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Jetzt soll Görlitz eine Freie Oberschule bekommen

Der Träger der Freien evangelischen Heise-Grundschule wagt den Schritt. Nur wo, ist noch unklar.

Von Jenny Thümmler

Die Stadt Görlitz könnte bald eine freie Oberschule bekommen. Der Evangelische Schulverein Niesky/Görlitz, der seit zehn Jahren die Dietrich-Heise-Grundschule betreibt, plant eine entsprechende Neugründung. Im Schuljahr 2015/16 soll es mit einer fünften Klasse losgehen. Neben den vier freien Grundschulen wäre es die erste weiterführende Schule in der Stadt. Im ganzen Landkreis Görlitz gibt es sechs.

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Die rund 40 Mitglieder des Schulvereins sind der Überzeugung, dass eine freie evangelische Oberschule in die Region passt. Weil es Bedarf an Alternativen gibt, sagt Magdalena Forchmann vom Vereinsvorstand, die alles für den Antrag beim Freistaat Sachsen koordiniert und selbst eine Tochter an der Dietrich-Heise-Grundschule hat. Weil das staatliche Schulsystem den Lehrern nur in engen Grenzen Gestaltungsräume lasse, zu sehr auf Leistung und zu wenig auf Persönlichkeitsbildung setze und zu viele Schüler abgehängt würden. Und weil nach zehn Jahren als Träger einer freien Grundschule genug Erfahrungen vorlägen, um den nächsten Schritt zu gehen. Zudem werden die Schülerzahlen in den kommenden zehn Jahren stark steigen, ergab eine Analyse des Vereins.

Das Konzept der neuen Schule wird sich an das der Grundschule anlehnen. Die deutsch-polnische Verbindung ist genau wie die christliche Ausrichtung ein Schwerpunkt. Polnisch wird laut Magdalena Forchmann ab der fünften Klasse unterrichtet, in der siebten gibt es ein bilinguales Fach, Religionsunterricht ist verbindlich. „Wir wollen einen gesunden Mix aus Reformpädagogiken haben“, sagt sie und nennt viel Freiarbeit als Teil der Montessori-Pädagogik als Beispiel. Dies funktioniere bereits in der Grundschule gut. Als Klassenstärke sind maximal 25 Schüler geplant, eine Klasse pro Jahrgang. Die Schule soll sich aber erst allmählich aufbauen. Beginnend mit der fünften Klasse soll jedes Jahr eine weitere hinzukommen. Als Schulgeld schwebt dem Träger ein höherer Betrag vor als in der Grundschule, sagt Forchmann. Dort zahlen Eltern 66 Euro im Monat.

Derzeit laufen die Vorbereitungen. Die Vereinsmitglieder haben sich andere freie Oberschulen angeschaut, Geld gesammelt, Finanzplan und Konzept erstellt und schreiben jetzt den Antrag. Anfang Dezember soll er beim Freistaat Sachsen abgegeben werden. Im Juni oder Juli 2015 rechnet der Schulverein mit dem endgültigen Bescheid. Auch wenn die Auflagen des Freistaats sehr streng sind, ist Magdalena Forchmann optimistisch, dass der Antrag bewilligt wird. „Wir machen das nach bestem Wissen und Gewissen. Ich habe keine Lust auf halbe Sachen oder Mauschelei.“

Im Internet sucht der Schulverein schon nach Lehrern. Vier Bewerbungen liegen bislang vor, erste Gespräche starten bald. Da vor allem anfangs jedes Fach nur wenige Stunden pro Woche unterrichtet werden muss, will der Verein mit Honorarverträgen arbeiten. Erste Anfragen von Eltern gebe es bereits.

Nur eines ist noch unklar: der Ort des Geschehens. Der Vereinsvorstand ist mit Stadtverwaltung und Hauseigentümern im Gespräch. Entschieden ist noch nichts. Die Frage ist auch, ob gleich ein Gebäude gewählt wird, das groß genug für alle sechs Klassen ist, die eines Tages die Schule besuchen werden. Oder ob man ein kleineres Haus nimmt und in zwei, drei Jahren nochmal umzieht. „Fest steht bislang nur, dass es möglichst in der Görlitzer Innenstadt sein soll“, so Magdalena Forchmann.

Wenn die Dietrich-Heise-Grundschule auf der Struvestraße nächstes Wochenende ihren Geburtstag feiert, soll auch für die neue Oberschule geworben werden. Der Schulverein sucht neben Schülern und Lehrern noch viele Unterstützer. Nach aktueller Gesetzeslage muss sich eine freie Schule vier Jahre lang selbst finanzieren, bevor sie staatlich anerkannt wird und in den Genuss von Zuschüssen kommt. „Es ist noch ein langer Weg“, sagt Forchmann. „Aber wir sind total motiviert und optimistisch.“ Auf ein Wort