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Jugendzentrum Holz bleibt zu

Seit Jahresbeginn ist der Treff geschlossen. Es fehlt das Geld für die Mitarbeiter. Die Stadt Niesky hält aber zur Stange.

Von Carla Mattern

Vier Termine stehen für den Juni im Veranstaltungskalender auf der Internetseite des Jugendzentrums Holz in Niesky. Immer mittwochs treffen sich die Mädels von der Band der Nieskyer Oberschule hier zur Probe. Es ist ein Ganztagsangebot der Schule, und der Probenraum im Jugendzentrum an der Gartenstraße ist der Ort, an dem die Band sich trifft. Im April gab es ein Angebot unter dem Titel „Skate und workout“, im Februar ein Heavy-Metal-Konzert.

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Ansonsten ist das Haus zu. Der offene Treff für die Zehn- bis 18-Jährigen, Turniere, Kinoabende, Workshops, Pizza backen, U 18-Wahlen, Trommeln & Percussion, Graffiti, all das und andere öffentliche Veranstaltungen? Fehlanzeige. Als es Ende des vergangenen Jahres hieß, dass das Jugendzentrum Anfang des Jahres 2014 schließt, lag die Betonung auf dem Wort vorerst. Dem Jugendzentrum, das im April 2013 20-jähriges Jubiläum gefeiert hatte, fehlt das Geld. Zwei Mitarbeiter waren hier mit je einer halben Stelle beschäftigt. Sebastian Höbler und Antje Krausche sind angestellt beim Jugendring Oberlausitz, arbeiten jetzt fürs flexible Jugendmanagement, kurz flexjuma. Der Grund für das ausbleibende Geld: Anträge bei verschiedenen Stiftungen wurden abgelehnt und das Fördergeld kam nicht. Beim Landkreis hatte es das Jugendzentrum in Niesky nicht in die sogenannte Bedarfsplanung geschafft. So musste das Haus schließen.

Das bleibt nicht ohne Widerspruch. Die Kreistagsfraktion Die Linke will verhindern, dass im Kreis Görlitz Kinder- und Jugendzentren geschlossen bleiben, Angebote im Jugendfreizeitbereich entfallen und Jugendarbeit auf die Notfallhilfe reduziert werden muss, wie Fraktionsvorsitzende Kathrin Kagelmann mitteilt. Die Kreistagsfraktion habe die Rechtsaufsichtsbehörde eingeschaltet, weil der Landrat Gelder für die präventive Jugendhilfe blockiere. Voraussichtlich bei der Kreistagssitzung in dieser Woche soll es Informationen zu dem Thema geben. Die Linken-Abgeordneten hatten bereits im Dezember beantragt, dass der Planansatz für die präventive Jugendarbeit um 250 000 Euro erhöht wird. Der Antrag war damals knapp durchgegangen und ohne Widerspruch des Landrates geblieben. Zur Kreistagssitzung am 4. Juni haben die Fraktionen Freie Wähler, Die Linke, SPD und die Gruppe Bündnis 90/Grüne einen gemeinsamen Antrag zur Jugendhilfe eingebracht.

Ob der für das Nieskyer Jugendzentrum die Rettung bringt? Aus der vorübergehenden Schließung sind mittlerweile mehr als fünf Monate geworden. „Damit wir das Jugendzentrum wieder regulär für Kinder und Jugendliche öffnen können, brauchen wir noch immer eine gesicherte Finanzierung. Hierfür haben wir Anträge bei verschiedenen Stiftungen gestellt beziehungsweise werden noch weitere stellen“, so Sebastian Höbler. Für drei Jahre hatte sich Niesky mit einer Projektförderung der Stiftung Aktion Mensch über Wasser gehalten. Deshalb wird wieder versucht, Geld zu bekommen, und auch eine neue Projektkonzeption für einen Antrag bei der Stiftung Aktion Mensch steht an, so der Mitarbeiter des Jugendrings Oberlausitz.

Bis das Jugendzentrum schließen musste, war Schülerin Sylvie Oertel aus Niesky öfter vor Ort. Als Neuntklässlerin habe sie viel zu tun für die Schule. Jetzt im Sommer treffe man sich öfter an der Kiesgrube. „Da stört es mich persönlich nicht so, dass das Holz zu ist“, sagt Sylvie.

Nicht infrage gestellt wird dagegen die Bereitschaft der Stadt. Niesky unterstützt das Jugendzentrum bei den Betriebskosten. Das soll auch so bleiben, sagt Oberbürgermeister Wolfgang Rückert.