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Jubelfeier für die Wettiner

Ein 800-jähriges Regierungsjubiläum kann keine andere deutsche Dynastie vorweisen. In Dresden wurde dies vor 125 Jahren fünf Tage lang gefeiert.

© Sammlung Naumann

Von Monika Dänhardt

Das ist doch mal ein Lob auf einen Landesherrn: „… Doch sei’s der späten Nachwelt auch verkündet, wie liebend schlug für Johann jedes Herz. Sein Antlitz, klar und mild wie Dante’s Züge … Symbol der Wahrheit, Feind dem Trug, der Lüge …“ Das Gedicht galt König Johann (1801–1873), der von 1854 bis zu seinem Tod Sachsen regierte. Ein kluger Mann, der Kunst sehr aufgeschlossen. Unter seiner Führung blühte Sachsen richtig auf. Er war ein Förderer des Schul- und Hochschulwesens, wollte allseitig gebildete Untertanen. Und seine Übersetzung von Dantes „Göttlicher Komödie“ gilt heute noch. So ist Johann von Sachsen nicht der schlechteste Repräsentant der Wettiner. Deshalb sollte er in Dresden auch ein Denkmal bekommen. Geplant wurde dies 1880 – enthüllt werden konnte die Arbeit von Johannes Schilling allerdings erst neun Jahre später, im Juni 1889. Und zwar auf dem Theaterplatz, wo die bronzene Reiterstatue heute noch zu besichtigen ist.

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Festumzug mit über 60 Wagen

Die Verzögerung hatte einen Vorteil. König Albert (1828–1902), Sohn und Nachfolger von König Johann, konnte die Enthüllung zum Höhepunkt der Festlichkeiten erklären, mit denen die Dresdner das 800-jährige Regierungsjubiläum der Wettiner feierte. Angefangen hatte die Wettiner Herrschaft, als 1089 Kaiser Heinrich IV. Markgraf Heinrich von Eilenburg mit der Mark Meißen belehnt. So ein Jubiläum war keiner anderen deutschen Dynastie vergönnt. Drei Millionen Mark bewilligte der Landtag für die Jubelfeier, die fünf Tage – vom 15. bis 19. Juni – dauerte. Die Taler gingen für das pompöse Fest drauf. Das Land investierte in diesem Zusammenhang weitere drei Millionen in die Restaurierung von Residenzschloss und Taschenbergpalais, die sich allerdings bis 1901 hinzog.

Gefeiert wurde richtig. Die Dresdner und ihre Gäste konnten ein „Armeefest“ mit Parade und Reiterspielen erleben. Dafür war extra eine Arena aufgebaut worden. Außerdem zog am 19. Juni ein großer Festumzug durch Dresdens Innenstadt. Die Chroniken berichten von über 60 farbenfroh gestalteten Wagen, 840 Reitern und 12 000 Fußgängern in unterschiedlichsten Kostümen.

Um diesen Festumzug hatte es im Vorfeld allerdings ein bisschen Ärger gegeben. Ursprünglich wollte der Hof den Festumzug gestalten, das Volk sollte dem Adel vom Straßenrand aus zujubeln. Das gefiel den Bürgern gar nicht. Schließlich lebte man nicht mehr zur Zeit August des Starken, in der fürstliche Triumphveranstaltungen üblich waren. Diesmal wollte auch der Bürger mitmischen – und zwar gleichberechtigt. So waren im Festumzug dann auch alle Stände und Berufe vertreten.

Natürlich empfingen König Albert und seine Frau Carola anlässlich des Jubiläums viele Gäste. Nach Dresden reisten in diesen Tagen Könige ebenso wie regierende Fürsten. Prinz Johann Georg, Bruder von Friedrich August von Sachsen, berichtete: „Zum Haupttag, dem 18., war auch der Kaiser anwesend … Am 19. fuhren wir von der Familie in mehreren Wagen durch die glänzend geschmückten Straßen. Der Jubel der Bevölkerung war herzerhebend und ergreifend. Alle meinten, eine solche Begeisterung habe man noch in keiner Stadt gesehen. Die Fahrt endete an der Tribüne auf dem Jüdenhof (kleiner Platz im Westen des Neumarkts, d. R.), wo wir den wundervollen Festumzug ansahen. Der Glanzpunkt desselben war der Tournierzug, der vom sächsischen Adel gebildet worden war. Am Abend gab die Stadt auf der Terrasse ein Fest mit Illumination und Feuerwerk.“ Unter den Glückwunschschreiben an Albert war ein Brief des Reichkanzlers, Fürst Bismark: „… Die Theilnahme des deutschen Volkes an dem Fest des durchlauchtigsten Wettiner Hauses zeigt, wie allgemein das Gefühl der Dankbarkeit im Reich lebt, für alles, was Eure Majestät in Krieg und Frieden zur Herstellung und Befestigung unsere nationalen Einheit gethan haben …“

1918 war alles zu Ende

König Albert hatte die Einordnung Sachsens in das von Preußen geführte deutsche Reich erfolgreich fortgesetzt. Er war ein Politiker, dem der Frieden sehr wichtig war. Für sein Volk hatte er eine soziale Ader. Er reformierte das Steuerwesen umfassend und setzte sich für die Verbesserung der Armenpflege ein. Hierbei unterstützte ihn stark seine Frau Carola, die 1867 den nach ihrem Mann benannten Albertverein gründete, der sich der freiwilligen Krankenpflege widmete. Auch für die Bildung seiner Untertanen tat Albert einiges. Im Jahre 1879 weihte er den Neubau der Fürstenschule Sankt Afra in Meißen ein, 1891 den der Fürstenschule St. Augustin in Grimma.

Die Ehe von Albert und Carola blieb kinderlos. Nach Alberts Tod 1902 wurde sein Bruder Georg neuer sächsischer König. Er gab den Thron aber schon 1904 wieder ab. Der letzte sächsische König, Friedrich August III., dankte am 13. November 1918 ab. Damit war nicht einmal 20 Jahre nach der großen Jubelfeier die Herrschaft der Wettiner in Sachsen beendet.