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Junge Familie rettet verfallene Schmiedescheune

Grit Käming und Stefan Brunkow leben auf einem Bauernhof. Der ist um einen Schatz reicher – und macht Geschichte erlebbar.

© Jens Büttner/dpa (Symbolbild)

Von Katarina Lange

Das Holz ist noch ganz neu. Und das riecht man. Die hellen Balken strahlen mit der Sonne um die Wette. Es fehlen nur noch die Dachziegel. Dann ist die Scheune fertig. Was nach einem Neubau aussieht, ist jedoch keiner. Die Schmiedescheune auf dem Hof von Grit Käming und Stefan Brunkow in Krumhermsdorf ist alt – vermutlich über 400 Jahre. Unter dem Dach wurden früher Pferdehufe beschlagen. Später wurden hier Getreide und Stroh gelagert. Wie in einer ganz normalen Scheune. Doch dieses Haus ist nicht normal. Ganz im Gegenteil.

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Die Schmiedescheune hat mehr als 100 Kilometer hinter sich, bevor sie in Krumhermsdorf landete. Ursprünglich stand sie in Saupsdorf auf dem Hof von Familie Endler. Vor etwa 400 Jahren wurde sie hier errichtet. Und der Zahn der Zeit nagte seitdem an ihr. Das Dach war defekt, es regnete herein. Der Hausschwamm nistete sich ein. Ein Teil der Decken war eingestürzt. Die Standsicherheit war nicht mehr gegeben. Die Saupsdorfer Familie konnte sich die teure Restaurierung aber nicht leisten. Die Scheune verfiel. Abgerissen werden konnte das Gebäude jedoch nicht. Denn seit den Achtzigerjahren steht die Schmiedescheune unter Denkmalschutz. „Wir mussten eine andere Lösung suchen“, erinnert sich Hartmut Gräfe vom Referat Denkmalschutz im Landratsamt Pirna.

Nach vielen Gesprächen mit den Eigentümern übernahm der Landkreis die Verantwortung für die Scheune. „Uns war klar, in Saupsdorf konnte sie nicht bleiben“, sagt Gräfe. Im August 2009 wurde sie deshalb behutsam und substanzschonend abgebaut und umgesiedelt. Die Einzelteile wurden provisorisch in einem Lager in der Lohmener Herrenleite untergestellt.

Es gab viele Ideen, um die Scheune an anderer Stelle weiter nutzen zu können. Im Gespräch war unter anderem die Waldhusche in Hinterhermsdorf. Doch alle Ideen verflüchtigten sich. Bis Grit Käming und Stefan Brunkow auf das historische Schätzchen aufmerksam wurden. Über einen gemeinsamen Bekannten erfuhr die Familie von Denkmalschützer Hartmut Gräfe und von der maroden Schmiedescheune. Das Pärchen war schnell Feuer und Flamme. Seit 2007 leben sie auf einem Bauernhof in Krumhermsdorf. In liebevoller Handarbeit sanierten sie das Gehöft. Platz für eine Scheune gab es. Und genug Motivation.

Scheune kann besichtigt werden

Die beiden setzten sich mit dem Denkmalamt in Verbindung. „Im Januar 2012 konnten wir der Familie die Schmiedescheune übergeben“, sagt Hartmut Gräfe. Damit begann die eigentliche Arbeit. Die Scheune musste schrittweise restauriert werden. Von Lohmen aus wurden die Einzelteile nach Cunewalde transportiert. Eine Firma, die sich auf die Restaurierung von Fachwerk und Umgebinde spezialisiert hat, baute die Scheune wieder auf. Das Puzzle aus Alt und Neu steht seit dem Sommer nun in Krumhermsdorf – nach einem Umweg von 117 Kilometern.

„Das Engagement der Familie ist einmalig“, betont Hartmut Gräfe bei der Wiedereröffnung der Schmiedescheune. Dazu waren auch die Vorbesitzer aus Saupsdorf eingeladen. Was aus der Scheune geworden ist, verschlug ihnen regelrecht den Atem.

Laut Denkmalschutz hätte es für die Familie mehrere Gelegenheiten gegeben, den ganzen Krempel hinzuschmeißen. Grit Käming und Stefan Brunkow hätten allerdings mit unversiegbarer Begeisterung weitergemacht. Nicht nur deshalb wurde das Projekt mit 38 500 Euro gefördert. Mehrere Zehntausend Euro wurden in die Restaurierung gesteckt. Wie viel genau, das hat Eigentümer Stefan Brunkow nicht ausgerechnet. „Wichtiger ist, dass die Scheune gerettet ist“, sagt er. Und wieder genutzt wird. Das haben die Krumhermsdorfer vor. Auf ihrem Hof leben drei Pferde. Sie alle brauchen Futter. Das soll in der Scheune gelagert werden. „Wir wollen die Scheune gern auch der Öffentlichkeit zugänglich machen“, sagt Grit Käming. Zum Beispiel beim nächsten Tag des offenen Denkmals.

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