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Jetzt wird in der Tonne geraspelt

Kötzschenbroda ist um eine Attraktion reicher. Das Dresdner Kabarett „Die Raspel“ spielt jetzt im Bürgergarten.

© Norbert Millauer

Von Martin Linke

Fast 13 Jahre ist es her, als über eine Annonce in der Sächsischen Zeitung Interessenten für ein Kleinkunsttheater gesucht wurden. Schnell fanden sich vier Akteure zusammen. Der Verein Dresdner Kabarett – Die Raspel e.V. war gegründet.

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Heute besteht das Varieté noch aus zwei eingeschworenen Mitgliedern. Anette Paul, die Initiatorin, die das Inserat damals aufgab, und Roland, alias Otto Dix, ebenfalls Gründungsmitglied. Er ist maßgeblich für die Texte zuständig. Bei den Spielstätten gab es öfter einen Wechsel. Zuletzt wurde politische Satire im Strehlener Kleinkunstkeller „Zur Raspel“ geboten. Nun können sich die Radebeuler über ein Kabarett freuen, denn das Duo hat im Bürgergarten auf der Kötitzer Straße in Kötzschenbroda ein neues Zuhause gefunden. Die Premiere vor wenigen Tagen war schon vor der Aufführung ein Erfolg. Das Stück „Altes ausgebuddelt“, ein Best-of von Paul und Dix, war schnell ausverkauft. Und es kam offensichtlich gut an, sagt Anette Paul. Von den Besuchern hörte sie nach der Vorstellung solche Sätze wie „Das ist eine Bereicherung für Radebeul“ und „Wir hoffen, dass es so weiterläuft“.

Beide Künstler haben schon zu DDR-Zeiten erste Bühnenerfahrungen gesammelt, Roland Dix seit 1979. Anette Paul war Ensemblemitglied im Betriebskabarett „Die Lachkarte“ vom VEB Robotron. Auch ein gewisser Wolfgang Stumpf spielte dort mit – noch heute treffen sich die ehemaligen Mitglieder des Volkskunstkollektivs.

Die Theaterakteure des VEB Robotron und anderer Betriebe wurden in der DDR privilegiert. Viele konnten damals für Auftritte ins „kapitalistische Ausland“ reisen. „Ich selber konnte leider nicht in den Westen. Doch es ging immerhin nach Bulgarien, Polen und Russland“, sagt Anette Paul. Und auch diese Erkenntnis ergibt sich mit ihren Erinnerungen: „Die Kultur ist früher besser unterstützt worden, die Kleinkunst hat es heute schwer.“

Mit einigen Umwegen sollte sie zum Theater zurückfinden. Trotz einer Ausbildung zur Kindergärtnerin. „Nach der Wende wurde meine Ausbildung nicht anerkannt und ich hätte eine Ausbildung zur Erzieherin machen müssen, was ich nicht eingesehen habe.“ Noch während eines fünfjährigen Intermezzos in der Kfz-Branche im An- und Abmeldedienst zog sie zusammen mit ihrem zweiten Ehemann 2001 nach Radebeul. Vor fünf Jahren machte Anette Paul sich mit dem Nagelstudio „N3“ in Altkötzschenbroda selbstständig. Am 1. November gab es deshalb eine kleine Feier.

Doch das Nagelstudio mit Boutique plus Engagement im Radebeuler Bürgergarten reicht der Bühnen-Frau noch nicht. Satirischer Spaß mit der Wahl-Radebeulerin ist auch im Steiger am Landhaus in Dresden zu erleben, zusammen mit dem ehemaligen Raspel-Mitglied Frank Peters. Vor allem das Stück „Casanova in Dresden oder: Wie die Syphilis nach Dresden kam“ ist der Kabarettistin zufolge ein echter Geheimtipp. Auch in der Freitaler Gaststätte Goldener Löwe wird hin und wieder die Gesellschaft aufs Korn genommen. Zudem veranstaltet Anette Paul mit der Kollektion aus ihrer Boutique Modenschauen in Radebeul, Dippoldiswalde und Freital.

Nun sind aber erst mal alle Kräfte auf die Aufgaben in der neuen Spielstätte fokussiert. Künftig wird dort jeden dritten Freitag im Monat geraspelt.

www.die-raspel.de; Bürgergarten: 0351 4797595