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Jetzt sind die Apotheker gefragt

Seit März dürfen Apotheken Desinfektionsmittel selbst herstellen und verkaufen. Doch oft bleibt das ein Wunschtraum.

Das Team der Flamingo Apotheke im Kaufland (Vorn Chefin Anne-Marlen Koschkar) in Weißwasser hat noch Desinfektionsmittel.
Das Team der Flamingo Apotheke im Kaufland (Vorn Chefin Anne-Marlen Koschkar) in Weißwasser hat noch Desinfektionsmittel. © Joachim Rehle

Gerade in den jetzigen Corona-Zeiten sind Apotheken besonders gefragt, auch weil die großen Arzneimittelhersteller mit der Produktion von Desinfektionsmitteln nicht mehr hinterherkommen. Damit Apotheken Desinfektionsmittel wieder selbst herstellen dürfen, wurde extra eine Ausnahme des Biozid-Gesetzes gemacht, das die Eigenherstellung dieser Substanzen seit wenigen Jahren verbietet.Desinfektionsmittel sind im Grunde keine komplizierte Angelegenheit. Sie bestehen aus Alkohol, meistens Ethanol oder Isopropanol, und destilliertem Wasser im Mischverhältnis drei zu eins oder stärker. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat für die Apotheker ein Rezept veröffentlicht, das noch zwei weitere Stoffe enthält.

Zum einen Wasserstoffperoxid, das Pilze und Sporen abtötet und damit für den klinischen Einsatz wichtig ist und Glycerin, ein Feuchthaltemittel, das die Haut schonen soll. Damit sind sie zwar nicht so hautfreundlich wie moderne Desinfektionsmittel, die ph-neutral und nachfettend sind, die auch Hautärzte empfehlen. Sie sind aber trotzdem deutlich besser als ein reines Alkohol-Wasser-Gemisch. Gesetzlich erlaubt wäre beides.„Wir stellen nach WHO-Rezeptur her“, sagt Anne-Marlen Koschkar von der Flamingo-Apotheke in Weißwasser. Doch derzeit sei auch etwas Erfindergeist gefragt. Der Markt sei leer gefegt, vor allem reiner Alkohol nur schwer zu bekommen. Das treibt einerseits die Preise in die Höhe, andererseits ist dadurch auch die Menge, die Apotheken selbst herstellen können, stark begrenzt. „Wir schauen uns überall um, finden auch Angebote von Schnaps- und Weinherstellern. Gerade heute haben wir wieder sechs Kanister á zehn Liter bekommen“, erklärt Anne-Marlen Koschkar. Jetzt werde abgefüllt, in kleine Flaschen für Privatkunden und in größere Behältnisse für Arztpraxen. „Inzwischen sind aber auch schon Flaschen und Deckel Mangelware“, sagt die Weißwasseraner Apothekerin, die nie gedacht hätte, einmal einen Mangel an derart einfachen Dingen erleben zu müssen.

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Auch Petra Hillmann von der Storchen-Apotheke in Lauta hat noch ein paar Flaschen Desinfektionsmittel vorrätig. „Wir haben noch eine günstige Lieferung bekommne und sie in kleinere Flaschen abgefüllt. Lange reichen wird das aber nicht“, sagt sie. Selbst Desinfektionsmittel herstellen wird sie nicht. Ihre Begründung: „Wenn wir überhaupt Rohstoffe bekommen, sind sie so teuer, dass eine Weiterverarbeitung und der dann folgende Verkauf zu horrenden Preisen aus meiner Sicht Abzocke wäre. Da sollen sich die Leute lieber gut die Hände waschen.“

Es gibt Lieferengpässe

Einige andere von TAGEBLATT angefragte Apotheken, ob in und um Weißwasser oder Hoyerswerda, würden zwar gern Desinfektionsmittel herstellen, können aber nicht, weil Alkohol, Flaschen oder Deckel einfach nicht zu bekommen sind, meist auch mehreres davon. Vielleicht sorgt die Umstellung der Produktion bei BASF in Schwarzheide ja dafür, dass die Versorgungslücke zumindest bei den Krankenhäusern schnell geschlossen werden kann.Die WHO warnt übrigens davor, Desinfektionsmittel selbst herzustellen. Die Lösungen seien leicht entflammbar und könnten Augen und Atemwege reizen. Außerdem herrschten in Haushalten selten die nötigen Hygienestandards. Sie seien deshalb nur eine Notlösung, die Mittel aus der Apotheke deshalb zu bevorzugen.

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