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Junge Chefs riskieren viel

Nachfolge. Wer eine Firma übernimmt, setzt sich noch lange nicht ins gemachte Nest. Vier Elbländer zeigen, dass mehr als Mut dazugehört.

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Von Doreen Lehmann

Sachsens Wirtschaftsminister Thomas Jurk (SPD) hatte dieser Tage nichts Gutes zu vermelden: Den mittelständischen Führungsetagen drohe der personelle Notstand. Etwa 25000 Chefs räumen bis zum Jahr 2020 ihren Schreibtisch. Wer sich allerdings dann daran setzt, können erschreckend viele der über 60-jährigen noch nicht sagen.

Über ungelegte Eier wollten die betroffenen Firmeninhaber im Elbland nicht gern reden: „Das ist auch verständlich, die Botschaft wäre für die Kundschaft verheerend“, so Wilfried Bock von der Handwerkskammer Dresden. Noch rotiert es auch recht vorbildlich in den Chefetagen. Den Nachfolger aus der eigenen Familie zu holen, ist dabei die häufigtse Variante. Wie im Hause Krug: In der dritten Generation führt die Großenhainerin Manuela Krug nun das Sanitätshaus weiter. Dass ihr Vater noch mitarbeitet, sei eine große Stütze, doch Meinungsverschiedenheiten zwischen den Generationen bleiben nicht aus: „Sicher fliegen auch mal die Fetzen, in wirtschaftlich schwierigen Zeiten kommt dies natürlich häufiger vor, als wenn es rosig läuft“, so Vater Christian.

Altlasten schon beim Neustart

Das Loslassen falle allen Alt-Inhabern schwer, sagt Dieter Pelzing von der IHK Dresden. Die emotionale Seite sei aber nur die eine, die finanzielle für beide Parteien die entscheidendere. „Wer eine Firmenübernahme angehen will, muss sich vor der Bank nackig machen“, weiß der neue Seerhausener Stahlbauchef Steffen Guke aus eigener Erfahrung. Die persönliche Finanzleistung beschränke sich ja nicht nur auf Kredite, man übernimmt gleichzeitig alte Schulden und Bürgschaften. Ein riskantes Fahrwasser für junge Menschen. „Wenn du keinen guten Draht zur Bank hast, hast du keine Chance, denn man ist immer von ihr abhängig“, so Guke. Ist das Okay dann stehen meist viele Jahre ohne Urlaub und Freizeit bevor. „Aber es wird sich auch auszahlen“, so Guke.