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Jobcenter zieht Schulwegbegleiter ab

Großharthaus Schulkinder müssen jetzt morgens den Weg an der B 6 allein laufen. Eltern fürchten um die Sicherheit.

© Regina Berger

Von Carolin Menz

Großharthauer Eltern hat lange nichts mehr so sehr aufgeregt wie das: Ein Schulwegbegleiter ihrer Kinder wurde abgezogen. Sie sorgen sich, fürchten um die Sicherheit ihrer Kinder auf dem Weg zwischen Schule und Hort nahe der viel befahrenen B 6. Bislang hatten die Kinder morgens und nach dem Unterricht zwei Schulwegbegleiter an ihrer Seite. Einer wurde vom zuständigen Jobcenter in Bautzen abgezogen – die morgendliche Begleitung vom Frühhort bis zur Schule ist gestrichen.

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Vor acht Jahren hatte sich die Gemeinde um Schulwegbegleiter bemüht. Auf dem Weg zwischen Kita „Bummi“ auf der Dresdener Straße mit Hort und Grundschule auf der Schulstraße gab es enorme Gefahrenstellen – keinen durchgehenden Fußweg und die Einmündung der B 6 auf die Straße der Einheit. Das Jobcenter Bautzen hat die Arbeit zweier Schulwegbegleiter im Rahmen von Arbeitsgelegenheiten mit Mehraufwandsentschädigung (MAE) – bekannt als Ein-Euro-Jobs – gefördert. Das Personal stellte die Kreisverkehrswacht. Bewilligt wurden die Jobs jeweils für ein halbes Jahr während der Schulzeit, besetzt mit wechselndem Personal.

Im Herbst wurden die damals zwei Großharthauer Schulwegbegleiter vom Jobcenter überprüft. Heraus kam, dass sie mehr taten, als erlaubt. Sie übernahmen auch die Aufsicht der Kinder im Hort – während sechs Stunden Arbeitszeit ergaben sich zwangsläufig Zeiten, in denen sie Kinder weder holen noch bringen. „Beide Teilnehmer wurden im gewissen Umfang nicht antrags- und bescheidkonform eingesetzt. Sie leisteten Arbeiten, die in einer MAE nicht zulässig sind“, so Kreissprecher Gernot Schweitzer. Offiziell waren sie für „verkehrserzieherische, spielerische Veranstaltungen und Maßnahmen“ eingesetzt. „Vor diesem Hintergrund haben wir den neuerlichen Antrag ab 1. März gewissenhaft geprüft und uns zugunsten der guten Sache für eine Teilnehmerreduzierung anstatt für eine gänzliche Ablehnung entschlossen“, so Schweitzer. Die Entscheidung gelte bis zum Beginn der Sommerferien. Danach müsse neu beantragt werden.

Eltern erfuhren vom Wegfall des Lotsen erst vor drei Wochen. Sie fühlen sich im Stich gelassen – von Träger und Gemeinde, wie sie auf Facebook und bei Anrufen bei der SZ kundtun. Die Volkssolidarität als Träger habe keinen Einfluss auf Bewilligung von Schulwegbegleitern, sagt die Ressortleiterin für Kitas, Marlies Eichler. Sie verweist auf geltende Betreuungsverträge. Danach hätten alle Eltern unterschrieben, für den Schulweg ihrer Kinder selbst verantwortlich zu sein. „Natürlich verstehe ich den Unmut. Doch Großharthau ist mit dem verbliebenen Schulwegbegleiter am Nachmittag noch immer in einer glücklichen Lage. In anderen Gemeinden müssen Kinder längere Wege alleine bewältigen“, sagt sie. Prinzipiell ohne Handhabe auch die Gemeinde. Gleichwohl kritisiert Bürgermeister Jens Krauße (SPD) das Vorgehen des Jobcenters. „Das hat hier doch pedantisch agiert“, sagte er auf Anfrage.

Auf Facebook melden sich betroffene Eltern zu Wort – gut 40 Kommentare schwanken zwischen Resignation und Aufbruch. Es gibt Ideen, wie der Weg am Morgen auch ohne Schulwegbegleiter abgesichert werden kann. Durch Eigeninitiative, Ehrenamtliche oder Schulförderverein etwa. Angeregt wird, das Schulhaus für Kinder morgens eher aufzuschließen. Doch Schulleiterin Regine Heitz kann die Mehrzeit für die Aufsicht mit vier Kollegen nicht leisten, sagt sie. Auch die Forderung, den Hort in die Grundschule zu integrieren, scheint nicht umsetzbar. Für Kita-Leiterin Ricarda Creutz und ihr Team jedenfalls würden es bedeuten, springen zu müssen zwischen den Kitas Großharthau, Seeligstadt und dem Hort. „Unmöglich“, sagt sie. Außerdem starteten gerade die Arbeiten für einen Hort-Anbau. Seit dem Wegfall des Frühlotsen ab 1. März begleitet vorerst eine Erzieherin die Kinder und übt mit ihnen den Schulweg. Für später.

Vorest gibt es eine Übergangslösung bis Schuljahresende. „Jemand begleitet die Kinder über die Gefahrenstelle Straße der Einheit“, sagt der Bürgermeister. Den übrigen Schulweg – mit heute durchgängigem Fußweg – absolvieren die Kinder allein. Außerdem sollen wieder zwei Schulwegbegleiter beantragt werden – weil es wieder mehr Kinder im Hort geben wird. Das Jobcenter wolle prüfen, so Jens Krauße.

Und so organisieren Eltern nach dem Wegfall des Lotsen ihren Morgen neu. Eine Mutti erzählt, dass sie ihre Frühschichten erst einmal abgeben konnte, um mit ihrer Tochter den Weg zu üben. Die Sorge freilich bliebe. Aus dem Frühhort werde sie das Mädchen aber nun abmelden. Nachmittags indes ist alles beim Alten. Ein Schulwegbegleiter holt Kinder zu unterschiedlichen Zeiten mittags ab, bringt sie zum Ganztagsangebote oder zum Bus. Gut 50 Kinder profitieren von der Hilfe.