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Sie oder er? Jonsdorfer haben die Wahl

Am 1. September wird ein neuer Bürgermeister bestimmt. Zwei Kandidaten treten an. Wer von beiden auch immer gewählt wird, es soll sich einiges ändern. 

Kati Wenzel und Heiko Firle wollen Bürgermeister in Jonsdorf werden. Wer gewinnt, entscheidet sich am 1. September, gleichzeitig mit der Landtagswahl.
Kati Wenzel und Heiko Firle wollen Bürgermeister in Jonsdorf werden. Wer gewinnt, entscheidet sich am 1. September, gleichzeitig mit der Landtagswahl. © SZ-Archiv

Das letzte Mal hatten die Jonsdorfer 2005 die Wahl. Damals wollten drei Männer ins Gemeindeamt einziehen - gewählt wurde letztlich Horst Zimmermann. Als über dessen Nachfolger 2012 abgestimmt wurde, gab es mit Christoph Kunze nur einen einzigen Bewerber. Bei der jetzigen Wahl - der Kurort wählt am 1. September einen neuen Gemeindechef - gibt es wieder zwei Kandidaten.

Kati Wenzel, 37, tritt für die Freien Wähler an.
Kati Wenzel, 37, tritt für die Freien Wähler an. © Rafael Sampedro

Kati Wenzel könnte das gelingen, was vor ihr noch keine Jonsdorferin geschafft hat: Bürgermeisterin zu werden. Dass ihr der Ort am Herzen liegt, merkt man schnell. Es lässt sich hier sehr gut leben, ist so eine Aussage von ihr. Jonsdorf habe noch eine gute Infrastruktur, findet die 37-Jährige und beginnt aufzuzählen: Kinderkrippe, Kita, Grundschule, Bäcker und einen Einkaufsmarkt gibt es hier, jede Stunde fährt ein Bus nach Zittau und der Fleischer kommt regelmäßig durch den Ort. Davon können andere Orte in vergleichbarer Größe nur träumen. Nicht zu vergessen die touristischen Einrichtungen wie Eishalle, Schmetterlingshaus, Gebirgsbad und Waldbühne. 

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Damit es das alles auch in Zukunft gibt, muss sich nach Ansicht von Kati Wenzel etwas ändern. Sie will für diese Veränderung sorgen, sozusagen frischen Wind in die Gemeindepolitik bringen. Sie hatte sich deshalb bereits von den Freien Wählern für die Gemeinderatswahl aufstellen lassen. Zu den Ende Mai gewählten Räten gehörte sie zwar nicht, als erste Nachrückerin hätte sie aber gute Chancen gehabt, doch noch in den Gemeinderat einzuziehen. Nun werden die Karten aber neu gemischt. Die Gemeinderatswahl muss wegen eines Fehlers wiederholt werden, sie findet jetzt zeitgleich mit der Bürgermeisterwahl am 1. September statt.

Mit der Entscheidung, für den Gemeinderat zu kandidieren, entwickelte sich auch die Idee, sich für das Bürgermeisteramt zu bewerben. Denn nur als Gemeindechef gebe es wirklich die Möglichkeit, etwas zu bewegen, findet die Mutter eines dreijährigen Sohnes. Den letzten Anstoß habe die Einladung der Freien Wähler zur Aufstellung eines Bürgermeisterkandidaten gegeben. Sie habe ihren Mann angeschaut und gefragt, ob sie es wagen solle. Sie sollte. Und wurde von der Wählervereinigung aufgestellt. Dabei konnte sie für die bevorstehende Bürgermeisterwahl üben - denn auch Heiko Firle wollte der Kandidat der Freien Wähler werden, verlor die Abstimmung aber gegen Kati Wenzel.

So wie sie die Freien Wähler mit ihrer Kandidatur überrascht hat, so unerwartet kam es auch für Bekannte und Freunde. Eine Freundin meinte, dass es doch eine ehrenamtliche Aufgabe sei, die nur Rentner machen könnten. Auf die Rückfrage von Kati Wenzel nach dem Warum, konnte sie keinen Grund erklären. Auch ihr Chef - die gelernte Bankkauffrau ist seit 15 Jahren bei einem Zittauer Finanzdienstleister tätig - schmunzelte anfangs über die Idee, dass sie Bürgermeisterin werden will. Doch mittlerweile sieht er, dass es die 37-Jährige ernst meint. Kati Wenzel bereitete ihrem Chef bereits darauf vor, dass sie, sollte sie gewählt werden, ihren Job bei dem Finanzdienstleister am 1. Dezember aufgibt. "Auch wenn es nur ehrenamtlich ist, kann ich kein Bürgermeister nebenbei sein", steht für Kati Wenzel fest. Da gehöre viel Herzblut und Engagement dazu.

