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Jonsdorfer Eisarena vor der Insolvenz?

Die Betreibergesellschaft steht kurz vor der Überschuldung. Der Gemeinderat hätte noch eingreifen können - tut es aber nicht. Was nun?

Die Jonsdorfer Sparkassen-Arena wird von der Kur- und Tourismus GmbH betrieben. Der droht die Insolvenz.
Die Jonsdorfer Sparkassen-Arena wird von der Kur- und Tourismus GmbH betrieben. Der droht die Insolvenz. © Matthias Weber/photoweber.de

Die Jonsdorfer Gemeinderäte hatten es in der Hand. Sie hätten die gemeindeeigene Kur- und Tourismus GmbH vor der drohenden Insolvenz retten können. Wenigstens vorläufig. Sie hätten auf ihrer jüngsten Sitzung nur der Beschlussvorlage Nummer 12/2020 zustimmen müssen. Ein Handzeichen also hätte genügt.

Aber die Jonsdorfer Gemeinderäte, die alle der freien Wählervereinigung angehören, haben es nicht gegeben. Sie haben es abgelehnt, den Gesellschafterzuschuss an den Tourismusbetrieb noch in diesem Jahr von 154.000 auf 200.000 Euro zu erhöhen.

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Mit den zusätzlichen 46.000 Euro hätte die GmbH, zu der neben der Sparkassen-Eisarena auch das Gebirgsbad, die Tourist-Information, die Waldbühne und der Kurpark gehören, die auflaufenden Kosten erst einmal wieder decken können - zumindest bis zum Jahresende.

Aber schon jetzt ist klar, dass im nächsten Jahr auch diese 200.000 Euro nicht reichen werden. "Ein Fass ohne Boden, in das die Gemeinde da Jahr für Jahr einzahlt", so bringt es Gemeinderat Klaus Richter auf den Punkt. Und Kämmerer Frank Müller muss ihm Recht geben: "In Zukunft wird es nicht möglich sein, den Finanzbedarf der GmbH zu decken. Das ist Fakt", sagt er.

Muss die Eisarena schließen?

Aber was nun? Muss die Sparkassen-Arena zum Jahresende schließen? "Vorerst nicht", versichert Geschäftsführer Maik Tempel. Der 49-Jährige wird den Rest des Sommers jetzt daran setzen, die drohende Insolvenz zu verhindern. Bis Ende Oktober will er ein Sanierungskonzept vorlegen, wie der Tourismusbetrieb bis zum Jahresende konsolidiert werden kann.

"Es wird ein harter Sparkurs werden", sagt Tempel. Als studierter Betriebswirt betrachtet er die Zahlen erst einmal ganz nüchtern und emotionslos. Er wird Vorschläge machen, wie gespart werden kann: So soll die Eissaison im Winterhalbjahr drei Wochen kürzer ausfallen. Die Eisfläche vorzuhalten, kostet immerhin rund 20.000 Euro im Monat. Ausrechnen wird der Geschäftsführer aber auch, was gespart werden kann, wenn eine der Einrichtungen vorübergehend schließen würde.

Am Ende muss Tempel den Aufsichtsrat und die Gemeinderäte überzeugen. Eine Lösung auf Dauer ist das alles aber nicht, weiß der Geschäftsführer. Zum Problem, den laufenden Betrieb der Tourismus GmbH zu finanzieren, kommt ja auch noch ein millionenschwerer Investitionsbedarf an der 25 Jahre alten Eishalle.

Wird eine neue Eishalle gebaut?

"Der beste Weg in die Zukunft wäre eine innovative Investition, mit der wieder eine bessere Einnahmesituation erreicht wird", sagt Tempel. Eine neue Eishalle mit weiteren ganzjährigen Nutzungsmöglichkeiten ist gedanklich schon geplant. Und auch mit dem Landkreis habe es dazu schon Gespräche gegeben, verrät der Geschäftsführer. Denn Jonsdorf allein wäre mit der Millioneninvestition völlig überfordert.

Der Landkreis soll jetzt auch helfen, den Jonsdorfer Tourismusbetrieb vor der Überschuldung zu retten. Statt einer Erhöhung des Gesellschafter-Zuschusses durch die Gemeinde lautet der Beschluss Nummer 12/2020 nämlich jetzt: Die Bürgermeisterin wird beauftragt, den Landkreis in dieser Angelegenheit um Unterstützung zu bitten. Kati Wenzel (Freie Wähler) will das nun auch schnellstmöglich tun. 

Parallel zum Konsolidierungsplan für die GmbH wird jetzt auch ein Nutzungs- und Sanierungskonzept für die Eishalle erarbeitet, das alle Vor- und Nachteile zwischen Neubau und Sanierung abwägen soll. 

Corona lässt Einnahmen einbrechen

Die prekäre Finanzsituation der Jonsdorfer Kur- und Tourismusgesellschaft ist vor allem der Corona-Krise geschuldet. So sind die Einnahmen im ersten Halbjahr 2020 im Vergleich zum Vorjahr drastisch eingebrochen. So hatte das Gebirgsbad 4.000 Besucher weniger als im gleichen Zeitraum 2019, die Eishalle 2.000 Besucher weniger.

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Die Halle muss dringend saniert werden. Ein eklatanter Baumangel lässt der Gemeinde keine Wahl. Trotzdem startet am Sonnabend wie gewohnt die Eissaison.

Die Einnahmen durch die Kurtaxe sind mit 27.000 Euro um mehr als ein Drittel gesunken. Zu den möglichen Konsolidierungsmaßnahmen gehört deswegen unter anderem auch, die Kurtaxe künftig von bisher 1,40 Euro pro Gast und Nacht auf bis zu zwei Euro zu erhöhen.

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