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Jugendämter holen seltener Kinder aus Familien

Ist das Kindeswohl gefährdet, schreiten Behörden ein. 2018 gab es in Sachsen 3.300 Fälle. Die Gründe sind vielfältig.

Die Jugendämter entdeckten sachsenweit 100 mehr Fälle mit Anzeichen für körperliche oder psychische Misshandlung.
Die Jugendämter entdeckten sachsenweit 100 mehr Fälle mit Anzeichen für körperliche oder psychische Misshandlung. © dpa

Dresden. Dass Behörden Kinder von ihren Familien trennen, passiert nur im äußersten Notfall. Dann nämlich, wenn die psychische oder körperliche Unversehrtheit des Kindes in Gefahr ist. Im vergangenen Jahr nahmen die sächsischen Jugendämter insgesamt 3.301 Kinder und Jugendliche in staatliche Obhut. Im Vergleich zu 2017 sind das 554 Fälle weniger, ein Rückgang um rund 15 Prozent.

Auch die Zahl der minderjährigen Migranten, die ohne Erziehungsberechtigte nach Sachsen eingereist sind, ist gesunken – von 342 Fällen im Jahr 2017 auf 201 sogenannte „nachrichtlich vorläufige Inobhutnahmen“ im Jahr 2018. Das geht aus der Antwort des sächsischen Sozialministeriums auf eine Kleine Anfrage der Landtagsabgeordneten Janina Pfau (Die Linke) hervor. Allerdings spielen unbegleitete minderjährige Ausländer auch in die Gesamtstatistik hinein. Diese werden nämlich in der Regel zwei Mal in Obhut genommen: Nach ihrer Einreise vorläufig und anschließend im Rahmen der Unterbringung. Letzteres kam 2017 in Sachsen 1.076 Mal vor, 2018 nur noch 382 Mal.

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In Dresden gab es 2017 sachsenweit die meisten Inobhutnahmen (869). Dies lag fast ausschließlich an der hohen Zahl von Fällen, in die minderjährige Ausländer involviert waren. Bereinigt man die Vergleichsdaten der Landeshauptstadt um diese Fälle, so wurden in beiden Jahren fast gleich viele Kinder aus ihren Familien genommen. Lediglich in Leipzig und Zwickau griffen die Jugendämter 2018 öfter ein, am seltensten sah sich die Verwaltung in Mittelsachsen und im Leipziger Umland zu der drastischen Maßnahme gezwungen.

Besonders auffällig ist , dass die Zahl der Fälle, in denen Drogen und Misshandlungen der Grund für die Inobhutnahme von Kindern waren, drastisch gestiegen ist. 2017 wurden insgesamt 130 Kinder und Jugendliche wegen Suchtproblemen aus ihren Elternhäusern in staatliche Betreuung gebracht. 2018 hat sich diese Zahl mehr als verdoppelt (280).

Die Jugendämter entdeckten sachsenweit 100 mehr Fälle mit Anzeichen für körperliche oder psychische Misshandlung. Immer öfter spielen Wohnungsprobleme eine Rolle. Darunter werden vor allem solche Situationen verstanden, in denen Kindern zu wenig Wohnraum zur Verfügung steht, die Eltern obdachlos sind oder für die Gesundheit der Kinder nicht gesorgt ist.

Auch dies ist ein Problem der Großstädte, wo sich die Inobhutnahmen aus Wohnungsgründen 2018 fast verdoppelt haben. Im restlichen Sachsen konnte währenddessen ein Rückgang um rund 35 Prozent verzeichnet werden. Sexueller Missbrauch ist indes weiterhin der seltenste Grund für Inobhutnahmen in Sachsen.

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