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Jung, geschickt, ausgezeichnet

Willy Meyer ist bundesweit der beste Reitsportsattler-Geselle, zudem ein guter Reiter. Beides will er beruflich verbinden.

Von Sven Görner

Wer die kleine Werkstatt auf dem historischen Hof in Cunnertswalde betreten will, zieht besser den Kopf ein. Der groß gewachsene junge Mann ist das gewohnt. Schnell legt er noch ein paar Holzscheite im Ofen nach. Dann schwingt sich Willy Meyer auf sein Arbeitsgerät. Das erinnert an ein Spielzeugpferd aus Holz mit einem schönen braunen Sattel. Und tatsächlich: Es ist ein Nähross. Das passt, schließlich ist der 22-Jährige Reitsportsattler – obendrein deutschlandweit der beste seines Jahrgangs.

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Der Garten ruft
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Im November konnte sich der Cunnertswalder in Mainburg gegen die Konkurrenz durchsetzen. „Das ist schon ein tolles Gefühl, kamen doch einige der Mitbewerber aus namhaften Betrieben.“ Willy Meyer hat sein Handwerk in den vergangenen drei Jahren dagegen in der kleinen Sattlerei von Uwe Stölzel in Freital gelernt. Wie gut der Meister sein Handwerk versteht und weitergeben kann, zeigt sich auch daran, dass Willy Meyers Vorgängerin 2010 ebenfalls Bundessiegerin war.

An zwei Wänden der großen Stube hängen verschiedene Sättel. Doch der Blick fällt unwillkürlich auf einen fast zwei mal drei Meter großen Tisch. Darauf liegen eine kleine Tasche, ein Würfelbecher und ein mit Leder bezogenes Brett, das verschiedene Nähte zieren. Hier sitzt jeder Stich, als wären die Sachen mit einer exakt eingestellten Maschine angefertigt. Aber alles ist wundervoll anzuschauende Handarbeit. Die Teilnehmer mussten beim Endausscheid diese drei Stücke anfertigen.

Doch wie kommt ein junger Mann, der das Abitur in der Tasche hat, dazu, sich solch einem alten Handwerk zu widmen? Während Willy Meyer mit einer Ahle gleichmäßig Löcher in das dicke schwarze Leder eines zu reparierenden Sattelteils sticht, erzählt er: „Mein Vater ist freiberuflicher Reitlehrer und bildet Stuntpferde aus. Ich bin also mit Pferden aufgewachsen. Daher stand für mich fest, dass ich auch etwas mit Tieren, am besten Pferden, machen wollte.“ Was genau, habe er allerdings nicht gewusst. Tierarzt und Pferdewirt sollten es aber nicht sein. „Durch das Abitur hatte ich zwei Jahre mehr Zeit zum Überlegen.“ Da sein Vater einige Sattler-Werkzeuge hatte, probierte er nebenbei sein handwerkliches Geschick aus. Mit Erfolg.

„Handwerk hat Werte, Tradition und bietet Chancen, sich selbstständig zu machen“, begründet Willy Meyer seine Entscheidung für den Sattlerberuf. „Und man hat auch mit Pferden zu tun, weil jeder Sattel an das Tier angepasst werden muss.“ Die Sattler sind es, die für ein gutes Zusammenspiel zwischen Reiter und Pferd sorgen.

Der junge Mann weiß das aus eigner Erfahrung, ist er doch selbst oft hoch zu Roß unterwegs. Denn nicht nur die Pferde seines Vaters werden für Dreharbeiten gebucht. Manchmal brauchen die Filmleute Vater und Sohn als Double, wenn es trotz der gut ausgebildeten Tiere für die Schauspieler zu gefährlich wird. Und auch als einer der tollkühnen Kosakenreiter der Hengstparaden war Willy Meyer in den vergangenen beiden Jahren zu bewundern.

Im nächsten Jahr will der ausgezeichnete Sattlergeselle gemeinsam mit seinem Vater eine Firma gründen, um Reiterei und Handwerk miteinander zu verbinden. Letzteres als solide Grundlage für den Winter und die Zeit, wenn es keine Angebote für Filmproduktionen und Showauftritte gibt.

Der Titel des besten Sattlergesellen ist nicht nur eine Frage der Ehre. Damit verbunden ist ein Weiterbildungs-Stipendium über 5 000 Euro. Anfang 2014 will Willy Meyer eine zum technischen Fachwirt absolvieren, was Teil der Meisterausbildung ist. Einen Meisterbrief braucht der junge Mann für sein Unternehmen zwar nicht, weil für sein Handwerk keine Meisterpflicht besteht. „Aber er ist gut fürs Image und die eigene Ehre als Handwerker.“