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Radebeul

Jugendliche wollen aufräumen

Der Apothekerpark in West ist ein beliebter Treffpunkt. Nach Beschwerden bemühen sich jetzt die jungen Leute – und bekommen Unterstützung.

Sozialarbeiterin Maria Haberjahn von der Juco (r.) schaut regelmäßig bei den Jugendlichen im Park vorbei. Für junge Leute gibt es in Radebeul kaum zentrale Plätze, wo sie sich treffen können, sagt sie. Sie würden sich noch einen kleinen Pavillon wünschen.
Sozialarbeiterin Maria Haberjahn von der Juco (r.) schaut regelmäßig bei den Jugendlichen im Park vorbei. Für junge Leute gibt es in Radebeul kaum zentrale Plätze, wo sie sich treffen können, sagt sie. Sie würden sich noch einen kleinen Pavillon wünschen. © Arvid Müller

Radebeul. Die Bank unter der großen Buche ist fast immer besetzt. Hier, im hinteren Teil des Apothekerparks treffen sich die älteren Schüler der Oberschule Kötzschenbroda schon früh vor dem Unterricht. Die kleine Grünfläche hinter der Bahnhofstraße ist bei den Jugendlichen beliebt, auch am Nachmittag und Abend verbringen sie dort ihre Zeit. 

Mit 15 will man eben nicht unbedingt mit den Eltern auf dem Sofa sitzen, sondern raus und seine Freunde treffen. Zusammen quatschen, abhängen, auch mal eine rauchen und das ohne Erwachsene. Von denen scheinen aber manche vergessen zu haben, dass sie in ihrer Jugend ganz ähnlich drauf waren, auch mal laut gemacht und nach Freiräumen gesucht haben. Deshalb werden die jungen Leute im Apothekerpark nicht selten argwöhnisch beäugt.

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Allerdings: Ganz unschuldig sind die Jugendlichen an der Situation nicht. Im Apothekerpark sah es oft dreckig aus. Müll, der weit entfernt der Mülleimer herumlag, Scherben und jede Menge Kippenstummel verärgerten Passanten und Anwohner. Inzwischen gibt es aber eine Verbesserung. Einmal in der Woche bringen die Jugendlichen den Park jetzt auf Vordermann, sammeln Müll und Scherben auf. Das zeigt schon Wirkung, es sieht deutlich ordentlicher aus als noch vor wenigen Monaten.

Von der Parfümerie Ast auf der Bahnhofstraße haben die Teenager Müllbeutel und Handschuhe für ihre Aufräumaktion bekommen. Maria Haberjahn von der Jugendhilfe Juco schaut regelmäßig bei ihnen im Apothekerpark vorbei. Sie sagt, dass es in Radebeul generell nur sehr wenige Plätze gibt, an denen sich junge Leute treffen können. 

Im Jugendclub Weißes Haus stehen die Türen zwar immer offen, aber verständlicherweise wollen die Teenager nicht jeden Tag dort hin, sondern einfach nach der Schule zusammen abhängen. 

Einen inoffiziellen Treffpunkt gibt es noch an der Elbe an der alten, umgestürzten Weide unterhalb von Kötzschenbroda. Dort stören die Jugendlichen zwar niemanden, aber gerade jetzt im Sommer hält man es dort in der knallen Sonne nicht aus, sagen sie. Schatten gibt es dort nicht. „Und wir wollen auch nicht immer bis nach Dresden fahren.“

Vor allem für die Altersgruppe, die nicht mehr in den Hort geht, aber auch noch nicht alt genug ist für Discos und Clubs, gibt es kaum Möglichkeiten. Bis vor Kurzem konnten die jungen Leute noch den Bolzplatz hinter der Schule in der Wilhelm-Eichler-Straße nutzen. Der fällt jetzt aber weg, weil dort ein neues Gebäude errichtet wird. 

Den Schulclub gibt es zwar noch, aber der hat keine Außenflächen mehr. Der Apothekerpark ist für die Jugendlichen ein schöner Ort und auch günstig, weil hier gleich Netto und Bäcker in der Nähe sind. Und sie machten ja im Park auch nichts kaputt, wirbt die Sozialarbeiterin um Verständnis.

Nur die vielen Kippenstummel rund um die Bänke sind noch immer ein Problem im Apothekerpark. Das sagt Maria Haberjahn ihren Leuten deutlich. Allerdings: Der Aschenbecher am Mülleimer neben den Bänken ist kaputt. Zigaretten würden dort sowieso durchfallen. 

Überhaupt müsste es noch mehr Mülleimer geben, sagen die Jugendlichen, damit sie ihren Kram ordentlich entsorgen können. Außerdem würden sich die Jugendlichen am liebsten einen kleinen Pavillon im Park wünschen, in dem sie auch bei schlechtem Wetter geschützt sitzen könnten.

Das Problem mit den zu wenigen Mülleimern soll jetzt gelöst werden, sagt Daniela Bollmann von der Stadt. Auch für die Gestaltung des Parks könnte es einen Kompromiss geben. Im Herbst beginnen die Planungen für die Außenanlagen des neuen Schulcampus. Dann soll der Apothekerpark noch verändert werden, sagt Bollmann. 

Denkbar wäre, in einem Teil auch Spielgeräte für jüngere Kinder aufzustellen. Denn auch für sie gibt es nach der Schließung des Spielplatzes an der Wilhelm-Eichler-Straße weniger Angebote.

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