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Jetzt ist der Apothekerpark schöner

Das war der Start für West. Der Baubürgermeister kündigt die Planung eines neuen Sanierungsgebiets an.

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© Norbert Millauer

Von Philipp Siebert

Es geht ungewöhnlich hektisch am Sonnabendvormittag in dem kleinen Park hinter der Stadtapotheke zu. Etwa zehn Mitglieder vom Verein für Denkmalpflege und Neues Bauen Radebeul und viele freiwillige Helfer hocken vor den Beeten, die von einem Pfeilergang aus Holz und zinkfarbenem und rotem Stahl geteilt werden. Vor ihnen stehen Hunderte kleiner Stauden, Blumen und Kletterpflanzen in Töpfen. Clematis sind dabei. Und viele verschiedene Sorten Rosen. Dort, wo bis vor wenigen Monaten noch Sträucher wild wuchsen, graben sie mit kleinen Schaufeln Löcher und bringen die jungen Pflanzen in den Boden.

Es sind die letzten Arbeiten auf der Grünanlage zwischen Hermann-Ilgen-Straße und Harmoniestraße. Am Sonnabend wurde der Park offiziell eröffnet. Im Mittelpunkt der neuen Gestaltung stehen die modern anmutenden Pergolen. Eine große steht mitten im Park, eine kleine am Eingang an der Hermann-Ilgen-Straße. Die Idee dahinter: Die Fläche optisch zu teilen und damit den Eindruck eines kürzeren Wegs zu vermitteln. „Durch den langen Weg wirkte der Park immer recht lang gestreckt und nicht gerade gemütlich“, sagt Heike Funke, Verantwortliche für die Grünanlagen in Radebeul. Die neuen Blumen, Stauden und Gräser, die die Freiwilligen in den Boden bringen, sollen das Bild zusätzlich auflockern.

Grundsätzlich handelt es sich um keine völlige Umgestaltung, sondern um eine Aufwertung des vorhandenen Zustands, betont Heike Funke. „Wir halten an der alten Version fest, aber verschönern diese.“ Man wolle nicht mit Geld um sich werfen, so die Stadtgrün-Verantwortliche. Die neue Gestaltung mit Pergolen und Pflanzen kostet insgesamt 40 000 Euro.

Von dem Geld werden auch die neuen Bänke bezahlt, die noch aufgestellt werden müssen. „Die Bänke kommen in dieser Woche an ihren Platz, die Fläche muss zuvor aber noch gepflastert werden.“ Ende dieser Woche ist alles fertig, verspricht Heike Funke.

Den guten Eindruck, den die ersten Besucher haben, die am Sonnabendnachmittag durch den Park schlendern, trübt das aber nicht. „Es ist schön geworden, die Pergolen und die Blumen sind ein echter Hingucker“, sagt ein Herr, der mit seinem Hund hier spazieren geht.

Auch wenn der Apothekerpark nun wieder für alle offen steht, ist die Gestaltung noch nicht abgeschlossen. Neue Blumen, Bäume und Stauden fehlen am Eingang zur Harmoniestraße. Damit soll es im Herbst weitergehen. „Dort gestalten wir auch eine Jugendecke“, sagt Heike Funke.

Die Neugestaltung des kleinen Parks, der ursprünglich der private Obstgarten des Apothekers Hermann Ilgen war, kann nicht nur als Verschönerung der Grünanlage gesehen werden. Vielmehr verbindet die Stadt damit den Startschuss zur Wiederbelebung des gesamten Areals rund um die Bahnhofstraße. Denn anders als im inzwischen modernen Stadtteilzentrum im Osten der Lößnitzstadt oder am Anger in Altkötzschenbroda wurde an der Einkaufsmeile im Radebeuler Westen in den vergangenen Jahren wenig getan.

Die Verantwortlichen im Rathaus wollen das nun ändern. „Gerade bereiten wir die Ausweisung eines neuen Sanierungsgebietes vor“, sagt Radebeuls Baubürgermeister Jörg Müller (parteilos). Die Bahnhofstraße, den Bahnhof und die Alte Post sowie die Schulen am Ende der Harmoniestraße umfasse das Areal. Über ein städtebauliches Programm von Bund und Land könnte die Stadt für Sanierungsarbeiten, beispielsweise in den Schulen, Fördergelder in Höhe von zwei Dritteln der Kosten bekommen. Jörg Müller: „Unser Ziel ist es, den Geschäftsstandort Bahnhofstraße und die umliegenden Areale weiter zu entwickeln.“

Das ist jedoch noch Zukunftsmusik. Sind die Grenzen des Sanierungsgebietes festgelegt, werden die Mängel aufgenommen und ein Konzept erarbeitet. „Danach können die Bürger ihre Meinung sagen“, so der Baubürgermeister, „wir werden nichts gegen die Anwohner entscheiden.“ Schließlich müssen sich die Grundstückseigentümer in Form von Ausgleichsbeträgen an der Sanierung des Gebietes beteiligen.

Die endgültige Entscheidung, ob das Areal rund um die Bahnhofstraße aufwendig saniert wird, werde frühestens Ende 2016 fallen, sagt Jörg Müller.