Beides hat sie in den vergangenen Jahren schon im Jonsdorfer Traditionsverein unter Beweis gestellt. Als sie vor drei Jahren in den Gebirgsort zog und damals als frischgebackene Mutter in Elternzeit war, sei sie direkt ins Dorfleben "reingefallen", erzählt Kati Wenzel. "Als jungen Menschen fallen einem viele Dinge auf, die besser sein könnten", sagt sie. Als ein Beispiel nennt sie die Spielplätze, die überholt werden müssten. Eine Frischekur braucht ihrer Meinung nach auch dringend die Internetseite der Gemeinde. Aktuelle Infos sind für sie und ihren Mann auch als Ferienhaus-Betreiber wichtig. Seit einem Jahr empfangen sie Urlauber bei sich. 

Auch aus diesem Grund ist das Thema Tourismus eines, auf das Kati Wenzel immer wieder zu sprechen kommt. Ihr schwebt Jonsdorf als trinationaler Tourismusstandort vor. Denn ohne tschechische Gäste würde es viele Einrichtungen im Ort gar nicht mehr geben, meint die 37-Jährige. Auch die Kurtaxe sollte nach ihren Vorstellungen nicht mehr von den Hotel- und Pensionsbetreibern kassiert werden, sondern zentral im Ort. Überhaupt müssen die guten Arbeitsbedingungen in der Gastronomie gehalten werden, um auch künftig eine Vielfalt bieten zu können. Selbst das nicht ganz einfache Thema Waldbühne spricht sie im Wahlkampf an. Ihre Forderung: Alle Vertragsparteien sollten an einen Tisch zusammenkommen und konstruktive Lösungen finden zu Fragen wie Modernisierungsmaßnahmen und Finanzierung, zukunftsorientiertes Nutzungskonzept, Parkplatzsituation oder Wegbeleuchtung. In Sachen Parkplätze hat sie schon einen praktischen Vorschlag: Vom großen Parkplatz am Ortseingang könnte ein Shuttle-Bus die Besucher zur Waldbühne bringen. Auch temporäre Parkflächen an den Vorstellungstagen hält sie für denkbar.

Jonsdorf ist, meint Kati Wenzel, an einem Punkt, wo es definitiv anders, moderner werde. Dabei will sie auf jeden Fall die Bürger stärker mit einbinden. Und ihnen auch mehr Möglichkeiten geben, mit der Bürgermeisterin zu sprechen.

Heiko Firle, 48, geht als Einzelkandidat ins Rennen.
Heiko Firle, 48, geht als Einzelkandidat ins Rennen. © Rafael Sampedro

Auch für Heiko Firle, den zweiten Kandidaten bei der Jonsdorfer Bürgermeisterwahl, ist die Kommunikation mit den Einwohnern wichtig. "Ein Bürgermeister, der sich nicht die Zeit nimmt, mit den Leuten ins Gespräch zu kommen, ist das Schlimmste", meint der 48-Jährige. Firle verspricht, immer ein offenes Ohr zu haben, wenn die Jonsdorfer Probleme haben. Schon jetzt verfolge er das Geschehen in dem Gebirgsort. Der Bundespolizist ist bisher nicht in Jonsdorf zu Hause, er wohnt seit über 20 Jahren in Zittau.

Dass er kein Einheimischer ist, sieht Firle nicht als Problem. Er sei in Jonsdorf nicht so unbekannt. Seit Jahren ist er Vorsitzender des Interessenverbandes der Zittauer Schmalspurbahnen. In dieser Funktion habe er auch Kontakt mit Jonsdorfer Gastronomen, sagt Firle. Darüber hinaus ist er in weiteren Vereinen wie dem Traditionsverein und dem Polizeisportverein (PSV) aktiv. Außerdem gehören ihm zwei Häuser im Ort. Eines davon Auf der Heide 39, in dem viele Jahre die Gaststätte "Buffet" betrieben wurde und in dem sich jetzt ein Eckladen befindet.

