis fasst Florian Matthes in die Worte: „Da haben sie schon was Tolles draus gemacht.“ Er und seine Mitschüler wollen ebenso wiederkommen wie die Kinder der Gruppe „Die kleinen Einsteins“ aus dem benachbarten Kindergarten „Brüderchen und Schwesterchen“. Und dass der Bolzplatz zu mehr zu gebrauchen ist als zum Fußballspielen, demonstrierten die Sport-Klassen-Schüler aus dem Léon-Foucault-Gymnasium unter anderem mit Hilfe von Hockeyschlägern.

Ärger mit der früheren Kaufhalle

Doch bei all der Freude musste OB Skora auch ein bisschen Essig in den Wein gießen. Allerdings betraf das weniger die Kinder als die erwachsenen Anwohner. In den letzten Tagen hatte es im Zusammenhang mit dem Bau der Bürgerwiese immer wieder Beschwerden über das wüste Aussehen rund um die verwaiste frühere Kaufhalle direkt neben dem neuen Sport- und Spielpark gegeben. Das bezog sich nicht nur auf deren trauriges Aussehen an sich oder sprießendes Unkraut. „Seit Silvester stehen da zum Beispiel abgebrannte Müllcontainer“, beklagte sich Lothar Grafe aus der Bonhoefferstraße. Letztlich veranlasste die Stadt über den zuständigen Landkreis, dass die privaten Container weggeräumt werden. „Des Weiteren haben wir den Eigentümer erneut schriftlich aufgefordert, die besagten Missstände zu beseitigen“, so Rathaussprecher Bernd Wiemer vor ein paar Tagen. Viel genutzt zu haben scheint das nicht. „Der Eigentümer war nicht in der Lage, für Ordnung zu sorgen. Die Immobilie gehört einem Dresdener und den interessiert sie nicht. Deshalb hat der Bauhof jetzt auf unser aller Kosten hier aufgeräumt“, ließ OB Skora gestern wissen. Ein Dauerzustand kann das der Kosten wegen sicher nicht werden. Andererseits ist die Sache nicht ohne Pikanterie, denn der ehemalige XXL-Treff verunziert nicht nur den Ausblick von der Spitze der Kletterspinne aus. Es gibt zudem durchaus Eltern, die sich langfristig um die Sicherheit ihrer auf der „Bürgerwiese“ spielenden Kinder sorgen.