merken
PLUS

Jubiläum beim Pfannkuchen-Bäcker

Die Bäckerei Simon in der Görlitzer Bismarckstraße besteht am Sonntag seit 50 Jahren. Doch auch davor gab es hier schon Bäcker.

© nikolaischmidt.de

Von Ingo Kramer

Görlitz. Die Bismarckstraße 30 ohne Bäckerei? Für Robert Simon undenkbar. „Das Haus hat in den 1880er Jahren ein Bäckermeister gebaut und seither besteht die Tradition durchgängig“, sagt der 44-Jährige, der hier seit 1. März Chef ist. Er hat die Bäckerei von seinem Vater Peter Simon übernommen, der im Februar mit 74 Jahren verstorben war. Und er kennt die Geschichte: Dass die Backstube zunächst im Keller untergebracht war, bevor das Haus in den 1920er Jahren einen hofseitigen Anbau erhielt, in den die Backstube umzog.

Anzeige
Unschlagbare Schnäppchen bei NORMA
Unschlagbare Schnäppchen bei NORMA

Ab dem 18. Januar gibt es bei NORMA wieder zahlreiche Rabattaktionen. Hier finden Sie die besten Angebote und Aktionsprodukte aus dem aktuellen Prospekt.

Das Bild zeigt, dass die Bäckerei früher links zu finden war.
Das Bild zeigt, dass die Bäckerei früher links zu finden war. © privat

Das war im linken Teil des Hauses. Dort befand sich über viele Jahrzehnte auch der Bäckereiladen. Die Inhaber wechselten immer wieder, mal war es die Dresdner Feinbäckerei und Konditorei, dann ein Bäckermeister Menzel, etwa ab 1958 ein Bäckermeister Günzel und ab 1. April 1968 Peter Simon. Mit gerade einmal 24 Jahren übernahm er den Betrieb von seinem früheren Chef Günzel. Rechts hingegen gab es einst, das beweist auch das undatierte Foto oben, einen Zigarrenladen und die Elektrohandlung Alfred Scholz. Nach der Wende veränderte sich alles. „Wir haben 1993 auf der rechten Gebäudeseite einen weiteren Anbau im Hof errichtet“, sagt Robert Simon. In diesen Neubau zog die Backstube. Auch der Laden wanderte nach rechts, nimmt seither sowohl den Zigarren- als auch den Elektroladen ein. In der früheren Bäckerei hingegen betreibt Ali Sevtekin seit mittlerweile 17 Jahren seinen „Alis Imbiss“.

Doch Simons haben nicht nur den Umzug erlebt, sondern auch enorme Schwankungen in der Nachfrage. „Vor der Wende ging alles weg“, erinnert sich Roberts Mutter Ingeborg Simon: „Da kamen Betriebe, Schulen und Kindergärten mit Wäschekörben.“ Manche kauften 150 Semmeln – so viele, wie in einen Backofen passten. Das Schild „Brot und Brötchen ausverkauft“ musste sonnabends oft schon um 9 Uhr rausgehangen werden: „Wir konnten gar nicht so schnell backen, wie die Ware verkauft wurde.“ Bekannt war die Bäckerei Simon schon damals für ihre glasierten Pfannkuchen und, in der Weihnachtszeit, die Schlesischen Mohnlängen – beides nach eigenen Rezepten von Peter Simon.

Auch nach der Wende brummte das Geschäft. Simon beschäftigte etwa 20 Angestellte, jeweils zur Hälfte Bäcker und Verkäuferinnen. Jetzt gab es sogar für ein paar Jahre zwei Filialen in Weinhübel und Rauschwalde. Doch die guten Zeiten hielten nicht ewig, immer mehr Ketten eröffneten im Umfeld ihre Backshops, in denen die Ware nur angeliefert wird, mit deren Preisen angestammte Bäcker aber oft nicht mithalten können. Das merken auch die Simons. Heute sind sie nur noch zu dritt, als reiner Familienbetrieb. Robert Simon steht seit dem Tod des Vaters allein in der Backstube, seine Frau Ivonne und – auf Minijobbasis – auch Mutter Ingeborg im Laden. „Wir schauen jetzt, wie es sich einspielt“, sagt Robert Simon. Sollte es gut laufen, würde er gern einen Bäcker einstellen.

Er selbst konnte sich nie eine andere Arbeit vorstellen, ist quasi mit der elterlichen Bäckerei aufgewachsen: „Ich fand es schon als Kind toll, mit frischen Semmeln in die Schule gehen zu können.“ Darum haben ihn die anderen Kinder beneidet. In der neunten und zehnten Klasse musste er sich keine Gedanken um die Berufswahl machen – und nach der zehnten Klasse ging er beim Vater in die Lehre, von 1990 bis 1993. Abgesehen von der Armeezeit blieb er dem Familienbetrieb auch danach immer treu, Vater und Sohn bereiteten die Übernahme langfristig vor. Einen Meisterabschluss machte der Junior nie, bäckt jetzt stattdessen auf Altgesellenbasis – und zwar am Liebsten Brot. „Ich habe alle Rezepte vom Vater übernommen“, sagt er. So ist das Brot eben noch ein richtiges Sauerteigbrot, kein Fertigsauerteig. „Dafür kommen auch heute noch Kunden extra aus Rauschwalde oder vom Dorf in die Bismarckstraße“, freut sich der neue Chef. Am Sortiment soll sich unter seiner Regie nichts ändern. Nur eine Neuerung gibt es: Der Montag ist jetzt wieder Ruhetag – wie in seiner Kindheit. Alle anderen Öffnungszeiten von Dienstag bis Sonnabend bleiben unverändert. Vom Jubiläum „50 Jahre Bäckerei Simon“ sollen die Kunden auch etwas haben. Weil es auf den Ostersonntag fällt, bekommt am Dienstag jeder Kunde eine Überraschung, so lange der Vorrat reicht. Wie die aussieht, wird im Vorfeld nicht verraten: „Sonst wäre es ja keine Überraschung mehr.“