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Jetzt kommt der Paketkasten

Die Firma Knobloch entwickelt neue Produkte. Der Brief verliert an Bedeutung. Pakete gibt es dagegen immer mehr.

Von Jens Hoyer

Wenn man von der Firma Max Knobloch als Briefkastenfirma spricht, so ist das keine Abwertung. Tatsächlich sind Briefkästen das Hauptstandbein des blechverarbeitenden Betriebs. Und mittlerweile nicht nur diese. Die Kasten von morgen hat eine große Klappe. So groß, dass Päckchen hineinpassen. „Wir denken, dass die Zukunft der Paketkasten ist“, sagte Geschäftsführer Thomas Kolbe. Die Anzahl der Briefe und Postkarten ist durch E-Mail, durch Nachrichtendienste wie WhatsApp und soziale Netzwerke im Schwinden begriffen. Auf der anderen Seite hat der Handel im Internet zur Zunahme bei den Paketen geführt. „Es wird immer eine Übergabestation an der Haustür geben“, sagte Kolbe. Bei Max Knobloch hat man sich Gedanken darüber gemacht, wie die aussehen könnte.

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Was dabei herausgekommen ist, steht im Ausstellungsraum der Firma: der Paketkasten mit der großen Klappe. Wer will, bekommt sie so groß gefertigt, dass auch Meter-Pakete hineinpassen, sagt Kolbe. Was auffällt, ist das große Display mit dem Nummernfeld an der Front. Wenn der Paketbote das Päckchen abgelegt hat, lässt er dem Empfänger einen Code zukommen. Der geht per SMS aufs Handy oder wird „analog“ per Zettel im Briefkasten hinterlegt. Wenn der Empfänger die Zahlenkombination eingibt, öffnet sich das Türchen. Der Paketdienst DHL hat eigene Packstationen, die ähnlich funktionieren. Aus der Sicht von Kolbe ist das aber ein Irrweg, weil andere Anbieter die DHL-Stationen nicht nutzen können. Die Knobloch-Anlagen sind zustellerunabhängig.

Das Thema sei auch bei der Politik von Bedeutung, sagte Kolbe. Gerade befasse sich eine EU-Kommission mit Regelungen, die die technischen Eigenschaften solcher Paketkästen festlegen. Entwickelt hat die Firma Knobloch die Anlagen zusammen mit ihrem Schlosslieferanten und einer Firma aus Österreich, die sich auf Vermietungssysteme in Skistationen spezialisiert hat – die Technik war also schon vorhanden. Neu sei die Kombination, so Kolbe.

Der Briefkasten wird den Paketkasten aber noch lange überflügeln – dieser macht den größten Anteil der Produktion bei Knobloch aus. Die Firma baut ganz nach Kundenwunsch Briefkastenanlagen auch für große Mietshäuser. Und dann gibt noch eine schier unüberschaubare Menge an Einzelbriefkästen. „Da sind wir der Anbieter mit dem breitesten Angebot im Europa“, sagte Thomas Kolbe. Die Spanne reicht vom Briefkasten für den kleinen Geldbeutel bis hinauf in den vierstelligen Bereich. Die Leute lassen sich ihren ganz individuellen Briefkasten durchaus etwas kosten. 150 bis 350 Euro geben die Kunden schon mal aus. Für den edlen Briefkasten „Vienna“, dessen Gestaltung mit dem „Red Dot Design Award“ ausgezeichnet wurde, legt der Hausbesitzer 400 Euro hin. „Der Preis schreckt die Kunden nicht“, so Kolbe.

Nach dem Hochwasser 2002 hatte die Firma im Döbelner Gewerbegebiet neu gebaut. „Wir sind 2003 mit 35 Leuten umgezogen“, sagte der Geschäftsführer. Heute arbeiten 120 Mitarbeiter in der Firma. Sie unterhält Büros in München und Berlin, wo Kunden beraten werden. Der Bereich Marketing wurde ausgebaut. „Beim Bau von Häusern spielt der Briefkasten nur eine untergeordnete Rolle. Da ist Marketing sehr wichtig, damit man in den Köpfen der Leute bleibt“, sagte Kolbe.

Nur noch ein Nischendasein fristet bei Knobloch ein Produkt, mit der die Firma nach der Wende überlebt hatte – nämlich elektrische Heizungen. Die rustikalen Bahnheizkörper werden aber immer noch produziert. Bei der S-Bahn in Berlin sind sie bis heute im Einsatz und Siemens liefert sie nach Russland. „Die sind unkaputtbar“, sagte Kolbe.