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DDR-Gauben an Schloss Nöthnitz abgebaut

Die Sanierung des Denkmals beginnt mit dem Dach. Gerade als die Corona-Krise anfing, stand es offen. Deshalb traf der Eigentümer eine harte Entscheidung.

Hauptdach und Turm von Schloss Nöthnitz werden wieder mit Schiefer gedeckt.
Hauptdach und Turm von Schloss Nöthnitz werden wieder mit Schiefer gedeckt. © Karl-Ludwig Oberthür

Jan Horsky drängt sich nicht in den Mittelpunkt. Immer wieder betont der 24-jährige Schlossherr, wie dankbar er für die Unterstützung bei der Sanierung in Nöthnitz ist. "Ich mache das hier nicht alleine", sagt er. "Freistaat und Bund fördern die Sanierung." Zudem seien viele engagierte Ehrenamtliche im Verein Freunde Schloss Nöthnitz aktiv, die das Haus nach und nach durch Veranstaltungen und ein kleines Museum mit Leben füllen. "Ich möchte so viel wie möglich für die Öffentlichkeit zugänglich machen", sagt Horsky.

Dennoch, das Schloss gehört ihm. Es ist sein Privatbesitz, daran lässt er keinen Zweifel. Und momentan ist es sogar sein Wohnsitz. Er hat es 2012 von seinem Vater geerbt, der es 2009 erworben hatte. Jan Horsky hat die Aufgabe angenommen. Er hat sich entschieden, sein Erbe anzutreten und es nicht weiterzuverkaufen, obwohl das sicher der einfachere Weg für ihn gewesen wäre.

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Eigentümer Jan Horsky präsentierte zum Tag des offenen Denkmals im Sommer 2019 Schloss Nöthnitz.
Eigentümer Jan Horsky präsentierte zum Tag des offenen Denkmals im Sommer 2019 Schloss Nöthnitz. © Andreas Weihs

Normalerweise lebt Horsky in Prag. Dort gehören ihm aus dem Erbe seines Vaters einige Mietshäuser, die er verwaltet und aus deren Einnahmen er sein Einkommen bezieht. Um damit aber eine Lebensaufgabe wie die Sanierung eines Schlosses zu stemmen, reicht es hinten und vorne nicht, sagt der junge Unternehmer. Deshalb kann er in Nöthnitz auch nur Stück für Stück vorgehen. Los ging es mit dem Dach des Haupthauses, als Nächstes folgt der Turm. 

Corona bringt einiges durcheinander

Doch gerade als die Bauarbeiten am Dach begonnen hatten, kam die Corona-Pandemie und damit einhergehend die Einschränkungen, wie sie immer noch bestehen. "Wir hatten zu der Zeit das Dach geöffnet und es war nur mit einer Plane gesichert", sagt Horsky. Dann traf die tschechische Regierung die Entscheidung, die Grenze zu Deutschland zu schließen. Das stellte ihn vor ein Problem.

Sollte er in Prag bleiben und versuchen, von dort aus die Geschicke in Nöthnitz zu lenken? Oder sollte er Tschechien für unbestimmte Zeit verlassen, um vor Ort die Bauarbeiten überwachen zu können? Er entschied sich für Letzteres. "Ich wohne derzeit im Schloss", sagt Jan Horsky. "Das ist besser so, obwohl ich jetzt schon über einen Monat meine Familie nicht gesehen habe." Frau und Kinder hat er zwar nicht, aber seine Mutter und auch andere Verwandtschaft lebt nach wie vor in Tschechien.

Die Sanierung des Daches am Haupthaus und am Turm umfasst den Dachstuhl genauso wie das neue Eindecken mit Naturschiefer. Insgesamt 430.000 Euro kosten die Bauarbeiten. Wie viel davon sein eigenes Geld ist, will Horsky nicht sagen. Nur eben so viel: "Ich bin dankbar, dass der Bund und das Land die Sanierung des Denkmals großzügig fördern."

Der Dachstuhl musste nach heutigen statischen Anforderungen verstärkt werden.
Der Dachstuhl musste nach heutigen statischen Anforderungen verstärkt werden. © Karl-Ludwig Oberthür

Das Dach weißt einige Eigenheiten auf. "Der Dachstuhl musste entsprechend den heutigen Anforderungen der Statik verstärkt werden", sagt Horsky. Und das sieht man bei einem Blick ins Innere. Viel neues Holz leuchtet zwischen den alten Balken. "Früher hat man nach Erfahrung gebaut und meistens hat es gehalten. Heute gibt es klare Vorschriften und die Statik wird berechnet."

Zudem sei die Dachkonstruktion ohnehin ein wenig verändert worden. Zu DDR-Zeiten waren langgestreckte Gauben eingebaut worden, um Platz zu gewinnen. Diese wurden nun entfernt und der originale Zustand wieder hergestellt. "Das hat bei einigen Anwohnern durchaus für Fragen gesorgt", erzählt der junge Schlossherr. "Sie kennen das Haus ja nur mit den Gauben und mochten es, so wie es war." Doch die meisten hätten Verständnis dafür, wenn sie nach einer kleinen Erklärung erführen, dass es keine Willkür von Horsky war, die Gauben zu entfernen, sondern dass alles mit dem Denkmalschutz abgestimmt ist.

Nun sind die Bauarbeiter bereits dabei, die Schindeln aufs Dach zu bringen. In Reihen werden sie festgenagelt. Es ist schwarzer Schiefer aus Spanien. Der sei zum Glück noch rechtzeitig geliefert worden, sagt Horsky. In den nächsten Wochen werden diese Arbeiten beendet sein. Dann geht es an den Turm. "Dafür haben wir zusätzlich noch roten Schiefer aus Wales bestellt." Denn die sogenannten Grate, also die sechs Kanten des Turmdaches, sind farblich abgesetzt, und so soll es auch wieder werden.

Danach sollten eigentlich die Dächer der Seitengebäude folgen. Doch im Moment, auch wegen der Unsicherheiten, was die Folgen der Corona-Krise angeht, kann Jan Horsky die Finanzierung nicht stemmen. "Ich hoffe, dass ich das in absehbarer Zeit angehen kann." Und auch das gehe nur mit Fördermitteln. Dennoch, er bittet um Geduld, dass nicht alles auf einmal geht. "So ein Schloss wirft keine Rendite ab", sagt er. Er sei froh, wenn er da plus minus null rauskomme.

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Um die Überdeckung zu sanieren, reiste der Schlossherr nach Wales. Die Investition ist nicht der einzige Fortschritt.

Es sei eben auch ein bisschen Liebhaberei. "Die Sanierung des Schlosses ist eine Lebensaufgabe", sagt Horsky. Und da es ihm gehört, ist klar, was er damit meint. Es ist seine Lebensaufgabe. Er hat sie sich nicht ausgesucht, aber er nimmt die Herausforderung gerne an.

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