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Jetzt kaufen oder 2007 geizen

Konsumverhalten. Wie gehen die Riesaer und Großenhainer mit der ab Januar höheren Mehrwertsteuer um?

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Von Gunter NiehusundJörg Mosch

Rund 100 Kunden mehr als im Oktober des Vorjahres konnte das Dänische Bettenlager Großenhain begrüßen. „Ich denke schon, dass das nicht nur mit unserer geplanten Schließung zusammenhängt“ sagt Filialleiterin Julia Dietze. „Manche Kunden sagen direkt, dass sie sich die Möbel jetzt noch kaufen, bevor ab Januar alles teurer wird.“

Viele würden auch damit rechnen, dass es nicht bei der um drei Prozent höheren Mehrwertsteuer bleibt. „Die Leute erinnern sich Euro-Einführung gestiegen sind“, so Dietze. „Jetzt fürchten sie, dass das wieder passiert.“

Im Januar und Februar sieht die Möbelhändlerin besonders harte Zeiten auf die Geschäfte zukommen. Dadurch, dass in diesen Wochen die meisten Versicherungen fällig werden, hätten die Leute ohnehin kaum Geld übrig. Das wäre jedes Jahr so. Doch diesmal rechnet sie damit, dass sich die Kunden ganz bewusst verweigern.

Anfangs gibt’s einen Einbruch

Im Gegensatz zu Möbeln haben elektronische Geräte wie Computer oder Fernseher eine wesentlich kürzere Halbwertszeit. Das heißt, die Spitzenprodukte dieses Jahres sind im darauf folgenden schon für deutlich weniger Geld zu haben. Für Mike Preibisch aus Großenhain ist das der Grund, weshalb bei ihm das Geschäft momentan nicht stärker brummt als andere Jahre. „Vielleicht überlegen sich‘s die Leute noch kurz vor Weihnachten“; sagt er. „Aber dass sich jemand einen Flachfernseher kauft, nur weil die Mehrwertsteuer steigt, habe ich noch nicht erlebt.“ Wenn der alte noch gut ist, würde er auch niemandem dazu raten. „In den ersten beiden Monaten 2007 wird es erst mal einen Einbruch geben“, lautet seine Prognose. „Aber danach wird sich das schnell normalisieren und gleichwertige Geräte werden dann sogar billiger sein.“

„Etwas höher als sonst ist die Nachfrage momentan schon“, sagt Michael Hackenberg von Riesaer Autohaus BMW-Autohaus Pulz. „Aber nicht so viel, wie wir eigentlich gedacht hatten.“ Immerhin macht sich die Mehrwertsteuererhöhung beim Autokauf deutlich bemerkbar. Bei einem Preis von rund 30 000 Euro schlägt der neue Satz mit Pi mal Daumen 900 Euro mehr zu Buche. Kein Pappenstiel.

„Vielleicht wollen sich viele noch ein paar Wochen Zeit lassen“, vermutet Hackenberg. Doch das kann ins Auge gehen. Entscheidend für die Höhe des Mehrwertsteuersatzes ist nicht das Datum der Bestellung, sondern der Tag der Auslieferung beziehungsweise Rechnungsstellung. Kurz von knapp noch ein neues Auto zu bestellen, nützt also gar nichts, wenn es erst im nächsten Jahr geliefert werden kann.

„Die Reisebranche wird vom Rummel um die Mehrwertsteuer kaum berührt“, sagt Steffen Rafelt, Chef des Touristik-Centers am Großenhainer Frauenmarkt. Auslandsreisen seien generell mehrwertsteuerfrei. Zu Buche schlagen würde die Erhöhung nur bei Reisen und Ferienwohnungen innerhalb Deutschlands. Im bis April geltenden aktuellen Winterkatalog gebe es keinen Preisanstieg zum Jahresbeginn. Und im Sommerkatalog 2007 seien die Preise kaum anders als 2006. „Manche Reisen sind sogar günstiger geworden“, so Rafelt.