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Junge Familie belebt altes Haus

Manja Schubert und Michael Lippitsch träumten von einem abgelegenen Bauernhof. Doch fündig wurden sie mitten im Ort.

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Von Madeleine Siegl-Mickisch

Haus und Garten sind für Jette (8), Frida (6) und Jacob (4) wie ein großer Spielplatz. Drinnen müssen ihre Eltern Manja Schubert und Michael Lippitsch immer ein Auge auf die drei haben, schließlich ist das Haus von unten bis oben Baustelle. Dafür ist der Garten groß genug, um sich zu tummeln. Und an manchem der alten Bäume findet sich auch noch ein leckerer Apfel. „Wir haben an die 100 Kirschbäume und noch etliche andere.“ Manja Schubert zeigt auf die Wiese, die sich hinterm Haus erstreckt. Immerhin gehören 18 000 Quadratmeter Land dazu. So erfüllt ihr künftiges Zuhause an der Schulstraße in Hochkirch, obwohl es mitten im Ort liegt, doch ihre Wünsche. „Eigentlich hatten wir ja einen etwas abseits gelegenen Bauernhof gesucht“, erklärt die 38-Jährige, die als Kind gern reiten ging und immer gehofft hat, ihren Traum von eigenen Pferden wahr machen zu können. Doch lange fand sich keine passende Immobilie.

Eher zufällig stießen sie dann bei einem Bautzener Immobilienmakler auf das Haus in Hochkirch. Dass so viel Fläche dazu gehört, lässt sich von der Straße aus gar nicht erahnen. Das Gebäude selbst ist vielen Hochkirchern gut bekannt, war doch lange Zeit ein Lebensmittelgeschäft drin und auch die Wäscherolle, die noch immer in der Scheune steht. Manja Schubert fühlte sich gleich in ihre Kindheit zurück versetzt, als ein Enkel der früheren Besitzer ihnen das Grundstück zeigte. „Bei meinem Opa haben wir auch immer in der Scheune gespielt.“ Längst lebt sie mit ihrer Familie in Bautzen und fühlt sich dort auch wohl. So sei es schön, dass noch mehr Leute mit Kindern im Haus wohnen. Doch zu fünft werde der Platz langsam knapp. Und da ist ja auch immer noch der Traum von den eigenen Pferden.

Das künftige Zuhause in Hochkirch bietet nicht nur viel Land, sondern auch Platz zum Wohnen auf drei Etagen. Einige Jahre stand es leer, schließlich kam die Immobilie in die Zwangsversteigerung – aus der die junge Familie als neuer Besitzer hervorging. Das ist schon gut zwei Jahre her. „Wir wollten dann gleich loslegen“, sagt Manja Schubert. Da erfuhren sie, dass eine Förderung möglich wäre. Schon manche Familie hat in den letzten Jahren einen Zuschuss aus dem EU-Fördertopf für ländliche Regionen bekommen, wenn sie ein leer stehendes Haus wieder bewohnbar gemacht oder eine Scheune umgebaut hat. Und so hieß es erst einmal abwarten und den Tatendrang auf andere Dinge richten. „Im Garten hatten wir ja genug zu tun.“

In diesem Frühjahr kam dann grünes Licht für die Fördermittel. Zuerst packte die Familie selbst an, riss alte Wände heraus. „Im Haus gab es ganz viele kleine Zimmer“, beschreibt Manja Schubert. Dann haben sie den Putz abgeschlagen. „Das war stellenweise ein richtiger Gewaltakt“, sagt Michael Lippitsch (41). Die erste Giebelseite war zwar binnen weniger Stunden geschafft. Doch am anderen Giebel und der Vorderseite erwies sich der Putz als viel hartnäckiger. Nun soll der freigelegte Naturstein sichtbar bleiben.

Im August übernahmen die Bauleute von Hochkirch Bau das Zepter auf der Baustelle, zogen unter anderem zusätzliche Balken ein und ersetzten kaputte. Das Dach bekam vorn und hinten eine große Gaube, damit das künftige Wohnzimmer genug Licht bekommt. Seit wenigen Tagen schwebt die Richtkrone am Haus, nun geht es mit dem Dachdecken weiter. „Und dann gibt es für uns noch viel zu tun.“ Zum Beispiel Türen abschleifen und alte Balken behandeln, die größtenteils sichtbar bleiben werden. Die beiden wollen so viel wie möglich erhalten oder wieder verwenden, zum Beispiel die Kachelöfen im Obergeschoss. Auch Lehm- und Dachziegel haben sie geborgen.

Überhaupt legen sie gern selbst mit Hand an – obwohl sie bisher nichts mit Bauen zu tun hatten. Manja Schubert, die aus Kemnitz bei Löbau stammt, hat Geodäsie studiert, unter anderem in London. Damals glaubte sie nicht so recht daran, in dieser Branche in der Heimat Arbeit zu bekommen. Doch sie hatte Glück und fand ein Unternehmen in Kreba-Neudorf, das weltweit Geodaten erfasst und auswertet. Seit acht Jahren arbeitet sie nun schon dort. Ihr Mann, der aus Großpostwitz stammt, betreibt in Kleinwelka eine Spedition.

Mit dem Einzug wollen es die Fünf nicht überstürzen. „Das wird wohl erst übernächstes Jahr.“ Und irgendwann ist auch die Scheune dran. Dort bekommen dann auch die Pferde ihren Platz.