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Job weg – Lehrerin verklagt Kirche

Eine Dresdner Lehrerin verklagt ihren Arbeitgeber, das katholische Bistum Dresden–Meißen. Die Religionslehrerin vom St. Benno-Gymnasium wollte nach zehn befristeten Arbeitsverträgen in sieben Jahren eine unbefristete Anstellung.

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Von Denni Klein

Eine Dresdner Lehrerin verklagt ihren Arbeitgeber, das katholische Bistum Dresden–Meißen. Die Religionslehrerin vom St. Benno-Gymnasium wollte nach zehn befristeten Arbeitsverträgen in sieben Jahren eine unbefristete Anstellung. Daraufhin verlängerte das Bistum der Lehrerin ihren Vertrag Ende Juli nicht. Sie zog dann vor das Dresdner Arbeitsgericht, wo der Versuch einer gütlichen Einigung scheiterte. Jetzt klagt die Lehrerin gegen die Kirche.

„Ich will nichts weiter als eine ordentliche Festanstellung“, sagt sie. Die Lehrerin unterrichtete seit 2003 am St.-Benno-Gymnasium Englisch und katholische Religion. Weil katholische Religionslehrer auch bei staatlichen Schulen knapp sind, gab sie auch am Gymnasium Plauen Stunden.

Schule verteidigt Vorgehen

„Das geht nun auch nicht mehr, weil die dem Freistaat vom Bistum gestellten Lehrer eine Stammdienstschule bei der Kirche brauchen.“ So verlor die Lehrerin auch diese Stelle. Am Gymnasium Plauen wird in diesem Schuljahr nach Angaben der Bildungsagentur nur eine statt der vorgesehenen zwei Stunden katholischer Religionsunterricht in den oberen Klassenstufen gegeben.

Der Verwaltungsdirektor des St.Benno-Gymnasiums, Herbert Trümper, verteidigt das Vorgehen. „Wir haben viele junge Lehrerinnen, die auch schwanger werden und während der Elternzeit vertreten werden müssen. Die Lehrerin wurde mehrfach um Vertretungen gebeten und hat immer eingewilligt. Nun waren die Kolleginnen zurück, und wir haben sie nicht mehr gebraucht“, sagt Trümper. Er sehe darin kein falsches Vorgehen. Die Pädagogin weißt die Darstellung zurück. „Ich wurde von einer Vertretung in die nächste geschoben, bekam ständig einen neuen Vertrag und immer wurde ich mit meiner Frage nach einer unbefristeten Stelle auf die Zukunft vertröstet“, erzählt sie. „Ich möchte wieder eingestellt werden, und zwar unbefristet. Deshalb bin ich gezwungen zu klagen.“ Sie sieht gute Chancen, den Streit zu gewinnen.

Anwalt: Befristung erlaubt

Das Bistum Dresden-Meißen lehnte diese Forderung in der Güteverhandlung vor dem Arbeitsgericht im Oktober ab. Es bot 3500 Euro Abfindung für die sieben Jahre und ein wohlwollendes Arbeitszeugnis an. „Fachliche Kritik hat keinen Ausschlag gegeben“, sagt der Rechtsanwalt des Bistums, Marc Steffek. Allerdings gebe es für sie keine Stelle mehr. Das Bistum habe ihr eine befristete Teilzeit-Stelle in Freiberg und Chemnitz angeboten. „Aber die wollte die Lehrerin nicht haben. Deshalb können wir darüber hinaus nichts tun.“

Die Arbeitsrichterin beim Gütetermin nannte das Stellenangebot unzumutbar. Den Vorschlag der Lehrerin, mit der unbefristeten Stelle bis zum nächsten Schuljahr zu warten, lehnte die Kirche ab. „Mir geht es nicht um Geld, ich möchte meine Arbeit wieder haben, weil ich sie liebe.“ Sie sieht darin einen Präzedenzfall, denn die Kirche missbrauche aus ihrer Sicht die gesetzliche Befristungsregelung. Sie sei nicht das einzige Opfer des Job-Karussells der Kirche. „Das ist keine böse Methode der Kirche, sondern geltendes Recht. Wenn die Befristung begründet ist, kann sie unbeschränkt wiederholt werden“, sagt Bistumsanwalt Marc Steffek.