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Der Lebensretter aus Arnsdorf

Ralph Krenz half mit seiner Stammzellenspende einem 16-Jährigen. Heute sind sie Freunde.

Ralph Krenz aus Arnsdorf hat sich 1999 als Stammzellenspender registrieren lassen. Dann passten seine Gene mit denen eines jungen Leukämiepatienten zusammen. Eine Transplantation der Stammzellen fand statt und das Leben des 16-jährigen konnte gerettet wer
Ralph Krenz aus Arnsdorf hat sich 1999 als Stammzellenspender registrieren lassen. Dann passten seine Gene mit denen eines jungen Leukämiepatienten zusammen. Eine Transplantation der Stammzellen fand statt und das Leben des 16-jährigen konnte gerettet wer © Sven Ellger

Arnsdorf.  Nein, er will sich nicht als Retter aufspielen, sich nicht in den Vordergrund drängen, sagt Ralph Krenz. Doch es hilft nichts. Durch diese Geschichte ist er einer geworden. Der damalige Schüler Karl Kapahnke aus Berlin hat ihm sein Leben zu verdanken. Angefangen hat alles vor gut 20 Jahren. Damals erfuhr der Arnsdorfer Elektromeister von einem kleinen Jungen aus Freital. „Er hatte Blutkrebs. Ich sehe noch heute das Bild vor mir, wie er in seinem Laufgitter steht und die Ärzte nichts tun konnten, außer es gibt einen Stammzellenspender. Daraufhin habe ich mich registrieren lassen.“ 

Erste Anfrage nach mehreren Jahren

Passiert ist allerdings mehrere Jahre nichts. Fast hatte er seine Registrierung vergessen, als im Spätsommer 2016 ein Schreiben der DKMS ankam, einer gemeinnützigen Gesellschaft, die früher als Deutsche Knochenmarkspenderdatei bekannt war. „Darin wurde mir mitgeteilt, dass ich in die engere Auswahl als Spender für einen Leukämiepatienten gekommen bin. Zwei weitere Spender waren ebenfalls Kandidaten. Bei mir stimmten aber die meisten Kriterien überein, deshalb wurde ich angefragt, ob ich zu einer Spende bereit bin.“ Weitere Untersuchungen an der Uniklinik in Dresden folgten. Schließlich die Entscheidung: Ralph Krenz wird Spender. „Später habe ich erfahren, wie der Patient und seine Eltern in diesen Wochen gebangt haben: Hoffentlich sagt er nicht ab, weil vielleicht der Aufwand zu groß ist oder ich es mir einfach anders überlegt habe. Ich war ja für sie in diesem Moment die einzige Rettung.“

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Vier Stunden an medizinischen Apparaten

Eine Absage stand aber nie im Raum. Zunächst ging es jedoch um eine Frage: Werden die Stammzellen mit einer Operation bei dem Arnsdorfer entnommen oder werden sie aus seinem Blut gewaschen? „Wegen eines Bandscheibenvorfalls schied die Operation als zu riskant aus.“ Aber auch die zweite Methode war aufwendig. Fünf Tage vor dem Termin musste er sich täglich spritzen lassen. So wurden seine Stammzellen zum Wachsen angeregt. Bei der Entnahme schlossen ihn die Ärzte für vier Stunden an einen Apparat an. Über Schläuche gelangte sein Blut vom linken Arm in die Maschine und von dort wieder in seinen rechten Arm. „Ich habe in der Zeit gelesen. Bewegen durfte ich mich nicht.“ Nebenwirkungen hat er bei der Prozedur keine bemerkt. „Mir war weder schwindelig noch übel. Vielleicht lag das auch daran, dass ich regelmäßig Blutspenden gehe.“ 

Stammzellenspender Ralph Krenz (li.) und der ehemalige Leukämiepatient Karl Kapahnke verstanden sich von Anfang an. Jetzt sind sie Freunde.
Stammzellenspender Ralph Krenz (li.) und der ehemalige Leukämiepatient Karl Kapahnke verstanden sich von Anfang an. Jetzt sind sie Freunde. © DKMS

Anschließend hieß es warten. „Ich wusste ja nicht, wer meine Stammzellen bekommt. Konnte also nicht nachfragen. Auch der Patient hatte keine Ahnung, von wem sie sind.“ Von der DKMS bekam er nach drei Wochen eine Nachricht: Die Transplantation der Zellen war erfolgreich verlaufen. „Als ich dann noch erfuhr, er hat sich erholt und nach 14 Tagen gab es eine sprunghafte Verbesserung seiner Gesundheit, war das schon ein sehr gutes Gefühl.“ In Deutschland gilt eine Anonymitätsfrist von zwei Jahren. Spender und Empfänger können zwar kommunizieren, wenn beide es wollen, aber ausschließlich über die DKMS. Namen und Adresse werden nicht ausgetauscht. „Schon in der Zeit hatten wir indirekt Kontakt. Als dann die Frist vorbei war, konnten wir direkt miteinander telefonieren und E-Mails schreiben. Ich wollte wissen, wie es Karl geht. Mir ging es nicht darum, mich als Held oder Retter darzustellen.“

Auch von Allergien geheilt

An Osten vor anderthalb Jahren erinnert sich der Arnsdorfer ganz besonders. Damals trafen sich Spender und Patient zum ersten Mal in Berlin. Es war von Anfang an eine große Herzlichkeit, sehr emotional, erinnert sich Ralph Krenz. „Karls Eltern waren dabei. Wir haben uns umarmt. Sie waren sehr dankbar und froh, dass ihr Sohn wieder gesund ist, auch vor dem Hintergrund, dass er schon einmal im Alter von sechs Jahren an Leukämie erkrankte und dann einen Rückfall hatte. Die Eltern und vor allem er selber haben das alles somit schon ein zweites Mal durchgemacht.“ Obwohl sich beide zum ersten Mal trafen, fanden sie schnell einen gemeinsamen Draht. „Wir haben viel miteinander gesprochen, waren auch alleine unterwegs. In vielen Dingen teilen wir die gleichen Ansichten.“

Ein positiver Nebeneffekt der Stammzellentransplantation: Nach der Genesung verlor Karl Kapahnke seine Allergien, an denen er bisher gelitten hatte. Auch die Blutgruppe hat sich bei ihm verändert. „Er trägt jetzt die Gleiche wie ich.“ Rückblickend ist das alles ein großer Glücksfall gewesen, sagt  der Arnsdorfer. „Einmal, dass ich als Spender infrage kam, aber auch, dass der Empfänger in der Nähe wohnt. Es hätte auch jemand aus Brasilien sein können, da wäre es mit dem Besuch schon schwieriger geworden. Hinzu kommt, dass wir uns so gut verstehen.“ Was gibt es Schöneres als die Gewissheit, dass ein junger Mensch gerettet werden konnte, der sein ganzes Leben noch vor sich hat, sagt er sich. Heute studiert Karl Medizin. „Wir schreiben uns E-Mails. Er berichtet davon, dass das Studium sehr anstrengend ist.“ Demnächst werden sie sich bei einem Treffen der DKMS wiedersehen.

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