merken
PLUS Pirna

Jugendliche wählen Rot-Rot-Grün

Bei der U18-Wahl liegt im Landkreis die AfD vorn. Entscheidend ist aber, was die Erwachsenen wollen.

©  SZ-Grafik: Gernot Grunwald

Sie sind zu jung, um am Sonntag den sächsischen Landtag wählen zu dürfen. Für die unter 18-jährigen Kinder und Jugendlichen wurde nun eine fiktive Wahl organisiert, deren Ergebnis aufhorchen lässt. Demnach gewinnt in Sachsen Bündnis 90/Die Grünen mit 27,2 Prozent vor der Alternative für Deutschland (AfD) mit 15,5 Prozent. Knapp 12 000 Stimmen wurden vom 1. Juli bis zum 23. August bei verschiedenen Veranstaltungen abgegeben.

Wovon Parteifunktionäre von Grünen, Linken und SPD in Sachsen träumen, nämlich eine Regierungsmehrheit, wäre heute schon Realität, wenn es ausschließlich nach den Kindern und Jugendlichen ginge. Zusammen kämen diese drei Parteien auf 62 der 120 Mandate. „Es ist schon auffällig, dass gerade die Parteien viele Stimmen gewinnen konnten, die sich im Allgemeinen mit den Themen Naturschutz, Klima oder Tierschutz befassen“, sagt Agnes Scharnetzky, die Landeskoordinatorin der U18-Wahl, die maßgeblich vom Kinder- und Jugendring Sachsen initiiert wurde.

Anzeige
Wer eigenmächtig saniert, verliert viel Geld
Wer eigenmächtig saniert, verliert viel Geld

Eigentümer sollten nicht blind darauf vertrauen, die Kosten von der WEG erstattet zu bekommen. Das sollten sie wissen.

Im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge unterscheidet sich das Ergebnis zu Sachsen insofern, dass hier die AfD (23,6 Prozent) vor den Grünen (19,2 Prozent) gelandet ist. Auch Grün-Rot-Rot wäre als Regierungsoption nicht möglich, sondern müsste im Zweifelsfall noch die Tierschutzpartei mitmachen.

Freuen dürfte das Ergebnis im Landkreis SPD und FDP. Die Sozialdemokraten wären drittstärkste Kraft. Wäre das am Sonntag nach der richtigen Landtagswahl auch der Fall, würden wohl die Sektkorken bei den Sozialdemokraten knallen. Die Liberalen überspringen im Landkreis die Fünf-Prozent-Hürde. Das ist auch am Sonntag das erklärte Ziel der FDP.

Teenager wählen Protest

Aufhorchen lässt, dass die Tierschutzpartei bei Kindern und Teenagern im Landkreis noch vor der CDU landet. Das eigene Leben und das anderer Menschen scheint für viele offenbar so wohlbehütet zu sein, dass man die größte Aufmerksamkeit den Tieren widmen kann – von der Liebe zum eigenen Haustier bis zum Wolf. „Die mäßigen Ergebnisse vieler Parteien aus dem aktuellen Landtag zeigt aber auch, dass sie sich noch mehr in Gespräche mit jungen Menschen begeben und diese auch ernst nehmen sollten“, sagt Scharnetzky.

Der Spitzenwert für die AfD dürfte diejenigen erstaunen, die bisher gemeint hatten, dass das eine Partei frustrierter älterer Männer ist, deren Wählerschaft genauso strukturiert ist. Bei Teenagern ist das Protestpotenzial sehr ausgeprägt, was hier den Ausschlag gegeben haben könnte. Das gilt auch für die Proteste für mehr Klimaschutz über die „Fridays for future“-Bewegung, die die Bündnis 90/Die Grünen nach vorn gespült haben. Im Landtags-Wahlkreis 50 (Pirna/Heidenau/Osterzgebirgsvorland) sind sie die Sieger, die AfD ist es im Wahlkreis 49 (Osterzgebirge). Für die anderen beiden Wahlkreise – Freital/Wilsdruff und Sächsische Schweiz – gibt es keine gesonderten Ergebnisse, weil zu wenige mitgemacht haben. „Aus Datenschutzgründen werden keine Ergebnisse für Wahlkreise mit weniger als sieben Wahllokalen angezeigt“, heißt es von den Organisatoren.

©  SZ-Grafik: Gernot Grunwald

Im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge wurden bei 25 Veranstaltungen insgesamt 1 157 Stimmen abgegeben. Umfragen mit mehr als tausend Teilnehmern gelten als relativ repräsentativ. Die jüngsten Teilnehmer waren etwa acht Jahre alt. „Die U18-Wahl war nicht nur eine reine Simulation, sondern es wurden auch intensiv inhaltliche Fragen diskutiert, von Klimafragen bis zur Gestaltung der Berufsorientierung an Schulen“, erklärt Jan Witza, Vorsitzender des Vereins Kinder- und Jugendring Sachsen. Damit leiste die Aktion einen wichtigen Beitrag zur politischen Bildung.

Dieser Beitrag war zur Europawahl im Mai noch gering. Auch da gab es eine U18-Wahl, doch kaum jemand im Landkreis hatte sich daran beteiligt. „Das lag an unseren begrenzten Ressourcen. Deshalb haben wir uns bewusst auf die Landtagswahl konzentriert“, sagt Scharnetzky.

So interessant es auch ist, zu erfahren, was Kinder und Jugendliche wählen würden: Über die tatsächliche Zusammensetzung des Landtags entscheiden nur die Erwachsenen, und zwar am Sonntag, dem 1. September. Bis 18 Uhr sind dann die Wahllokale geöffnet.

Zur U18-Wahl zur Landtagswahl wurde auch bei einer Veranstaltung im Naherholungszentrum (NEZ) in Pirna-Copitz aufgerufen. 
Zur U18-Wahl zur Landtagswahl wurde auch bei einer Veranstaltung im Naherholungszentrum (NEZ) in Pirna-Copitz aufgerufen.  © Foto: Kreisjugendring

Alle Ergebnisse 

Mehr zum Thema Pirna