So sind ihm auch die Probleme in Jonsdorf bewusst geworden. Immer bloß meckern, bringe aber nichts, steht für ihn fest. Deshalb trägt er sich seit vorigem Jahr mit dem Gedanken, Bürgermeister zu werden. Diese Aufgabe sei von Jonsdorfern an ihn herangetragen worden. Eigentlich wollte er als Kandidat der Freien Wähler antreten, unterlag bei der Nominierung aber Kati Wenzel. Nach der Entscheidung habe man ihm sofort empfohlen, als Einzelkandidat anzutreten. Dafür brauchte er Unterstützer, die im Gemeindeamt für ihn unterschreiben. Innerhalb von acht Tagen hatte er die notwendigen Unterschriften zusammen und ist nun der zweite Bewerber für das Jonsdorfer Bürgermeisteramt.

Heiko Firle hat Wahlerfahrung. Von 2009 bis 2014 saß er für die Freien Bürger Zittau (FBZ) im Zittauer Stadtrat. 2014 und 2019 trat er erneut an, schaffte aber nicht den Sprung ins Stadtparlament. Bei der jüngsten Kommunalwahl erhielt er 362 Stimmen und ist der erste Nachrücker der Freien Bürger. Er könnte damit theoretisch gleichzeitig Bürgermeister in Jonsdorf und Stadtrat in Zittau sein. Aber nur theoretisch. Denn praktisch schließt das Heiko Firle für sich aus. Wenn er zum Bürgermeister gewählt werde, will er sich auf dieses Amt konzentrieren. Um sich für Jonsdorf richtig einsetzen zu können, will er im Falle seiner Wahl beruflich kürzer treten. Die Bundespolizei biete ihren Mitarbeitern die Möglichkeit, die Arbeitszeit zu reduzieren, erklärt Firle.

Sein Versprechen: Er möchte Jonsdorf voranbringen. Wichtig ist dem 48-Jährigen vor allem der Erhalt der Grundschule. "Mit der Schule steht und fällt das Gemeindeleben", findet er. Auch der Hort, die Kita, das in seinen Augen wunderbare Gebirgsbad, die Eishalle und das Schmetterlingshaus müssen erhalten werden. Wenn die Möglichkeit besteht, sollten für die Eishalle mehr Veranstaltungen "ans Land gezogen" werden, so seine Vorstellung. Die Gewerbetreibenden will er als Gemeindechef unterstützen - die Friseurgeschäfte eben so wie die Hotels und Pensionen, die die Urlauber und das Geld nach Jonsdorf bringen. "Die Kurtaxe soll im Ort bleiben, dort wo sie eingenommen wird", fordert der 48-Jährige. Als gelernter Bäcker kennt er das Handwerk, arbeitete einige Zeit in einer Dresdner Privatbäckerei. Nach der politischen Umstrukturierung, wie es Firle nennt, war er kurzzeitig Lkw-Fahrer, um sich 1992 zum Bundespolizisten fortzubilden.

Wichtig für den Tourismus in Jonsdorf ist auch das Prädikat Luftkurort, für dessen Erhalt alles getan werden müsse, so Firle. Einsetzen will er sich ebenso für die Feuerwehr, die immer gut ausgerüstet sein müsse, für den weiteren Ausbau der Straßen, der mit den Anwohnern und Gewerbetreibenden gut abgestimmt sein sollte, für eine bessere Darstellung von Jonsdorf im Internet, und für eine Umstellung der Straßenbeleuchtung auf LED-Technik. Das geht nicht ohne Fördermittel, ist er sich bewusst. Als Vereinschef habe er einige Erfahrung beim Beantragen von Fördermitteln.

Dass es die Verwaltungsgemeinschaft mit Olbersdorf gibt, findet er sinnvoll. Allerdings muss Jonsdorf bestimmte Entscheidungen eigenständig fällen können, meint Heiko Firle. Er habe den Eindruck, dass der Ort von Olbersdorf gesteuert wird.

Die Bürgersprechstunden will er verlängern. So soll auch denjenigen, die arbeiten gehen, die Möglichkeit gegeben werden, sie zu nutzen. Und dass er irgendwann nach Jonsdorf umzieht, will er nicht ausschließen.

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