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Jugendarbeit muss auf zwei Stellen verzichten

Der Kreis halbiert die geplanten Kürzungen. Das rettet manchen Verein vor dem Nichts.

Von Sebastian Beutler

Der Landkreis nimmt die Hälfte der beabsichtigten Kürzungen bei der vorbeugenden Jugendarbeit zurück. Statt vier sollen nur zwei Stellen weniger bei Vereinen und Organisationen gefördert werden. Davon profitieren der Aktiva Sozialraum Lausitz in Weißwasser, der Verein Mobile Jugendarbeit, der in Niesky eine Kompetenzagentur für junge Leute unterhält, die Hillersche Villa mit ihrem Projekt Laterna Futuri in Großhennersdorf und das Ostritzer Vereinshaus Alte Schule und dessen Jugendberatung. Sie alle erhalten eine halbe Stelle gefördert. Für manche dieser Vereine war zunächst keine Förderung mehr vorgesehen gewesen. Das betraf das Ostritzer Vereinshaus und Vereine in Weißwasser.

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Trotz der erzielten Verbesserungen hielt der Landkreis an seiner Linie fest, dass mit den jetzt 44 geförderten Stellen der Bedarf an vorbeugender Jugendarbeit gedeckt wird. Das war im Vorfeld angezweifelt worden. Die wichtigsten Ziele sind Unterstützung von Familien, Entwicklung von Sozialkompetenzen bei benachteiligten oder gefährdeten Jugendlichen. Allerdings richten sich die Angebote im Landkreis an alle Jugendlichen. „Wir machen Jugendarbeit für alle“, sagte Elke Drewke vom Jugendamt, „nicht nur für benachteiligte“. Landrat Bernd Lange mahnte, mit den Steuermitteln verantwortungsbewusst umzugehen. Er wehrte sich gegen den Vorwurf, linear gekürzt zu haben. Stattdessen habe die Verwaltung Schwerpunkte wie beispielsweise in Görlitz gesetzt, wo nun eine Stelle mehr gefördert wird.

Der Direktor des Amtsgerichtes Weißwasser, Martin Hinrichs, stellte allerdings die Grundsatzfrage. Er sah in den Planungen und den Zielen, die der Kreis mit der Jugendarbeit erreichen will, nur „Geschwafel und leere Blasen“. Der Bedarf sei nicht definiert worden. „Wir wissen immer noch nicht, ob in Weißwasser Hausaufgabenhilfe fehlt oder doch eher in Zittau“, sagte er. Auch stieß sich der Jurist an der Förderung von 42 Stellen in 40 Projekten. „Alle machen irgendwas, politisches Handeln sehe ich darin nicht“, erklärte er. So hätte er es lieber gesehen, wenn die Mittel auf wenige Initiativen konzentriert werden, damit dann in bestimmte Themen wie zum Beispiel die Familienbildung „Grund hineinkommt“. Mit dieser Haltung blieb Hinrichs, der kein Stimmrecht im Jugendhilfeausschuss besitzt, aber allein. Zwar gab es kritische Stimmen auch von Heike Krahl (Linke) und freien Trägern. Doch vergab der Ausschuss anschließend die 2,2 Millionen Euro an die Vereine und Organisationen, die nun in den nächsten drei Jahren die Jugendarbeit für den Kreis leisten werden. Der Vorstoß der Bündnisgrünen, den Beschluss bis zum Jugend-Sonderkreistag im Februar auszusetzen, wurde nicht aufgegriffen. Zu groß war die Ungewissheit, was das für Folgen für alle Beteiligten hätte. Allerdings wird es im Dezember eine Initiative der Linkspartei geben, weitere Mittel im Nachtragshaushalt einzustellen, so dass auch die zwei jetzt gestrichenen Stellen erneut vergeben werden können.

In Görlitz erhalten eine Förderung der ASB für seine mobile Jugendarbeit, der Deutsche Kinderschutzbund für den Kinder- und Familientreff Kidrolino, der einer-für-alle-Verein für seine Schulsozialarbeit im Förderschulzentrum, die Evangelische Stadtjugend für das Spiel- und Sportcafé Domiziel, der Verein Jugend-Beruf-Start für ein Familienprojekt, die Jugendsozialarbeit Görlitz für die Ausbildung von beruflichen und sozialen Kompetenzen junger Leute, der Lebenshof in Ludwigsdorf für seine Produktionsschule, das Missionswerk Ca-Tee-Drale für sein Jugendhaus an der Christoph-Lüders-Straße sowie der Tierra-Eine-Welt-Verein für das Kinder-Kultur-Café Camaleon. Teilweise bleiben die Zusagen des Kreises aber deutlich hinter den angemeldeten Förderungen zurück.

Die Vergabe nutzte der Jugendhilfeausschuss aber auch, um ein Exempel am Turmvilla-Verein in Bad Muskau zu statuieren. Während die Verwaltung vorschlug, zwei Stellen für Jugendarbeit und interkulturelle Begegnung bei der Turmvilla zu finanzieren, strich der Ausschuss den Vorschlag radikal zusammen. So blieb nur noch eine halbe Stelle für interkulturelle Begegnung im Raum Weißwasser übrig. Die Mehrheit des Ausschusses sah wie der CDU-Politiker Gotthilf Matzat die „Seriosität des Vereins nicht gewährleistet“. Der Verein steht wegen der nicht regulären Verwendung von Geldern unter Beschuss, ein Gerichtsverfahren dazu ist noch nicht abgeschlossen. Der Hinweis der Linkspartei, der Verein habe seit Mittwoch einen neuen Vorstand, änderte an der Haltung des Ausschusses nichts.