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Jetzt gibt es WM-Bahnen im Keglerheim

In viel Eigenleistung haben die Bautzener Sportler Platten verlegt. Jetzt kann man sich auch international messen.

© Carmen Schumann

Von Carmen Schumann

Die automatische Kegelaufsetzanlage funktioniert normalerweise reibungslos. Manchmal kann es aber doch vorkommen, dass sich die Schnüre verfitzen. Dann muss Hallenwart Boris Kokel ran. Er kriecht in die Anlage hinein und bringt das Gewirr wieder in Ordnung. Vor ein paar Wochen hat er zusammen mit seinen Mitstreitern von der Sportvereinigung im Keglerheim mit angepackt, um die Kegelaufsetzanlage 30 Zentimeter höher zu legen. Dies wurde nötig, weil die Sportler in Zusammenarbeit mit der Fachfirma Ahlborn aus Leipzig acht neue Bahnen für das Classic Kegeln verlegten. Der Einbau dieser Bahnen hebt die Qualität der Sportstätte auf ein ganz neues Niveau. Bislang rollten die Kugeln nämlich auf einem Beton-Untergrund, auf dem Kunststoff nur aufgegossen war. Die neuen Bahnen bestehen dagegen aus mehreren Schichten gepressten Materials, auf dessen Oberfläche blitzblanker Kunststoff aufgebracht ist. Klar, dass darauf die Kugeln störungsfrei rollen können.

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Die neuen blauen Bahnen sind ein Erbstück von der Jugend-Weltmeisterschaft der Kegler, die im Mai 2012 in der Schützenplatzhalle stattfand. Sowohl der Latten-Unterbau, als auch die Bahnen selbst wurden in der Schützenplatzhalle abgebaut und nun im Keglerheim wieder aufgebaut. Durch den Unterbau schwingt die gesamte Bahn, während die alte starr war. Das sei gut für die Gesundheit, sagen die Kegler. Der Latten-Unterbau hat aber zur Folge, dass die zweimal vier Classic-Kegelbahnen, die rechts und links von den mittig liegenden Bowlingbahnen angeordnet sind, nun 30 Zentimeter höher liegen. Deswegen mussten die Kegelaufsetzanlagen erhöht und auch die gesamten Anzeigen an der Stirnseite der Halle erneuert werden. Rolf Gärtner als Maler und Bodenleger hatte an der Neugestaltung eine große Aktie. Er ist in Personalunion Handwerker und Kegler. „Wir haben die Stirnseite in Blau-Gelb gehalten, weil das zum einen die Farben der Jugend-WM und natürlich auch die Bautzener Stadtfarben sind“, sagt er. Der Einbau der neuen Bahnen sei eine Investition in die Zukunft. „Wir hätten sonst Schwierigkeiten gehabt, den Landes-Jugendstützpunkt in Bautzen zu erhalten“, so Gärtner, der auch Jugendtrainer der Sportvereinigung Keglerheim ist. Nur mit zeitgemäßen Bedingungen könne man die Jugend motivieren und zu Höchstleistungen führen.

Bestes Beispiel dafür ist Lucas Strauch. Der 16-jährige Schüler des Melanchthon-Gymnasiums gehört seit 2012 dem Nationalkader an. Bisher trat er zwar noch nicht zu Wettkämpfen für die Bundesrepublik Deutschland an, aber er hofft, dass es bald so weit ist. Lucas findet die neuen Bahnen top. Und auch Eberhard Nawroth, der Vorsitzende der Sportvereinigung Keglerheim, sieht spannende Möglichkeiten auf die Bautzener Sportstätte zukommen. „Wir können uns jetzt für Länderkämpfe bewerben“, frohlockt er. Doch auch für die nächsten Tage und Wochen ist der Terminkalender schon rappelvoll. So finden unter anderem die 60. Deutschen Gehörlosenmeisterschaften hier statt. Denn unter dem Dach der Sportvereinigung Keglerheim trainieren die früher eigenständigen Vereine Turbine Bautzen, Kegelverein Bautzen-West 1951 und der Gehörlosensportverein.

Der Einbau der neuen Bahnen, der rund 74 000 Euro kostete, wurde möglich durch eine fünfzigprozentige Förderung durch das sächsische Kultusministerium. Die Kegler, die der Fachfirma zur Hand gingen, leisteten rund 1 000 Arbeitsstunden. Die Aktion ging Anfang des Jahres in zweimal zwei Wochen über die Bühne und wurde kürzlich abgeschlossen. „Jetzt haben wir die moderne Bahnen, die internationalen Maßstäben entsprechen“, betont Eberhard Nawroth. „Und durch ihre extrem harte Oberfläche sind sie äußerst robust.“