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Jugendliche in der Gefühlswelt eines Reformators

Was hat Jan Hus heute noch zu sagen? Herrnhuter Gymnasiasten geben mit ihrem Theaterstück diese Woche Antworten.

© Erdmann Carstens

Von Steffen Gerhardt

Herrnhut. Sich in die Gedankenwelt eines Menschen zu versetzen, dessen Leben vor 600 Jahren auf dem Scheiterhaufen endete, ist für heutige Jugendliche nicht so einfach. Schüler des Evangelischen Zinzendorf-Gymnasiums und Mitglieder der Jungen Gemeinde der Brüder-Unität stellen sich dieser Herausforderung – und das auf öffentlicher Bühne. Denn was den tschechischen Reformator Jan Hus im Mittelalter umtrieb, ist auch für die heutige Gesellschaft von aktueller Bedeutung. Das sagt Benigna Carstens. Sie hat das Theaterstück „Post mortem, ein Gespräch in 8 Szenen“ aufgeschrieben. „Es sind fiktive Gespräche, die Jan Hus beispielsweise mit einem Philosophen, einem Kirchenmann, einem Freund oder mit Martin Luther führt. Darin geht es um die Wahrheit und wie jeder selbst dazu steht“, sagt Benigna Carstens.

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Diese Gespräche führen nun die Jugendlichen, die sich zu einer Theatergruppe extra für dieses Stück zusammengefunden haben. Bereits im Frühjahr entwickelten sie zusammen mit Theaterpädagogin Mechthild Roth ihre eigene Version unter dem Titel: „Jan Hus und die Wahrheit“. Die Uraufführung erfolgte anlässlich des Gedenkwochenendes für Jan Hus am 5. Juli im tschechischen Železný Brod.

Es ist ein Stück zum Hinhören, denn die Ausstattung ist minimalistisch und beschränkt sich auf wenige Accessoires. Das Stück gewährt einen kleinen Einblick in die Gefühlswelt eines Menschen, dessen Weg sich mit dem Leben in und mit der Wahrheit verbindet, sagen dessen Darsteller. Die Basis der Gespräche sind Wahrheit und Macht, Wahrheit und Gewalt, Wahrheit und Eitelkeit sowie Wahrheit und Glaube. Alles Themen, die auch 600 Jahre nach der Hinrichtung von Jan Hus interessant und aktuell sind. Seine Worte: „Die Wahrheit stirbt nicht in den Flammen“ gingen in die Geschichte ein.

Diese Woche kommt das Stück zurück an seinen Entstehungsort zu drei weiteren Aufführungen, wie das Zinzendorf-Gymnasium informiert. Am Donnerstag, 19 Uhr, in der Kirche Großhennersdorf und am Freitag, 19.30 Uhr, in der Arche Herrnhut. Hier wird das Stück gezeigt im Rahmen der Jan-Hus-Tagung und der Aufführung des Hus-Oratoriums. Außerdem am Sonntag, dem 8. November, 17 Uhr, im Städtischen Museum Zittau zur Finissage der Jan-Hus-Ausstellung. Für die musikalische Umrahmung sorgt der Projektchor des Zinzendorf-Gymnasiums.