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Jugendherbergen bleiben leer

Schulklassen verzichten auf die klassische Landheimfahrt. Die Häuser in Altenberg kämpfen mit den Folgen, machen aber das beste daraus.

Die Stühle stehen oben, der Fernseher bleibt aus. So wie in Zinnwald fehlen vielen Jugendherbergen Schulklassen als Gäste.
Die Stühle stehen oben, der Fernseher bleibt aus. So wie in Zinnwald fehlen vielen Jugendherbergen Schulklassen als Gäste. © Egbert Kamprath

Während in den Hotels langsam wieder der Alltag einzieht, Urlauber einchecken und die Häuser mit Leben füllen, herrscht in den beiden Altenberger Jugendherbergen gespenstische Stille. Schulklassen, das Hauptklientel, dürfen nach wie vor nicht anreisen. Auch Sportvereine verzichten gegenwärtig auf ihre üblichen Trainingslager. Gerade einmal 24 Übernachtungen konnten Tino und Susan Weinberg im Juni verbuchen. Sie betreiben mit zwei Angestellten privat die Herberge am Altenberger Sportstättenkomplex mit 90 Betten. 

Bis vor Kurzem konnten sie mit der Entwicklung noch sehr zufrieden sein. 2019 gab es rund 10.000 Übernachtungen. Neben Schulklassen kamen vor allem Volks- und Leistungssportler, die die angrenzenden Sportstätten nutzten oder von hier zur Bobbahn fuhren. „Zum Glück für uns war die vergangene Wintersportsaison fast durch und die Weltmeisterschaften konnten gerade noch so stattfinden. Seit März läuft nun nichts mehr, das Haus steht leer“, schildert Tino Weinberg die Situation. 

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Ganz leer ist das Haus allerdings nicht, denn statt der Gäste bevölkern die Handwerker jetzt die Jugendherberge. Schon vor Corona hatte sich Familie Weinberg entschieden, dem Haus ein neues Profil zu geben, sich breiter aufzustellen, um so zum Beispiel auch Anlaufpunkt für Familien zu sein. Da sind Duschen und Toiletten auf dem Gang nicht gerade zeitgemäß, so der Gedanke. 

Tino Weinberg hat die Zeit des Stillstands genutzt, um mehrere Zimmer in seiner Jugendherberge in Altenberg familiengerecht umzubauen.
Tino Weinberg hat die Zeit des Stillstands genutzt, um mehrere Zimmer in seiner Jugendherberge in Altenberg familiengerecht umzubauen. © Egbert Kamprath

Mithilfe des Förderprogramms Leader, durch das größere Geldmittel zur Verfügung standen, wurden aus Ideen Taten. Jetzt sind die Arbeiten fast abgeschlossen und zehn der 28 Zimmer haben eine eingebaute Dusche mit WC. Drei davon erhielten außerdem eine Küchenzeile, sodass dort eher der Eindruck einer Ferienwohnung entsteht.  Außerdem wurde der Zugang behindertengerecht umgebaut.  Weitere Neuerung: Für die Gäste stehen sechs E-Bikes im Verleih zur Verfügung. 

Die Preise für eine Übernachtung mit Frühstück liegen bei 21 Euro, im kommenden Jahr sollen es zumindest für die neuen Zimmer 27 Euro sein. Tino Weinberg, der das Haus vor einem Jahr von seinem Vater übernommen hat, hofft nun, dass bald wieder normale Zustände herrschen und die Angst vor einer zweiten Coronawelle die Leute nicht zu sehr beeindruckt. Hoffnung machen ihm zwei Fußball- und Handballvereine, die als Stammgäste für den August auf keinen Fall absagen wollten.

Einsam und verlassen mitten im Wald

Einsam und ohne Gäste steht auch die vom Deutschen Jugendherbergswerk betriebene Zinnwalder Jägerhütte mitten im Wald. René Dreihardt ist als Leiter des Hauses noch geringfügig beschäftigt, die anderen drei Mitarbeiter sind in Kurzarbeit null. Voraussichtlich bis 31. August sind alle Klassenfahrten ausgeschlossen. In den öffentlichen Bereichen des Hauses wie auf den Gängen oder im Fernsehraum gilt Mundschutzpflicht. Gemütlich ist anders. 

Es gibt 17 Zimmer mit insgesamt 70 Betten. Im Jahr sind es normalerweise rund 5.000 Übernachtungen. Gerade jetzt, kurz vor den Ferien wäre die Jugendherberge mit Schulklassen voll, die sonst 80 Prozent der Belegung ausmachen. Nach der guten Wintersaison schlossen sich aber am 19. März die Türen. 

Drei Zimmer wurden danach renoviert, ansonsten herrscht seitdem Stillstand. Am vergangenen Wochenende übernachtete zwar eine 35-köpfige Wandergruppe in der Herberge, doch das ist die Ausnahme. Einzelne Gäste werden zentral an die Jugendherberge in Sayda vermittelt. 

René Deinhardt leitet die Jugendherberge in Zinnwald. Im Moment gibt es dort nicht viel zu tun. Drei Mitarbeiter sind deshalb in Kurzarbeit.
René Deinhardt leitet die Jugendherberge in Zinnwald. Im Moment gibt es dort nicht viel zu tun. Drei Mitarbeiter sind deshalb in Kurzarbeit. © Egbert Kamprath

René Dreihardt, der auch die jetzt heruntergefahrene Herberge in Frauenstein leitet, kann nur abwarten und Rasen mähen. So sieht die Jägerhütte zumindest empfangsbereit aus. Alle anderen Kosten werden so weit wie möglich heruntergefahren. Als gemeinnütziger Verein darf das Jugendherbergswerk keine großen Rücklagen bilden. Das wird jetzt in der langen Zeit ohne Einnahmen zum Problem. 

24 Euro kostet eine Übernachtung mit Frühstück. Für den "Herbergsvater" ziehen sich die Kreise noch viel weiter, als allein der Verlust durch die weggefallenen Übernachtungen: „Der Stadt entgeht Kurtaxe in Größenordnungen. Unsere Gäste besuchen die Sommerrodelbahn, das Bergbaumuseum Hochmoor oder den Wildpark. Das sind alles Einnahmen, die den Einrichtungen jetzt fehlen. Das geht weiter bis zum Bäcker, der jetzt bei uns keine Brötchen verkaufen kann. So ruhig wie jetzt war es hier noch nie.“ 

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Für René Dreihardt bleibt nur die Hoffnung auf das neue Schuljahr und das Wiederaufleben der Klassenfahrten. „Gerade für Grundschulen ist unsere Herberge ideal gelegen. Wir können Vollpension anbieten und es gibt auch pädagogisch viele Möglichkeiten, von der Kräuterwanderung bis zur Wetterexpedition.“

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