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Jugendbus wird Wahlbüro

Am Langebrücker Bahnhof können junge Leute bis 18 Jahre ihre Stimme für die Kommunal- und Europawahl abgeben. Richtig gewertet wird sie allerdings nicht.

Von Thomas Drendel

Der Bus von Kai Fritzsche ist knallig grün, verziert mit Vögeln, Bäumen und Blumen. Als Wahlbüro damit wenig geeignet. Doch genau so ein Büro soll er werden. „Wir werden uns am Langebrücker Bahnhof aufstellen. Im Bus haben wir dann unsere Wahlurne stehen, so wie es sich gehört“, sagt Kai Fritzsche. Er ist als Sozialarbeiter für den Ort zuständig. Zugegeben, es ist nicht ganz die richtige Kommunal- und Europawahl, die am 25. Mai stattfindet. „Wir wählen schon am Freitag, dem 16. Mai, und zu uns dürfen nur junge Leute unter 18 Jahren kommen. Sie haben ja bei der richtigen Wahl noch keine Stimme“, sagt der Sozialarbeiter.

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Von 12 bis 16 Uhr wird der Wahlbus am Langebrücker Bahnhof stehen. „Ziel ist es, den jungen Leuten das Wahlprozedere nahezubringen. Sie sollen so Politik besser verstehen und beispielsweise die Unterschiede der Parteien besser kennenlernen. Nur leider wird das Ergebnis dieser Wahl bei der richtigen nicht berücksichtigt“, sagt Kai Fritzsche. Das heißt aber nicht, dass sie unter den Tisch fallen. „Sie werden ausgewertet und vor der eigentlichen Wahl am 25. Mai auch veröffentlicht.“ Kinder und Jugendliche hatten bereits im vergangenen Jahr die Möglichkeit, vor der Bundestagswahl ihre Stimme abzugeben. Damals beteiligten sich deutschlandweit knapp 200 000 Kinder und Jugendliche.

Wie die Langebrücker abstimmen werden, dazu will Kai Fritzsche keinen Tipp abgeben, obwohl er sie schon sehr gut kennt. Seit einigen Monaten ist er mit seinem Bus in Langebrück und Schönborn unterwegs. Er hält an Treffpunkten der jungen Leute. „Mittlerweile bin ich schon ganz gut bekannt. Immer mehr junge Langebrücker klopfen am Bus an. Ich teile über Internet mit, wann ich wo bin. Dann geht es meist um Musik, aber auch ernste Themen werden angesprochen“, sagt Kai Fritzsche. Dann geht es meist um Schule, um schwierige Klassenarbeiten. Auch die Frage: Welche Ausbildung soll ich machen, wird angesprochen. „Manchmal geht es auch um Probleme mit den Eltern oder mit dem Freund oder der Freundin.“

Nach Auskunft des Sozialarbeiters kommen vor allem Jugendliche zwischen 14 und 16 Jahren zu ihm und dann die etwas Älteren. „Sie sind dann schon so zwischen 18 und 22 Jahren. Die Altersgruppe dazwischen fehlt.“ Von ihnen werden eifrig die Klappstühle genutzt, die Kai Fritzsche in seinem Bus immer dabeihat. Es wird Musik gehört oder selbst getrommelt. An Bord des Kleinbusses kann Kaffee oder Tee gekocht werden. Ganz hoch im Kurs steht bei den Jugendlichen Grillen. „Da gibt es immer wieder Anfragen.“ Heute ist es wieder so weit. Um 16.45 Uhr wird der Grill am Bürgerhaus in Langebrück angeworfen. Bis gegen 20.30 Uhr werden hier die Kohlen glühen. Grill und Kohle spendiert der Sozialarbeiter. Bratwürste oder Steaks muss jeder selber mitbringen.

Kontakt zum Streetworker Kai Fritzsche im Internet unter www.facebook.com/jugendarbeit.mobiLS