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Jugendamt will drei Millionen Euro einsparen

Jedes Jahr steigen im Landkreis die Kosten für die Jugendhilfe. Doch günstiger geht es nur mit mehr Personal.

Von Madeleine Siegl-Mickisch

Die Jugendhilfe wird immer teurer, die Kosten steigen und steigen. Erst Ende September musste der Kreisausschuss über 3,4 Millionen Euro Mehrausgaben für dieses Jahr entscheiden.

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Woran liegt es, dass die Ausgaben für die Jugendhilfe ständig steigen?

„Die Fälle, um die sich die Jugendhilfe kümmern muss, werden immer komplexer“, begründet Jugendamtsleiter Hans-Jürgen Klein, warum sein Amt immer mehr Geld ausgeben muss. Das sei nicht nur im Landkreis Bautzen so, sondern ein bundesweiter Trend. Untersuchungen würden zeigen, dass die Ausgaben jährlich um durchschnittlich zehn Prozent steigen – und das, obwohl insgesamt weniger Kinder geboren werden. Klein verweist darauf, dass es immer mehr Kinder und Jugendliche mit psychischen Störungen und weiteren Defiziten gibt. Damit sie im Schulalltag mitkommen, werden zum Beispiel immer öfter Schulbegleiter eingesetzt, die sich zum Teil nur um ein einzelnes Kind kümmern. Besondere Sorge bereitet die zunehmende Zahl von jungen Erwachsenen, die drogenabhängig sind und Kinder bekommen – und damit überfordert sind. Da ist quasi vorprogrammiert, dass Hilfe nötig wird.

Was will der Landkreis gegen den Kostenanstieg tun?

Bereits Ende 2011 wurde ein Beratungsunternehmen beauftragt, sich die Arbeit des Jugendamtes näher anzusehen. „Wir wollten herausfinden, wo es Ansätze gibt, etwas zu verändern“, sagt Sozialdezernentin Birgit Hofmann. Ausgangspunkt waren die steigenden Kosten bei den Hilfen zur Erziehung. Die sollen dort wirken, wo Eltern mit der Erziehung ihrer Kinder überfordert sind. Dazu zählen Betreuer, die stundenweise in die Familien kommen, aber ebenso die Heimunterbringung, wenn gar nichts anderes mehr geht. „Wir haben aber schnell festgestellt, dass wir uns nicht auf diesen Bereich beschränken dürfen, sondern das gesamte Jugendamt betrachten müssen“, sagt Hofmann.

Was ist bei der Untersuchung herausgekommen?

Die Untersuchung war langwierig. Allein 16 Wochen lang mussten die rund 120 Jugendamtsmitarbeiter erfassen, wie viel Zeit sie für jede Aufgabe brauchen. Mancher sei wegen des zusätzlichen Aufwandes zunächst skeptisch gewesen, räumt Amtsleiter Klein ein. Die Auswertung ergab Überraschendes: Demnach müssten fünf Stellen mehr besetzt werden, um alle Arbeiten ordentlich erledigen zu können. Dennoch: Langfristig, also etwa 2016/17, könnte das Jugendamt knapp drei Millionen Euro einsparen, sagt Thomas Seitz vom beauftragten Unternehmen Rödl & Partner. „Das ist ein ehrgeiziges, aber machbares Ziel.“ Um das zu erreichen, wären allerdings weitere fünf zusätzliche Stellen nötig.

Wie will man zehn zusätzliche Stellen besetzen und trotzdem einsparen?

Künftig sollen die Fälle effizienter bearbeitet werden. „Die Mitarbeiter brauchen mehr Zeit, sich die Fälle genauer anzuschauen und dann zu entscheiden, welche Hilfe nötig ist“, sagt Klein. So könne möglicherweise mancher teure Heimaufenthalt verhindert werden. Auch wolle man mehr Pflegeeltern gewinnen. Zudem gebe es Fälle, für die der Landkreis Bautzen zahlt, obwohl er gar nicht mehr zuständig ist, weil die betreffende Familie umgezogen ist. Bislang habe aber niemand Zeit, sich um die Übergabe solcher Fälle an den nun zuständigen Landkreis zu kümmern. Mehr Augenmerk soll der Prävention gelten, damit teure Hilfen gar nicht erst nötig werden. „Wir müssen früher eingreifen.“

Wie will man früher und damit preiswerter helfen?

„Wir müssen Methoden finden, wie wir möglichst früh an die Eltern herankommen, die Hilfe brauchen, die wir bisher aber meist kaum erreichen“, sagt Birgit Hofmann. Eine Idee ist, dass Sozialarbeiter des Jugendamtes in die Kitas gehen. Wie das genau funktionieren soll, steht aber noch nicht fest. Fakt ist: „Wir brauchen auch Kooperationspartner“, zum Beispiel die Träger der Kitas.Auf ein Wort