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Jetzt lacht auch noch der Norden über die „Spucknäpfe“

Nachdem die SZ Anfang Januar über zwei ungewöhnliche Bauwerke an der Mozartstraße berichtete, schwappt eine riesige Medienwelle über die Bierstadt.

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Von Jens Fritzsche

So, nun haben es Radebergs „Spucknäpfe“ also auch noch in die Satire-Sendung „Extra-Drei“ des NDR-Fernsehens in die Rubrik „Der reale Wahnsinn“ geschafft. Damit ist das Thema um die umstrittenen „Verkehrsberuhigungs-Elemente“ an der Mozartstraße im Radeberger Westen nun also im deutschen Norden angelangt…

Nachdem die Radeberger SZ bereits am 9. Januar über das Thema berichtet hatte, drängelten sich an der Mozartstraße jedenfalls die Kameras. Der MDR war da, das ZDF – und auch zahlreiche überregionale Zeitungen berichteten. Nun also hat sich auch der NDR des Themas angenommen. Wirklich Neues haben die Kollegen zwar nicht zu bieten, sondern nutzten einfach Filmsequenzen, die zuvor vom MDR-Fernsehen gedreht worden waren. Aber lustig kommt das Ganze dennoch rüber – obwohl man im Radeberger Rathaus schon lange nicht mehr über das Thema lachen kann. Es geht dabei um zwei Bauwerke –  etwa vier Meter lang und einen Meter breit – aus halbmeterhohen Betonsäulen, die aussehen wie Hochbeete und zur Verkehrsberuhigung an der frisch sanierten Mozartstraße dienen sollen. Aber die Anwohner empfinden es „als absoluten Unsinn, Verkehrsberuhigungs-Bauten auf den Fußweg zu setzen, so dass die Fußgänger auf die Straße treten müssen!“ Und tatsächlich beruhigen die Beton-Elemente den Verkehr auf der Straße quasi vom Fußweg aus…

Ein Schildbürgerstreich also? „Ich kann nur wiederholen, dass wir auf den Wunsch der Anwohner eingegangen sind, und eben keine richtigen Fußwege gebaut haben, weil die Anwohner sonst nicht mehr vor ihren Häusern parken könnten, denn die Straße ist dafür zu schmal – sondern die Fußwege durch andersfarbiges Pflaster quasi nur angedeutet haben“, ärgert sich Stadtsprecher Jürgen Wähnert. Damit handelt es sich nun juristisch nicht mehr um einen Fußweg, sagt er. Und die Anwohner dürfen dort parken. „Aber dieselben Anwohner sorgen dafür, dass wir deutschlandweit zum Gesprächsthema werden“, ist der Stadtsprecher angesäuert, und verweist darauf, „dass die Fußgänger an der Mozartstraße im Übrigen auch bei parkenden Autos auf die Straße treten müssen!“ Die Bewohner hätten, so Wähnert, im Vorfeld bei einer Versammlung das Projekt jedenfalls vorgestellt bekommen. „Und bei einer Abstimmung hatte sich eine Mehrheit für genau diese Variante entschieden“, bleibt der Stadtsprecher bei seiner Sicht. Eine Sicht, die die Anwohner nicht teilen, wie Günter Jachmann klarstellt. Vor seinem Haus ist einer der „Spucknäpfe“ – wie die Anwohner die Bauwerke mittlerweile getauft haben – platziert. „Und wir haben nicht konkret gesagt bekommen, wie das Ganze aussehen wird“, hat Günter Jachmann keine Lust, sich den Schwarzen Peter zuschieben zu lassen, wie er sagt.

Derzeit läuft jedenfalls eine Abstimmung, wie es mit den „Spucknäpfen“ weitergehen soll. Die Stadt hat die Anwohner angeschrieben und gefragt, ob sie die „Spucknäpfe“ weg haben möchten und ob ein „richtiger“ Fußweg gebaut werden solle. Gut 80 Prozent haben auch geantwortet, das Ganze wird derzeit ausgewertet. Bis dahin wird wohl noch das eine oder andere Filmteam vorbeischauen…

www.ndr.de/fernsehen/sendungen/extra_3