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Jung, dynamisch, Beamter

127 Lehrer sind bisher im Landkreis verbeamtet worden. Großenhains Gymnasiallehrer Nico Wehner ist einer davon.

In ein anderes Bundesland „verdrücken“ müssen sich sächsische Pädagogen, die am Beamtenstatus interessiert sind, nun nicht mehr. Wer das 42. Lebensjahr noch nicht vollendet hat, kann einen Antrag auf Verbeamtung stellen.
In ein anderes Bundesland „verdrücken“ müssen sich sächsische Pädagogen, die am Beamtenstatus interessiert sind, nun nicht mehr. Wer das 42. Lebensjahr noch nicht vollendet hat, kann einen Antrag auf Verbeamtung stellen. © dpa

Großenhain. Ein Foto von sich in der Zeitung sehen, möchte er nicht. Über den Beruf reden und sich zu bisherige Erfahrungen austauschen, den neusten Beamtenstatus unter die Lupe nehmen und mal ein bisschen aus dem Klassenzimmer plaudern – alles möglich. Aber kein Foto. „Das hat so etwas von jugendlichem Vorzeigebeamten und der will ich nun wirklich nicht sein“, sagt Nico Wehner und lacht.

Seit anderthalb Jahren unterrichte er am Großenhainer Werner von Siemens-Gymnasiums. Mit der Fächerkombination Mathematik und Gemeinschaftskunde sei er zugegebenermaßen ein kleiner Exot auf dem Stellenmarkt gewesen. Aber sonst? „Es gibt so viele Kollegen, die engagiert und mit viel Herzblut vor der Klasse stehen. Über die könnte man auch schreiben. Und natürlich über all diejenigen, die sich seit Jahren für die Wertschätzung des Berufs eingesetzt, häufig die personelle Karre aus dem Dreck gezogen haben und nun aufgrund ihres Alters nicht mehr verbeamtet werden“, gibt Nico Wehner zu bedenken.

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Mentale Belastung kann positiv sein und zu herausragenden Leistungen führen. Allerdings birgt sie auch eine Gefahr für die Gesundheit.

Am Alter scheitert es bei dem Dresdner eindeutig nicht. Mit 33 Jahren befindet sich der freundlich, dynamisch und äußerst wortgewandte junge Mann altersmäßig auf der sicheren Seite.

Immerhin: Laut Gesetz dürfen bis zum 31. Dezember 2023 nur jene sächsischen Pädagogen den Antrag auf Verbeamtung stellen, die über ein zweites Staatsexamen verfügen und – ganz entscheidend – das 42. Lebensjahr noch nicht vollendet haben. Kriterien, die Nico Wehner wie bisher 127 Lehrer im Landkreis Meißen alle erfüllt. Am Mittwochnachmittag wurde er in der Landeshauptstadt feierlich in den Kreis jener aufgenommen, über die in den letzten Jahren so häufig und zuweilen heftig debattiert worden ist. Der Beamtenstatus als attraktives Lockmittel, damit junge Pädagogen im Freistaat bleiben, lässt in den Lehrerzimmern plötzlich die Schere aufgehen. Und den fachlich versierten und bei den Schülern beliebten 45-jährigen Kollegen in die Röhre gucken.

Gedanken, die Nico Wehner durchaus nachvollziehen kann. Seine Mutter ist Lehrerin, da weiß der Nachwuchs, was die Gemüter bewegt. „Als ich meinen damals Eltern eröffnet habe, dass ich an der TU Dresden Lehramt studieren werde, haben sie erst mal durchgeatmet und mich dann darauf aufmerksam gemacht, dass hierzulande nicht verbeamtet wird“, erinnert sich Nico Wehner.

Ein Umstand, der ihn aber keineswegs geplagt habe. Ganz im Gegenteil. Nachdem er sieben Jahre lang die Nachwuchskicker eines Dresdner Vereins trainiert habe, wollte Nico Wehner nach eigenem Bekunden einfach nur mit Kindern und Jugendlichen arbeiten. Ihnen etwas beibringen, sie beim Aufwachsen begleiten, Fähigkeiten rauskitzeln, selbstständiges Denken und Handeln provozieren und zur Stelle sein, wenn es damit noch nicht so gut allein klappt. „Mir hat das so großen Spaß gemacht und schon während des Studiums konnte ich es kaum erwarten, endlich unterrichten zu dürfen“, bekennt Nico Wehner.

Eine Freude am Job, die er noch heute ganz genauso empfinde. Das er gerade als Berufsanfänger viel Zeit für die Vorbereitung der Stunden benötigt, den Aufgaben als Tutor der elften Klasse nachkommen muss und in den letzten Wochen wegen Leistungskontrollen und der Korrektur von Klausuren gut 50 bis 60 Stunden pro Woche gearbeitet hat – gehöre eben dazu. Auch das sich Einlassen auf verschiedene Schülerpersönlichkeiten. Jene, die auch mal um die Ecke denken, sich trauten, neue Ideen einzubringen und durchaus selbstbewusst nachzufragen, seien bei ihm richtig. Einem Lehrer, der sich keineswegs als autoritärer Typ versteht, aber auch nicht den Kumpel der künftigen Abiturienten geben will. Dass er der Chef im Klassenzimmer sei, müsse auf jeden Fall klar sein. Ihm und auch seinen Schützlingen. Zugeben, nicht jedem von ihnen und mitunter ein Spagat zwischen sich an die Regeln halten können oder eben nicht. „Es wird immer so viel über die Schüler von heute philosophiert. Von mangelnder Leistungsbereitschaft ist da oft die Rede. Diese Verallgemeinerung ist aber weder zutreffend, noch kann ich sie bestätigen.“

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Gut möglich, dass der offenkundig für seinen Beruf brennende Lehrer nun auch das eine oder andere Vorurteil vom viel belächelten Beamten über sich ergehen lassen muss. Nico Wehner schüttelt lächelnd den Kopf. „Da hilft nur, weiterhin die Arbeit gut machen und nun ja nicht damit anfangen, gemütlich zu werden!“