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Radebeul

Jetzt wird der Wein geerntet

Wackerbarth beginnt mit der Lese. In den letzten Jahren sind die Trauben immer zeitiger reif.

Kellermeisterin Christiane Spieler schneidet die ersten Trauben der frühreifen Rebsorte Solaris ab. Durch ihre fruchtigen Aromen eignet sich diese weiße Sorte,  besonders gut für Federweißer.
Kellermeisterin Christiane Spieler schneidet die ersten Trauben der frühreifen Rebsorte Solaris ab. Durch ihre fruchtigen Aromen eignet sich diese weiße Sorte, besonders gut für Federweißer. © Arvid Müller

Radebeul. Till Neumeister hält die Beere gegen das Licht. Die kleinen Kerne darin schimmern durch die Haut. Dann drückt Neumeister sie zwischen Daumen und Zeigefinger zusammen. Sofort tritt der Saft aus. Ganz oben, dort wo er sie vom Weinstock abgezupft hat, bildet sich ein ganz schmaler brauner Holzring. 

Allesamt gute Zeichen, die dem Weinbauleiter von Schloss Wackerbarth zeigen: Die Beeren sind reif, die Weinlese kann starten. Neben den optischen Merkmalen spielen auch andere Indikatoren eine wichtige Rolle. Die Winzer prüfen, ob der gewünschte Geschmack erreicht ist, ob der Wein eine gute Süße-Säure-Balance hat. Der pH-Wert wird gemessen. 

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Im Ausnahmejahr 2018 waren die ersten Weinsorten schon Anfang August reif – so zeitig wie noch nie. In diesem Jahr startet die Ernte zwar nicht ganz so früh, aber gemessen am 30-jährigen Durchschnitt ist es wieder ein frühreifes Jahr, sagt Neumeister. In den letzten fünf Jahren war der Wein überdurchschnittlich zeitig reif.

Warme Temperaturen und trockene Witterung begünstigen das. 2018 sorgte der warme und sonnige April schon für einen Reifevorsprung von drei Wochen. In diesem Jahr hingegen hatten die Winzer im April noch mit Spätfrösten zu kämpfen. Mit kleinen Feuern und Kerzen in den Weinbergen mussten die schon ausgetriebenen Knospen vor dem Erfrieren gerettet werden. 

Es folgte ein kühler aber nicht zu kühler Mai, sagt der Weinbauleiter. Gute Wachstumsbedingungen für den Austrieb. „Auf die Rekord-Hitze im Juni waren wir sehr gut vorbereitet. Wir haben auf unsere Erfahrung aus dem letzten Jahr zurückgegriffen und mit geeigneten Maßnahmen, wie der zusätzlichen Bewässerung der Junganlagen oder einer angepassten Bearbeitung des Bodens, reagiert.“ Die Trauben seien in hervorragendem Zustand und sehr gesund.

Daraus eine Prognose für die Qualität des 2019er Jahrgangs abzuleiten, wäre aber verfrüht. „Der Herbst macht das Weinjahr“, sagt Neumeister. Sollte die Natur den sächsischen Winzern gewogen bleiben und sie mit einem goldenen Herbst belohnen, dann geht er von einem weiteren Spitzenjahrgang im Weinbaugebiet Sachsen aus. „Die Voraussetzungen hat das bisherige Weinjahr gelegt. Nun liegt es an den kommenden Tagen und Wochen, diese zu veredeln.“ 

Wenn das Wetter mitspielt, wollen die Winzer bis in den November hinein lesen. Dass die Witterungsextreme zunehmen, merken auch die Weinbauern, sagt Wackerbarth-Sprecher Martin Junge. Die Lagen in Radebeul seien, anders als Flächen in Meißen und Pillnitz, zum Glück von Hagel weitestgehend verschont geblieben. Das veränderte Klima habe aber auch Vorteile. Anders als noch vor 30 Jahren könnten die Winzer jetzt damit rechnen, dass alle Rebsorten reif werden.

Als Vorgeschmack für den neuen Jahrgang kann bald der erste Federweißer verkostet werden. Am 23. August zum „Philharmonic Flair“, einem kammermusikalischen Abend, und zu den Tagen des offenen Weinguts am 24. und 25. August wird er bei Wackerbarth ausgeschenkt. 

Dem frisch gepressten Most wird Hefe zugesetzt, damit die alkoholische Gärung einsetzt. Seinen Namen erhält Federweißer durch diese Hefeteilchen, die wie kleine Federn im Most schweben. Am besten schmeckt er, wenn der Alkoholgehalt bei circa sechs bis acht Prozent liegt – die alkoholische Gärung also noch nicht abgeschlossen ist.

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