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Jetzt war das Fass voll

Der Trauerflor am Theater wird wohl bleiben. Eine Verlängerung des Intendanten-Vertrages von Klaus Stephan wird es definitiv nicht geben. Darin waren sich Oberbürgermeister Jürgen Kloß und Landrat Volker...

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Von Cornelia Mai

Der Trauerflor am Theater wird wohl bleiben. Eine Verlängerung des Intendanten-Vertrages von Klaus Stephan wird es definitiv nicht geben. Darin waren sich Oberbürgermeister Jürgen Kloß und Landrat Volker Stange einig, die gestern zur Belegschaftsversammlung im Theater geladen waren.
Erst sorgte am 24. Mai die Aufsichtsratsentscheidung für heiße Diskussionen, dann heizte die Internetausschreibung für die Stelle eines Oberspielleiters für das GHTZ die Stimmung im Theater noch richtig an. Das Fass war voll. Die Belegschaft forderte Rede und Antwort von den Gesellschaftern, wollte Gründe und Hintergründe erfahren, wissen, wie es um die Zukunft des Gerhart-Hauptmann-Theaters bestellt ist. Die Mehrheit der Mitarbeiter, so schien es gestern, steht voll und ganz hinter dem Intendanten Klaus Stephan. Einzelne Mitarbeiter würdigten seinen Einsatz für das Haus, der sich in konkreten Fakten niederschlage. Helmuth Meyer sagte, Stephan habe immerhin eine 83-prozentige Auslastung erzielt. "Gibt es einen größeren Kampf für ein Theater?" Meyer sprach außerdem das knappe Budget an, mit dem in Zittau Theater bühnenreif wird. In ganz Deutschland gäbe es nur noch zwei Theater, die mit so wenig Geld wirtschaften müssten. "Dafür gibt es kein Theater ohne Intendanten", ergänzte Wolfgang Adam. Doch genau diesen Weg will die GmbH offenbar gehen.
Über eine Vertragsverlängerung wollten weder Kloß noch Stange diskutieren. Die Entscheidung sei keine knappe, sondern eine einstimmige gewesen. Während Jürgen Kloß sich eine Zusammenarbeit mit Klaus Stephan über den bestehenden Vertrag hinaus nicht vorstellen kann, lenkte Volker Stange ein. Klaus Stephan stünde es frei, sich bei einer Ausschreibung erneut zu bewerben.
Warum jetzt aber ein Oberspielleiter und kein neuer Intendant gesucht wird, der - wie es von Klaus Stephan gefordert wurde - neben künstlerischen Aufgaben auch kulturpolitisch tätig werden kann, blieb unbeantwortet. Robert Wittmers sprach von einer Machtverschiebung, wenn der Verwaltungsdirektor Geschäftsführer sei, während der künstlerische Bereich von einem Oberspielleiter beackert werden könne. "Theater nur aus Ökonomie kann man vergessen", spitzte er seine Aussage zu. Ein leeres Haus müsste nicht erhalten werden.
Wie es zu der Ausschreibung gekommen sei, konnten Kloß und Stange vor Ort nicht klären. Beide beteuerten, bisher gäbe es lediglich Überlegungen, aber noch keine klaren Vorstellungen über die künftige Organisationsstruktur des GHTZ. Damit sei der zweite Schritt vor dem ersten erfolgt, müsste man sich schnellstens über seine Absichten klar werden, forderten Hüttner und Bärwolff. Lux fragte: "Wollen Sie denn mit einem Loch kämpfen?"
Die einzig klare Aussage von Landrat und Oberbürgermeister war gestern: Wir stehen zum Theater. Jürgen Kloß sagte: "Wir wollen auch keinen schleichenden Tod. Da hätten wir jetzt nicht die Werkstätten gekauft. Einen neuen Leiter-Vertrag möchte ich bis 2005 abschließen, also über den Kulturraum hinweg, um dieses Anliegen deutlich zu machen." Volker Stange informierte, der Verwaltungsausschuss des Landratsamtes habe sich erst am Mittwoch wieder für das GHTZ ausgesprochen. Es bestehe kein Grund zu Misstrauen.