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Was ein Nationalspieler beim Abstiegskandidaten will

Josef Husbauer wird in Prag aussortiert. Mit Dynamo spielt er nicht Champions League, sondern gegen den Abstieg aus Liga zwei. Warum macht er das?

Josef Husbauer ist seit Dienstag im Dynamo-Mannschaftsquartier und kann dort auch die Aussicht genießen.
Josef Husbauer ist seit Dienstag im Dynamo-Mannschaftsquartier und kann dort auch die Aussicht genießen. © Foto: Lutz Hentschel

Bei seinem ersten Einsatz für Dynamo sitzt seine Vergangenheit nur wenige Meter neben dem Spielfeld auf dem Rasen. Zehn Profis und Verantwortliche von Slavia Prag, die sich ebenfalls in Andalusien auf die Rückrunde vorbereiten, schauen sich den Dresdner 1:0-Sieg gegen Dinamo Bukarest an. Aber eigentlich wollen sie noch einmal ihren Freund Josef Husbauer sehen und sich von ihm verabschieden. Vier Jahre war er bei Slavia,  es war eine erfolgreiche Zeit - für beide Seiten. 

Im Internet findet man ein Video, zusammengeschnitten aus Bildern, die Husbauers Kinder im Slavia-Trikot zeigen und dann den Papa als erfolgreichen Spieler. Unterlegt ist der Film mit der tschechischen Version eines Liedes aus dem Western-Klassiker "Spiel mir das Lied vom Tod." Es klingt traurig,  es klingt wehmütig.  

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Das Video, erzählt Husbauer in seinem ersten Interview nach seinem Wechsel zu Dynamo, habe sein Vater gemacht.  Empfinden aber wird der Sohn ähnlich. Der Stachel sitzt tief bei Husbauer, das kann man raushören, selbst wenn man ihn nicht versteht. Beim Gespräch mit den Journalisten sitzt sein Landsmann Filip Trojan, ein ehemaliger Spieler bei Dynamo und nun Juniorentrainer beim Kooperationsverein FK Usti nad Labem, neben ihn, um zu übersetzen. "Es ist natürlich nicht angenehm", sagt Husbauer über seinen Zwangsabschied in Prag. "Es waren vier tolle Jahre mit zwei Meisterschaften und zwei Pokalsiegen." 

In dieser Winterpause hat Slavia 16 Punkte Vorsprung auf die Verfolger, die eigentlich keine sind, und ist nach dem Aus in der Champions League sowie dem nationalen Pokal  nur noch in der Meisterschaft vertreten. "Der Trainer hat deshalb entschieden, im nächsten halben Jahr die jüngeren Profis spielen zu lassen und den älteren gesagt, dass es besser wäre, wenn sie sich einen anderen Verein suchen", erzählt Husbauer, der 29 ist. Welchen Einfluss dabei die chinesischen Eigentümer des Klubs haben, bleibt unklar. 

Husbauer ist das wahrscheinlich auch egal, er musste sich einen neuen Verein suchen.  "Es gab noch einige andere Klubs, aber Dresden war am attraktivsten", sagt er. Levski Sofia war wohl mit in der engeren Wahl,  doch er entschied sich für Dynamo. Warum? Die Antwort, die er gibt, hört man bei jeder Neuverpflichtung, und sie lässt sich mit drei Worten zusammenfassen: Stadt, Fans, Stadion.  "Außerdem liegt es in der Nähe von Prag", ergänzt er. Das dürfte eine entscheidende Rolle gespielt haben. Seine Frau und seine beiden Jungs, zwei und fünf Jahre jung, bleiben in Prag, er zieht nach Dresden, wird seine  Familie so oft es geht besuchen. 

Und da ist der finanzielle Aspekt. Laut der Internetseite Idnes.cz zahlt Dynamo für die halbjährige Ausleihe eine Gebühr von 13 Millionen Kronen, das sind umgerechnet 515.300 Euro, an Slavia. Die Schwarz-Gelben sicherten sich zudem eine Kaufoption, aber wohl nur für den Fall des Klassenerhaltes. Dass Husbauer in der 3. Liga aufläuft, ist unwahrscheinlich. In dieser Saison war er bei Slavia Stammspieler, trug teilweise die Kapitänsbinde, stand in der Champions League gegen den FC Barcelona, Inter Mailand und Borussia Dortmund auf dem Platz. Nun muss er nach Wiesbaden und Sandhausen. Das klingt nicht nur nach einem Abstieg. 

Bei seinem ersten Interview im Dynamo-Trikot übersetzte Ex-Dynamo Filip Trojan (l.) die Fragen und Antworten für seinen Landsmann Josef Husbauer. 
Bei seinem ersten Interview im Dynamo-Trikot übersetzte Ex-Dynamo Filip Trojan (l.) die Fragen und Antworten für seinen Landsmann Josef Husbauer.  © Foto: Lutz Hentschel

"Ich kenne die zweite deutsche Liga nicht wirklich, weiß aber, dass dort Mannschaften mitspielen, die vor kurzem noch in der Bundesliga waren", erklärt er. "Die Qualität ist bestimmt hoch. Umstellen muss ich mich da nicht groß, vielleicht ein bisschen defensiver spielen", glaubt er. Bei Slavia trug er das Trikot mit der Nummer zehn, die in der Regel den Spielmachern vorbehalten ist. Und da sieht er auch seine Kernkompetenz. "Ich mag es, wenn ich den Ball habe, ihn dann verteilen und alles kontrollieren kann", sagt er. Bei Dynamo war die Zehn schon an Marco Terrazzino vergeben, Husbauer bekam die Acht.

Seine Nationalmannschaftskarriere sieht er durch den Wechsel in die zweite Liga nicht gefährdet. Er habe sich mit Auswahltrainer Jaroslav Silhavy unterhalten. "Er sagte mir, das sei überhaupt kein Problem. Wenn ich spiele und alles gut läuft, habe ich die Chance, nominiert zu werden." Tschechien hat sich für die EM-Endrunde in diesem Sommer qualifiziert. Für Husbauer wäre es ein Höhepunkt seiner Karriere, die ihn bisher nur einmal ins Ausland geführt hat. 2015 war er für ein halbes Jahr bei Cagliari Calcio unter Vertrag, die Italiener zahlten damals eine Million Euro als Leihgebühr.

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In Dresden wartet erst mal andere Aufgabe auf ihn, eine ganz andere. "Ich würde gerne helfen, den Klassenerhalt zu schaffen", sagt er. "Ich war schon bei zwei Vereinen, die in einer ähnlichen Situation steckten. Deshalb weiß ich, worauf es jetzt ankommt." Ralf Minge ist jedenfalls überzeugt, dass er in dieser so verzwickten Lage helfen kann. "Er ist ein echter Anpacker auf dem Platz, der über eine hohe Spielintelligenz verfügt – sowohl mit als auch gegen den Ball", findet der Sportdirektor.

Bei seinem ersten Einsatz für Dynamo konnte man das zumindest ansatzweise sehen. Seine Freunde von Slavia freuten sich aber vor allem über den Plausch und die Umarmungen nach dem Schlusspfiff. Es wirkte ein wenig wehmütig.

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