SZ +
Merken

Jugendklubs packen die Kisten zum Umzug

Zwei der vier Coswiger Jugendklubs beziehen zum Ende dieses Jahres neue Räume. Die Jugendlichen sind dabei skeptisch, ob der Wechsel gelingt.

Teilen
Folgen

Von Christina Dirlich

In die Coswiger Jugendklubs kommt Bewegung. Das Kinderzentrum (KiZ) zieht Anfang Januar in das neue Domizil im Keller der Leonhard-Frank-Mittelschule. Der so genannte „Bunker“ war bisher vor allem für die Mittelschüler ein Anlaufpunkt. Von Dezember an werden sie ihre Betreuer im Jugendklub „Exil“ wiederfinden. Die Mitarbeiter vom „Bunker“ begannen am Donnerstag mit dem Kistenpacken.Nach dem Beschluss des Coswiger Stadtrates wird das Haus des Kinderzentrums in der Oststraße zum 31. Dezember geschlossen. „Alle Jugendklubs müssen Kürzungen hinnehmen, doch wir müssen uns von unserem Haus trennen“, sagt Leiterin Kerstin Balk. Dafür bliebe immerhin das KiZ als Einrichtung erhalten.KiZ ab Mitte Januarim „Bunker“Statt bisher zwei werde es aber nach der Wiedereröffnung, die für den 15. Januar geplant ist, nur noch eine Betreuerstelle geben. Da außerdem im „Bunker“ auch weniger Platz vorhanden sei, werde sich das Angebot des Kinderzentrums automatisch verringern, so Balk. „Die Kinder waren sehr betroffen, als wir ihnen erklärt haben, dass wir das Haus schließen müssen“, beschreibt die Leiterin die Reaktion der Mädchen und Jungen. Viele hätten sich dann aber bereit erklärt, beim Umzug mit anzupacken. „Letztlich waren die meisten doch froh, dass wenigstens die Einrichtung weiter bestehen wird“, führt Kerstin Balk aus. Ob allerdings alle Kinder den Wechsel mitmachten, das könne man zum jetzigen Zeitpunkt schwer einschätzen.Der Veränderungsprozess setzt sich im „Bunker“ fort. Die Jugendlichen dort sind nicht einverstanden mit der Entscheidung des Stadtrates, ihren Klub zu schließen. Cornelia Steiger, Sozialarbeiterin im „Bunker“, muss sich mit den neuen Gegebenheiten arrangieren: „Mit großer Wahrscheinlichkeit übernehmen mein Kollege und ich die Arbeit im Jugendklub „Exil“. Was mit den beiden Mitarbeitern dort geschieht, ist aber noch nicht raus“, erläutert sie die aktuelle Situation.Einige der „Bunker“-Projekte sollen im „Exil“ weitergeführt werden. So soll das Internetcafé noch in diesem Jahr am neuen Standort wieder eröffnet werden. Ab Dezember wird auch der „Nachtsport“, jeweils am letzten Freitag im Monat, wie gewohnt in der Turnhalle der Mittelschule stattfinden. Und die Freizeiten, die Cornelia Steiger bisher mit ihrem Kollegen zusammen organisierte, werden dann vom „Exil“ angeboten. Nächster Termin ist die Snowboardfreizeit im Februar. „Insgesamt sehe ich die Neuerungen auch als Chance, denn im „Exil“ werden wir mehr Räume zur Verfügung haben, deshalb fällt es uns relativ leicht, die Projekte dorthin zu verlegen“, stellt Steiger fest.Ganz anders sehen das die Jugendlichen. „Ich war immer froh, dass es den „Bunker“ gab“, erzählt Torsten Lehmann. „Ich komme fast jeden Tag her, um Computer zu spielen, Hausaufgaben zu machen und meine Freunde zu treffen“, sagt der 16-Jährige. „Als ich erfuhr, dass der „Bunker“ schließen würde, habe ich mir das „Exil“ mal angeschaut, aber dort sind ganz andere Gruppen“, kritisiert Torsten. Er finde es nicht gut, dass das KiZ in den Keller ziehe, schließlich gingen dort doch eher jüngere Kinder hin. Auch Marc Herrmann ist gegen die Schließung des „Bunkers“, so wie er ihn kennt. „Wir konnten in den Pausen und Freistunden herkommen und fanden immer einen Ansprechpartner für unsere Probleme“, berichtet er.Einige sehen für sichkeine AlternativeDas werde jetzt nicht mehr so einfach möglich sein. Er sei schon mal im „Exil“ gewesen, sagt der 14 Jahre alte Schüler, doch praktisch sei die Verlegung der Einrichtung nicht.„Ich gehe nicht ins „Exil““, sagt Philipp Pawlik bestimmt. Mit den älteren Jugendlichen dort wolle er nichts zu tun haben. Er ist sauer, dass der „Bunker“ geschlossen wird, denn er sieht zum bisherigen Treffpunkt keine Alternative. „Wir werden uns auf der Straße treffen müssen“, meint der Schüler. Dieser Ansicht stimmt seine Klassenkameradin Linda Bleul zu: „Oder man muss sich eben zu Hause treffen, aber das wird mit so vielen Leuten nicht möglich sein“, sagt sie. Ihr werde vor allem die Gemeinschaft fehlen, glaubt die 14-Jährige.