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Jörg Bernig zieht Kandidatur zurück

Nach Protesten will der Schriftsteller nicht mehr Kulturamtschef von Radebeul werden. Er spricht von "Handlungsweisen aus dem Repertoire des Totalitären".

Die Wahl Jörg Bernigs zum Kulturamtschef von Radebeul hatte eine große Debatte ausgelöst.
Die Wahl Jörg Bernigs zum Kulturamtschef von Radebeul hatte eine große Debatte ausgelöst. © André Wirsig

In einem Schreiben an OB Bert Wendsche (parteilos) hat der Radebeuler Schriftsteller Jörg Bernig angekündigt, er werde nicht erneut für die Wahl zum Kulturamtsleiter der Stadt kandidieren. Das für den 15. Juni anberaumte zweite Votum war nötig geworden, weil Wendsche der Wahl Bernigs durch den Stadtrat Mitte Mai widersprochen hatte, "um Schaden von der Stadt abzuwenden". 

Zuvor hatte eine Initiative Radebeuler Kulturschaffender einen Offenen Brief verfasst, den inzwischen über 1.100 Menschen unterschrieben haben. Darin werfen sie Bernig rechte Ansichten und fremdenfeindliche Ressentiments vor. Damit stehe er „im Widerspruch zu all dem, … was die Radebeuler Kulturlandschaft seit Jahrzehnten prägt und auszeichnet“. Die Initiatoren befürchten, er könne „die freiheitliche Ausübung der Kunst und Kultur behindern oder einengen“. 

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Die Wahl des Radebeuler Kunstpreisträgers, der auch Mitglied der Sächsischen Akademie der Künste und des Schriftstellerverbandes PEN ist, hatte eine deutschlandweit beachtete Debatte ausgelöst. Zuletzt hatte sich auch Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer vermittelnd in einem Gespräch eingeschaltet.

In seinem Schreiben an Wendsche äußert Bernig dazu: „Unliebsames Denken und unbequeme Personen sollen verdrängt werden. Die dabei verwendeten Werkzeuge reichen von Unterstellung, Verheimlichung, Verdrehung bis zu Stigmatisierung. Es handelt sich um Handlungsweisen aus dem Repertoire des Totalitären." Eine solch „intolerante Praxis der Interessendurchsetzung", habe nicht nur in Radebeul Einzug gehalten, es gefährde immer offensichtlicher „die Demokratie in unserem Land". 

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Sich vor diesem Hintergrund für eine Wiederholung der ordnungsgemäß erfolgten Wahl noch einmal zur Verfügung zu stellen, so Bernig, „hieße jedoch, ideologische Handlungsweisen als Teil der Normalität anzuerkennen und zu rechtfertigen". Daher stehe er „für einen abermaligen Wahlvorgang ... nicht zur Verfügung". 

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